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Spektakulär: Der Cirque du Soleil entführt die Zuschauer bei „ovo“ in die Welt der Insekten.

Spektakulär: Der Cirque du Soleil entführt die Zuschauer bei „ovo“ in die Welt der Insekten.
© Handout

Cirque du Soleil

Ein dickes Ei der Zirkuskunst

Im kommenden März kommt der weltberühmte Cirque du Soleil mit seiner aktuellen Show „Ovo“ („Ei“) für fünf Tage und sieben Vorstellungen in Hannovers Tui-Arena. Unser Mitarbeiter Kai Schiering hat sich das Spektakel aus Zirkuskunst und virtuoser Inszenierung in den USA angesehen.

Pittsburgh. Die kleine Welt der Insekten und mittendrin ein dickes Ei – das ist „Ovo“, die Show vom Cirque du Soleil, die seit 2009 durch die Welt tourt und 2018 in Hannover halt machen wird.

„Ovo“ ist artistische Unterhaltung auf höchstem Niveau, mit einer spannenden Geschichte über Gliedertiere und ihren Mikrokosmos. Eine niedliche und erstklassige Hommage an Raupen, Fliegen und Käferlein, über die, die am Waldboden leben und krabbeln. Deborah Colker, Chef-Choreografin der ersten Stunde, hat sich die Geschichte ausgedacht. Es ist die 25. Produktion des Cirque du Soleil, in seinem 25. Jubiläumsjahr.

„Ovo“ startet wuselig und übermütig. Die Akteure erwachen, sie recken und strecken sich und ihre Beinpaare, putzen die stacheligen Borsten und ihre langen Fühler. Insekten müssen immer alles geben – sie arbeiten, essen, krabbeln, kämpfen und spielen. Vor allem letzteres. Eine Gruppe chinesischer Akrobaten jongliert große Kiwi-Scheiben und Maiskolben mit ihren Füßen. Sie drehen sie geschickt, stoßen sich die Spielgeräte einander zu. Die kreisrunde Bühne sorgt für gute Sicht auf die Vorführungen, optische Einschränkungen gibt es nicht. Die Leinwand zeigt Großaufnahmen der Flora, herrlich bunt und angenehm positiv anzuschauen.

Das Publikum im Petersen Events Center der University of Pittsburgh – gut 8000 Cirque-Fans sind in die Mehrzweckarena gekommen – ist willig und bereit für gute Unterhaltung: „Ah!“ und „oh!“ erklingt es sogleich von den Rängen. Das ist in Deutschland etwas anders, in den USA werden Show und Kunst sofort handfest gefeiert.

Cirque du Soleil legt seinen Schwerpunkt auf Akrobatik und Artisten. Das zieht besonders bei den Familien. Pittsburgh ist mit etwas über 300 000 Einwohnern eine Großstadt im „Rust Belt“, dem ehemaligen „Stahl-Gürtel“ der USA. Den Sprung in die urbane Moderne ist ihr erfolgreich gelungen; die Stimmung ist fabelhaft, es ist eine illustre Menschenmenge zusammen gekommen, Familien mit Großeltern und Enkelkindern, viele Pärchen. Derweil kriechen die „Chinin-Kumpanen“ unter der Bühne hervor, winden sich wie die Geister zur Musik, kriechen durch die schmalen Löcher im Boden.

Die gute Liveband bleibt leider während der gesamten Show unsichtbar. Auf der Bühne und im hinteren Bereich ist nicht viel Platz für alle Akteure und ihre Helfer. Dafür spielen sie die modernen Rhythmen wohltemperiert und mit guter Laune. Mit folkloristischen und brasilianischen Anleihen zaubert sich die Band durch ein hippieskes Arrangement. Die von Berna Ceppas komponierte Musik lässt sich gut hören, wird frech und flott interpretiert.

Der „Neuling“ unter den Insekten, eine Mischung aus Schmeißfliege und Mistkäfer, schleppt indessen ein großes Ei in die Manege. Stöhnt und keucht wie beim Umzug in den vierten Stock. Doch er lässt nicht locker, ist ein Sisyphos in der Tierwelt und verteidigt sein Gut. Die Grashüpfer zappeln neugierig um ihn herum, ihre Kostüme sind mit den nach hinten weisenden Gelenken besonders treu gestaltet. Ein Schmetterling erwacht und kriecht aus seinem Kokon. Es folgt ein Tanz in atemberaubender Höhe. Ohne Netz und doppelten Boden, da muss jeder Handgriff sitzen, denn eine gefühlte Feuerwehrleiter hoch wirbelt Catherine Audy mit ihrem Partner an den „Duo Straps“, den langen Riemen. Als weiße Falter drehen sie sich gefährlich schnell über dem Boden.

