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Erfolg mit Fantasy: Wolfgang Hohlbein (56)

NP-Interview

Fantast Wolfgang Hohlbein: "Größenwahn gehört dazu"

Wolfgang Hohlbein (56) ist Deutschlands Auflagenkönig: Seine Fantasy-, Horror-, Historien- und Science-Fiction-Romane wurden 35 Millionen Mal verkauft. Jetzt bringt das Theater für Niedersachsen sein Debüt „Märchenmond“ als Musical auf die Bühne. Ein Interview.

VON STEFAN GOHLISCH

Wie irritiert waren Sie, als Sie hörten, dass aus „Märchenmond“ ein Musical werden soll?
Ich war sofort davon angetan. Meine Frau und ich sind große Musical-Fans; die meisten großen Stücke haben wir alle gesehen. Nun bin ich gespannt, wie „Märchenmond“ auf der Bühne rüberkommt. Die erste Fassung des Drehbuchs fand ich schon sehr ansprechend. Der erste Workshop, dem meine Frau und ich beiwohnen durften, hat uns sogar regelrecht begeistert.

Ihr Lieblingsmusical?
Nach wie vor „Tanz der Vampire“ und dann „Les Miserables“.

Haben Sie den hannoverschen „Sommernachtstraum“ gesehen?

Leider nicht.

Sie sind an den Workshops zu „Märchenmond“ beteiligt. Was ist Ihr Beitrag?
Eigentlich gar keiner; mir ist keine Rolle zugeteilt worden (lacht).

Fällt es Ihnen leicht, Ihr geistiges Kind in fremde Hände zu legen?
Ja und nein. Natürlich würde ich am liebsten alles selber machen: Ein kleiner Schuss Größenwahn gehört bei diesem Beruf dazu. Aber es ist auch spannend.

Wie gut sind Sie als Teamplayer?
So lange alle machen, was ich will … Nein, im Ernst: Märchenmond ist in Zusammenarbeit mit meiner Frau entstanden. Zusammenarbeit mit Kreativen ist mir in vielerlei Hinsicht immer schon sehr wichtig gewesen.

Trotz Ihres Erfolgs ist noch keines Ihrer Bücher verfilmt worden. Weil Sie nicht wollten oder mangels Nachfrage?
Es gab schon eine Nachfrage, vor allem in den 80er und 90er Jahren. Damals wollte ich aber noch nicht: Die Technik war nicht da, um so etwas wie meine Bücher vernünftig umzusetzen. Das hat man damals zum Beispiel an der Verfilmung von Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ gesehen. Danach hatte es sich bei den Produzenten erst einmal festgesetzt, dass der Hohlbein gar nicht will.

Und es tut sich gar nichts?
Doch. „Azreal“ ist in enger Zusammenarbeit mit der Neos Film in aktueller Planung, andere Projekte laufen mit der sehr erfolgreichen Ratpack an. Auch mein „Hagen von Tronje“ wird mit hoher Wahrscheinlichkeit verfilmt, in den USA. Dort gibt es einen Bedarf an internationalen Stoffen, da bietet sich die Nibelungen-Sage an. Ich bin gespannt, wie man damit umgeht. Wenn man 300 Millionen ausgibt, kann man richtig auf den Putz hauen; das hat man gerade bei „Avatar“ gesehen. Andererseits: Man braucht nicht immer Geld. Im letzten Jahr hat eine semiprofessionelle Gruppe auf den Fantasydays „Die Chronik der Unsterblichen“ auf die Bühne gebracht, als Musical mit Playback. Ich fands ganz toll.

Motiviert Sie so etwas?
Ich war nie demotiviert. Und ich mag Grenzüberschreitungen. Ich arbeite zum Beispiel gerade mit einer Heavy-Metal-Band an einem Konzept-Album.

Anders gefragt: Warum schreiben Sie noch so viel? An Geldmangel wird es kaum liegen…
Ja, mein letzter Antrag auf Hartz IV wurde abgelehnt (lacht). Es macht mir einfach Spaß. Ich sage immer, ich mache seit 35 Jahren gut bezahlten Urlaub.

Woher kommen Ihre Ideen? Sie haben mal gesagt: aus dem Alten Testament.
Es gibt keine konkrete Quelle für Ideen. Aber es kann tatsächlich mal das Alte Testament sein, aber auch Filme oder Bücher. Bei den wenigsten Büchern kann ich sagen, woher die Grundidee kommt. Und wenn, ist diese häufig nur ein erster Dominostein.

Wann und wie schreiben Sie?
Ich bin ein Nachtmensch, darum nachts. Das war auch praktisch, wegen der Kinder. Da bin ich nach dem Schreiben noch zwei Stunden wachgeblieben und habe mit ihnen gefrühstückt. Und ich schreibe tatsächlich noch mit der Hand, allerdings mit einem elektronischen Stift.

Sie sind in der Vergangenheit auch nicht vor Auftragsarbeiten zurückgeschreckt. Ich denke da etwa an Ihre „Indiana Jones“-Bücher…
Die habe ich gemacht, weil ich schlicht und einfach das Geld brauchte, und es war das Klügste, was ich je gemacht habe. Dadurch haben viele Menschen in Amerika meine Arbeit kennengelernt, die das sonst nie getan hätten. Und wenn mir der Stoff gefällt – warum nicht? Dieser umgekehrte Weg vom Bild zum Buch ist interessant, weil man erst bei der Novellisierung merkt, wie viele Leerstellen man füllen muss.

Woher kommt Ihre Neigung zur Fantastik?
Weil ich damit angefangen habe: Das Erste, was ich nach Micky Maus gelesen habe, war Karl May – vielleicht kommt daher auch meine Neigung zu schwafeln. Und dann habe ich mich von Perry Rhodan über Lovecraft und Poe bis zu Stephen King vorgearbeitet.

Ein Lesetipp?
„Der Schwarm“ von Frank Schätzing, auch wenn das Buch – das darf ich ja eigentlich gar nicht sagen – viel zu lang ist. Ich lese auch ganz gerne mal einen guten Thriller. Und Dean Koontz, der mir besser noch als King gefällt.

Fantastische Stoffe boomen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Eigentlich war das immer schon da; es gab immer ein großes Interesse daran. Fantasy ist auch nur Märchen, mit anderen Mitteln erzählt. Aber meine Generation ist vielleicht die erste, die damit aufgewachsen ist und keine Scheu hat, sie auch ihren Kindern zu erlauben.


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