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© Christian Behrens

Kultur

Ein Figurentheater wird erwachsen

Das Theatrio, Hannovers Puppentheater, beginnt im Herbst mit einem Programm für Erwachsene.

Hannover. „Es ist ein Naturgesetz, dass man stillsteht, wenn es nicht vorwärtsgeht“, eröffnet der Theatrio-Geschäftsführer James McDowell die Vorstellung des neuen Programms für den Herbst. Der seit diesem Februar aktive Chef des Figurentheaterhauses Hannover hat große Pläne für das Haus. „Theatermacher lieben die Herausforderung. Ich habe keine Ahnung von Puppentheater, aber ich weiß, wie die Branche funktioniert. Darum will ich hier ein Abendprogramm schaffen, das gut besucht ist. Das hat auch mit meinem Ehrgeiz zu tun.“

Der Mann kennt sich auf jeden Fall aus. Geboren in Manhatten, war er doch Ende der 90er Jahre Künstlerischer Leiter der Nibelungen-Festspiele in Worms und außerdem in der Theaterszene von Frankfurt, Hamburg und Augsburg unterwegs. Seine Idee für das Abendprogramm im Theatrio sind Stücke für Erwachsene. Dabei geht es nicht gerade zimperlich zu. Mit „Sascha – bis hierhin und nicht weiter“ thematisiert das Gastspiel vom Figurentheater Holzwurm die Strategien pädosexueller Täter. Bei „Hannes und Paul“ vom Seifenblasen-Figurentheater geht es um Homosexualität während des Nationalsozialismus.

Überhaupt sind Gastspiele ein wichtiges Thema für James McDowell, da das Figurentheater Hannover sich bisher auf ein Programm für Kinder und Jugendliche konzentriert hat. „Wir wollen so auch die bespielte Zeit in unserem Haus erhöhen“, erläutert McDowell.

Einer dieser Gäste ist Detlef Heinichen, Gründer des Theatriums in Bremen und in Dresden und ein Urgestein des deutschen Puppentheaters. „Das Schöne an Puppen ist, dass sie alles dürfen und können. Vor allem in Kombination mit Menschen ergeben sich spannende Situationen“, sagt er. Heinichen spricht aber auch offen über die Schwierigkeiten der Nische, in der sich seine Kunst bewegt: „Es bedarf einer sehr großen Akzeptanz von Seiten der Politik, um Außenwirkung erzielen zu können.“ Die ist in Hannover gegeben. Kulturdezernent Harald Härke hat das Vorwort für das Programm geschrieben: „In Hannover bereichern seit Jahren sehr gute Figurentheater das kulturelle Leben.“

Zu dieser Bereicherung zählt auch eine Kooperation mit den Stadtteilbibliotheken, für die Lena Greter von der Stadtbibliothek Hannover verantwortlich ist. „Die Kinder suchen Bücher aus, die sie dann als Puppentheater umsetzen. Damit haben wir in Vahrenwald jetzt schon sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Insgesamt arbeiten vier Theaterpädagogen mit dem Theatrio.

Am 28. August, um 11 Uhr, geht das Kinderprogramm los mit dem Stück „Konrad & Lorenz ... oder: Ich hab dich zum Fressen gern“. Der erste Abend für Erwachsene beginntt am 2. September um 20 Uhr mit einer Puppentheaterversion des Films „Adams Äpfel“, in dem ein Neonazi auf einen gutgläubigen Pastor trifft.

„Das Figurentheater möchte erobert werden“, sagt Toni Seiler vom Figurentheater Seiler. Das neue Programm dürfte das sehr einfach machen.

von Jan Heemann


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