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Lustig: Caroloin Kebekus in der Swiss-Life-Hall.

Lustig: Caroloin Kebekus in der Swiss-Life-Hall.
© (c) Schaarschmidt

Comedy

Ein Piccolöchen für die „Alphapussy“

Weiblich, lustig, selbstbewusst: Komikerin Carolin Kebekus, selbsternannte „Alphapussy“, begeisterte 4000 Besucher in der Swiss-Life-Hall.

Hannover. „Zu Schlager kannst Du nicht randalieren“, sagt Carolin Kebekus – deswegen kommt „die Frau, die das Land entzweit“ zu den Klängen von Rage Against the Machine auf die Bühne, mit Elan, Attitüde und einem „Alphapussy“-Schlachtruf auf den Lippen, den die 4000 Zuschauer in der Swiss-Life-Hall sofort erwidern.

„Ich wollte eigentlich rauskommen und euch fertigmachen, aber jetzt ist mein Herz voller Liebe!“, sagt sie. Und das gilt allein schon, weil man in Hannover Kebekus‘ Wunsch nach einem „Wegbier“ versteht: In München wurde ihr statt dem „Fußpils“ einfach ein normales Bier besorgt.

Das Publikum am Samstag ist zum Großteil jung und erklärt der Komikerin, was „Limmern“ bedeutet – ihre Wandlung von einer kontroversen Komikerin zur kontroversen Kabarettistin hat Kebekus aber insgesamt in diverseres und größeres Publikum eingebracht. Und das muss auch Verdauungs-Material aushalten: „Jetzt schon zu ekelig?“, fragt sie in einem Bit über Fürze, „dann noch viel Spaß, das wird nicht besser.“

Wird es aber – mit den Frauen trinkt Kebekus „ein Piccolöchen“ auf das neue „Nein“ im Sexualstrafrecht und sinniert über die Reaktion des IS, als der terrorgefährdete Karneval 2016 dann wegen eines Gewitters abgesagt wurde.

Kebekus kann etwas, was in Deutschland wenige können – erst Recht in Mehrtausenderhallen: Einen lustigen Abend ohne Gimmicks, aber mit umso mehr Gags. Keine albernen Verkleidungen oder Charaktere, kaum geplante Zuschauer-Interaktion, kein antrainierter Sprachfehler – einfach Stand-up-Observationen, etwa über die Welle von YouTube-Anleitungen: „Schuhe zubinden-Tutorials von Ottos, für Leute, die nach ‘nem Schlaganfall alles neu lernen müssen.“

Kebekus wundert sich, dass mittlerweile jeder Beitrag einen Shitstorm verursacht: „‚Alle Ausländer raus‘ steht da unter einem Spätzlerezept“. Auch sie zieht streitbare Kommentare und Drohungen an – von Frauenhassern und Nazis, aber auch Helene-Fischer-Fans und Veganern. Für erstere kommt jetzt der feministische Teil: „Smoothies und Skinny Bitches“, Körperideale und Lifestyle-Produkte nimmt sich die Kölnerin vor. „Eine Frau, die sich in ihrem Körper wohl fühlt, kauft keine Scheiße“ – wäre sie in einer Unternehmensführung, würde sie jeden Posten mit Frauen besetzen: „Ist ja viel billiger“.

Da redet die Komikerin Klartext: Mädchen sollten als „Alphapussies“ erzogen werden und sich nicht hinter niedlichen Instagram-Filtern verstecken. Ist das ernst gemeint? Na klar: „Ich habe viele schlimme Sachen gesagt. War natürlich alles so gemeint“. Nach fast drei Stunden verabschiedet sich Carolin Kebekus mit einem Song – 4000 geben Standing Ovations.

Von Lilean Buhl


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