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Interview

Femme Schmidt über ihr Album „Raw“ und die dunklen Seiten des Lebens

Im September war Femme Schmidt (26) zuletzt in der Stadt, im Vorprogramm von Weltstar Bryan Ferry. Jetzt kehrt die mondäne „Pop Noir“-Sängerin zurück, im Gepäck ihr zweites Album „Raw“.

Das Presse-Info zu Ihrem neuen Album attestiert Ihnen: „Ihre glamouröse Optik hat Schmutz unter den Nägeln.“ Wie sauber sind gerade Ihre Fingernägel?

Ich glaube, das ist nicht wörtlich so gemeint. Hoffe ich (lacht).

Sondern wie? Dass Sie gerne tief schürfen?

Ja, vielleicht. Und das Leben intensiv lebe, auch mit seinen dunklen Seiten. Weil ich meine, dass das dazugehört und durchlebt werden muss, damit man weiterkommen kann.

Ist so auch der Titel zu verstehen, „Raw“, also roh, aber auch unbearbeitet, ungekünstelt?

Zum einen ist das natürlich auch ein Titel vom Album. Aber er steht auch dafür, dass es für mich die vergangenen vier Jahre emotional auf und ab ging, das alles in irgendeiner Form in die Musik geflossen ist und am Ende der rohe Kern geblieben ist.

Sie waren 22, als Ihr Debüt erschien, und klangen, als seien Sie schon ewig dabei. Jetzt, vier Jahre später, gibt es Lieder auf dem Album, auf denen Sie jünger klingen, als Sie damals waren, mädchenhafter, verletzlicher. Gehört das zum Älterwerden, auch diese Seiten zuzulassen?

Ich glaube, ich war damals genauso verletzlich wie heute ...

... aber mit Anfang zwanzig begegnet man solchen Verletzlichkeiten doch mit größerer Klappe als später.

Ja, klar. Man ist in dem Alter natürlich naiver und wird ein bisschen bedachter. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass ich groß erwachsen geworden bin.

Das Gefühl hört nicht auf.

Hoffentlich (lacht).

Warum hat es vier Jahre gedauert bis zu „Raw“?

Das war so nicht geplant. Ich bin damals, nach der Tour zu dem „Femme Schmidt“-Album, nach L. A. gegangen und habe gedacht, ich zieh da mal vier Wochen hin, schreibe zwölf Songs und bin fertig. Nichts da. Mir ist schnell klar geworden, dass ich das, was ich suche, nicht an einem anderen Ort, in einer anderen Person oder in einer anderen Erfahrung finden werde, sondern nur in mir selbst. Aber darauf muss man warten: dass man den richtigen Weg zu sich selbst findet.

Das erste Album entstand zusammen mit Guy Chambers, der nach den Erfolgen mit Robbie Williams und anderen damals so ziemlich der heißeste Songwriter der Welt war. Warum die Abkehr?

Abkehr würde ich das nicht nennen. Wir haben auch für dieses Album Songs zusammen ge-schrieben. Aber alle Vögel müssen einmal das Nest verlassen. Bei Musik geht es darum, Emotionen einzufangen; da kochen wir alle nur mit Wasser. Wichtig ist es, jemanden zu finden, der in derselben Musikwolke schwebt.

Zu den Songwritern, mit denen Sie es dann versuchten, gehörte auch der große Dave Stewart ...

Wir haben uns gleich bei meinem ersten Aufenthalt in L.A. getroffen, zum Songschreiben. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es dazu kam. Aber er ist ein wahnsinnig toller Mensch, ein unglaublicher Künstler. Der Song, den wir ge-schrieben haben, hat es leider nicht aufs Album geschafft; dafür ist eine total tolle Freundschaft daraus entstanden. Und wer weiß ...

Für den Klang von „Femme Schmidt“ wurde der Begriff „Pop Noir“ geschaffen. Wie nennen Sie Ihre Musik heute?

Ich glaube, ich werde mein Leben lang Pop Noir machen, auch wenn sich der Klang vielleicht etwas ändert. Jede Musik hat ihr eigenes Genre verdient, und das ist meines.

Wie wird das live klingen?

Wir sind zu fünft, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und ich. Ich werde versuchen, den Zuschauern einen größeren Einblick in meine Welt zu geben und wo - verdammt noch mal - ich die vergangenen Jahre gesteckt habe.

Femme Schmidt: „Raw“ (Warner) - ab 4. März. Live ist das am 10. März im Musikzentrum zu hören. Karten (23,80 Euro) gibt es in den NP-Ticket-Shops.

NPVisitenkarte

Geboren 14. Februar 1990 in Koblenz als Elisa Schmidt. Schon als Kind wollte die heute als Femme Schmidt bekannte Songwriterin Musik machen. Mit 16 Jahren ging sie an das Musikinternat Hurtwood House in London, mit 20 unterschrieb sie ihren ersten Vertrag beim Major-Label Warner Music. Das selbstbetitelte Debüt-Album erschien 2012; produziert wurde es von Robbie-Williams-Mastermind Guy Chambers. Mit Elton John war sie auf Australien-Tour. Mit Lionel Richie trat sie in Paris auf. Im Herbst spielte sie im Vorprogramm von Bryan Ferry. Femme Schmidt lebt mit ihren Hunden in Berlin und London.


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