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Kultur „Fake News“ im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur „Fake News“ im Sprengel Museum
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13:05 11.03.2018
VOLLER EINSATZ: Das Gemälde „Blick auf die Jungfrau bei Mürren“ stammt nicht von Oskar Kokoschka.
Hannover

Der Sammler war so stolz auf seine neue Skulptur – und hatte doch eine leichte Ahnung. Bernhard Sprengel schrieb dann an Alberto Giacometti, dass der doch bitte bestätigen möge, dass der Abguss der „Figurine“ von 1960 echt sei. Was der Künstler so nicht bestätigen wollte und konnte.

Denn die eigentlich sündhaft teure Bronze ist eindeutig eine Fälschung. Oder – genauer gesagt – ein nicht autorisierter Abguss, den das Sprengel Museum in seiner Sammlung hat und in einer ebenso mutigen wie handlichen Ausstellung im Neubau präsentiert. Titel: „Fake News – Original + Fälschung + Kopie + ... aus der Sammlung“.

In einem abgedunkelten Raum werden die Gemälde von einigen Schwergewichten der Kunstgeschichte präsentiert. Wie dieses wuchtige Format, das im Echtheitsfalle Millionen kosten würde, angeblich von Oskar Kokoschka. 1,10 Meter breit ist die Landschaftsansicht „Blick auf die Jungfrau von Mürren“ von 1912. Zumindest an der Farbe wurde hier nicht gespart. Aus dem Landesmuseum hatte das Sprengel Museum das Bild übernommen, das im aktuellen Kokoschka-Katalog zu Recht nicht mehr aufgeführt wird. Das Ganze war schwer zu erkennen, dass das Bild schon Jahrzehnte existiert und schon 1920 zu Kokoschkas Lebzeiten im Leipziger Kunstverein präsentiert wurde und der Künstler nicht protestierte. Es stammt wohl von einem Schüler.

Einen materiellen Wert haben solche Bilder nicht mehr. Aber vielleicht noch einen „Kunstwert“? Diese Frage stellt die Ausstellung, und die kann sich jeder Betrachter stellen, wenn er vor den Bildern steht. Wie vor den Zeichnungen von Kultkünstler Wols, von dem seine „Geisterstadt“ zu sehen ist. Das Aquarell „Ville fantome“ aus seinem Todesjahr hat wohl seine Witwe angefertigt, sie brauchte halt Geld.

Manche Künstler wie der ebenfalls gezeigte Giorgio de Chirico haben ihre Werke gleichsam selbst gefälscht, rückdatiert, nicht mehr als eigene anerkannt, weil sie ihnen nicht mehr gefielen. Oder Künstlerkollegen haben das gemacht, um sie zu kritisieren, zu blamieren. Das alles muss jeweils untersucht werden. „Wir setzen auf Transparenz“, so Sprengel-Direktor Reinhard Spieler, „wir wollen wissen, wie Dinge ins Haus gekommen sind.“

Das Museum stellt seine Expertise auch normalen Kunstfreunden zur Verfügung. Kuratorin Carina Plath, die die bemerkenswerte „Fake“-Schau konzipiert hat: „Ich habe hier gerade einen ,Van Gogh’ zur Begutachtung.“ Was Leute so alles finden ... Manchmal tauchen auch angebliche Werke von Niki de Saint Phalle auf – die werden dann an die Foundation weiter geleitet.

Sechs Werke zeigt die Ausstellung, geschätzt zehn „echte Fälschungen“ befinden sich in der Sammlung des Museums. Vergleichsweise wenig, denn das Museum baut glücklicherweise mehr oder weniger auf die Zeitgenossen – da lohnt sich das Fälschen nicht so sehr.

Oder man macht, wie man heute so sagt, „alternative Kunst“, eben das Fälschen an sich zur Kunst. Wie es die verblüffenden Arbeiten von Dirk Dietrich Hennig zeigen, der sich bisweilen in den Schwitters-Fälscher C.G. Rudolf (1912–2012) verwandelt – mit entsprechender Biografie. Für die Stasi habe er gearbeitet. Und für sich ganz privat die Materialbilder von Kurt Schwitters nachgemacht. Verblüffend nachgemacht: Die Arbeiten sind dreifach signiert, von Schwitters, Rudolf und Hennig, damit auch nichts damit passieren kann.

Bis 14. Oktober. Ein kleines Heftchen erzählt die Geschichten rund um die einzelnen Fälschungen.

Von Henning Queren

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