Die Clowns sind die heimlichen Stars der Show. Sie lenken gekonnt von den notwendigen Umbaupausen ab und haben dabei ihre große Bühne. Ihr „Tollpatsch-Duell“ – Jan Dutler ist die „Fliege“ und Gerard Regitschnig der Skarabäus „Master Flipo“ – bringt die gewünschte Ablenkung und sorgt für viel Vergnügen.

Der Tanz der Raupe „Creatura“ erinnert an eine Zellteilung, verblüffend, wie sie ihre Röhren-Glieder verdreht. Das ist die schönste und fantasievollste Verkleidung heute Abend, dazu die außergewöhnlichste Choreografie.

Das Ensemble präsentiert zwei Profile an Künstlern. Zum einen die Charaktere, wie Clowns und Schauspieler. Da gibt es die „formidable Marienkäferdame“ Coccinelle. Eine, die nicht nur für Eifersüchteleien zwischen Fliege und Käfer sorgt, sondern auch herrlich schnutig schaut und gut verpackt über die Bühne wackelt. Mit dem vermeintlich „Unperfekten“ wird hier offen gespielt, und am Flirten zwischen „Schmeißi“ und der „Marienkäferin“, erfreuen sich die Zuschauer. Dabei ist die Show erfreulicherweise weder bedeutungsschwanger, noch mit einer Liebesgeschichte überbordet.

Die „Ladybug“ heimst viel Extra-Beifall für ihren Auftritt ein. Das zweite wichtige Standbein der Show sind die Athleten und Turner: Die „Ameisen“ kreiseln munter durchs Trapez, scheinbar mühelos werfen sie sich durch die Zirkusluft. Ein perfekter Seiltanz lässt Magie vermuten, der Spinnentanz besticht durch feinste Körperbeherrschung und kräftezehrende Gymnastik, und mit dem Diabolo-Spiel, wird hochklassige Jonglierkunst vorgestellt. Das ist jetzt traditionelle Zirkusarbeit, bei dem das Publikum ebenfalls mit einbezogen wird. Eine Zuschauerin wird als Käfer verkleidet und steht plötzlich mitten im Geschehen. Sie ist gut bei der Sache und somit ein Glücksgriff für die Clowns. Also Obacht mit den Plätzen in den vorderen Reihen!

Der Endspurt überzeugt mit Sprungkraft. Artisten aus Russland begeistern mit Trampolin-Ekstase. Die Zuschauer schütteln den Kopf ob der gewagten Fertigkeiten und riskanten Stunts. Unter viel Beifall und mit Verbeugungen geht es schließlich gemeinschaftlich zum Abgang, stehende Ovationen der Fans inklusive.

Der Cirque du Soleil bringt das Publikum mit der „Ovo“-Show zum Träumen. Das ist vielleicht der größte Erfolg überhaupt und die schönste Anerkennung in der Zirkuswelt. Ihnen dabei zuzuschauen, bei den Herausforderungen, der tollkühnen Akrobatik, ist atemberaubend und eine Flucht aus einem abgesicherten und routinierten Tagesablauf. Für Kinder und Erwachsene eignet es sich gleichermaßen, denn „Ovo“ ist fried- und freudvoll, mit fantasievollen Kostümen, klaren Farben, naiv und fröhlich überzeichnet – „Ovo“ macht glücklich! Und was es mit dem Ei nun auf sich hat, das lässt sich dann im kommenden März in Hannover herausfinden.

„Ovo“ kommt vom 14. bis 18. März 2018 in die Tui-Arena: Vom 14. bis 17. geht es um 20 Uhr los. Außerdem gibt es noch eine 16-Uhr-Show am 17. Am 18. spielt der Cirque du Soleil ab 13 und 17 Uhr. Karten (48,65 bis 98,15 Euro) gibt es
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Von Kai Schiering


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