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VOLLE BUDE: Dr. Eckart von Hirschhausen, Mediziner, Charmeur und Kabarettist, rechnet im zweimal ausverkauften Theater am Aegi vor Waldkulisse mit alternativer Medizin ab (großes Bild). Das Publikum ist begeistert.Fotos: Franson

VOLLE BUDE: Dr. Eckart von Hirschhausen, Mediziner, Charmeur und Kabarettist, rechnet im zweimal ausverkauften Theater am Aegi vor Waldkulisse mit alternativer Medizin ab  Das Publikum ist begeistert.© Samantha Franson

Theater

Eckart von Hirschhausen zweimal im ausverkauften Aegi

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Kassenpatient. Was erst einmal wie ein typischer Witz von ihm klingt, ist die Wahrheit. Denn von Hirschhausen hält die Solidarität für richtig und wichtig, schließlich gäbe es in Deutschland ein funktionierendes Gesundheitswesen.

Hannover. Der 49-jährige Frankfurter ist ein „geiler Heiler“, irgendwie. Obwohl er sich gerade diese Typen, die Scharlatane und vermeintlichen „Wunderheiler“ (so heißt auch sein Programm), vorgenommen hat. Zwei Abende im Theater am Aegi waren ausverkauft, die Zahl der Neulinge hält sich mit jener der Wiederholungstäter die Waage. Das lässt er sich gleich mal von ihnen anzeigen.

Von Hirschhausen hat seine Bühnenkarriere vor 20 Jahren im hannoverschen GOP begonnen. Daran erinnert er gern. Ein Sunnyboy mit knabenhafter Stimme, im obligatorischen blauen Anzug und im weißen Hemd. Ein Klavier steht im Wald - die Kulisse schmückt eine riesige Fototapete, beruhigendes Grün, Laub und Licht. Pianist Christoph wird ihn später begleiten.

„Wunder in der Medizin. Das ist ein wunder Punkt“, sagt er. Denn: „Die Medizin ist die einzige Wissenschaft mit einer Alternative.“ Eckart von Hirschhausen ist kein Freund solcher Alternativmedizin. Er verlangt Beweise von ihren Verfechtern und erwähnt immer wieder, dass die Leistungen nicht von den Kassen bezahlt werden. Er moralisiert und politisiert.

Er ist auf der Seite der Placebo-Forschung, seinem liebsten Interessensgebiet in der Medizin. Engagiert erzählt er vom US-amerikanischen Chirurgen Bruce Moseley und dessen Studie zum Placebo-Effekt bei Scheinoperationen. Seine Ergebnisse sind belegt. Positives Denken, Barmherzigkeit und Selbstheilung sind für von Hirschhausen unverzichtbar. Das stecke schon in Wörtern wie Charité und Hospital. Nur die Fallpauschale grätscht wie ein Fallbeil dazwischen: Schnell raus aus dem Krankenhaus, sonst macht das noch Verluste: „Überlegen Sie: Ihr Körper ist ein Gebrauchtwagen, würden Sie ihn kaufen?“

Vor seiner Laufbahn im Kabarett stand von Hirschhausen als Zauberkünstler auf der Bühne. Der Trick mit einer zersägten Jungfrau muss leider abgesagt werden: „In Hannover ließ sich keine Säge finden.“ Dafür zerreißt er eine Zeitung, die umgehend wieder ganz wird. Zuschauer Markus muss auf die Bühne, zur Blinddarm-OP, Lehrerin Julia unter die Handguillotine. Sie überlebt die Prozedur, eine Gurke nicht.

Die Stimmung im Theater ist prima, trotz einer Erkältung singt er „Tears in Heaven“, den Clapton-Titel, auf Deutsch. Mit Lagerfeuer und Sternenhimmel, Medizin und Magie verabschiedet von Hirschhausen sich bis 2018.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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