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Singt Lieblingslieder: Jochen Distelmeyer ist mit "Songs from the Bottom" auf Tour und kommt auch ins hannoversche Lux.© Foto: Sven Sindt

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NP-Interview

Distelmeyer: "Gute Musik lügt nicht"

Mit seiner Band Blumfeld war Jochen Distelmeyer so etwas wie der Lehrmeister der Hamburger Schule. Nach einem Ausflug in die Schriftstellerei mit der modernen Odyssee „Otis“ ist er nun wieder auf Tour, im Gepäck das erstaunliche Cover-Album „Songs from the Bottom, Vol.1“ mit Liedern von Britney Spears bis zu Peter Seeger.

Nach „Otis“ eine Odyssee durch die Musikgeschichte - wie kam es dazu?

Auf der Lesereise zu „Otis“ hatte ich einige Coverversionen in die Lesungen eingeflochten, die mit dem Roman zu tun hatten. Vom Publikum wurde ich dann gefragt, ob meine Versionen schon irgendwo veröffentlicht seien. Waren sie nicht. Am Ende der Tour beschloss ich dann spontan, ins Studio zu gehen, um die Lieder aufzunehmen und als Dankeschön an die Fans zu veröffentlichen.

Stellte ein einzelner Song die Initialzündung dar, und wenn ja, welcher?

Es waren tatsächlich zwei Songs: „I read a lot“ von Nick Lowe und „Toxic“ von Britney Spears. Die beiden habe ich jeden Abend auf den Lesungen gespielt. „Toxic“, weil er mich an den Gesang einer „vergifteten“ Sirene erinnert hatte und das sehr gut zum Thema des Romans, einer modernen Odyssee, passte.

Britney Spears war Ihnen also eine Sirene - und Lana Del Rey vermutlich auch? Und welche Rolle spielen dann Leute wie Richard Ashcroft und Pete Seeger - Scylla und Charibdis?

Ja, auch diese 50er-Jahre-Girl-Group- Tradition, in der Lana Del Rey steht, Bands wie die Shangrilas und Ronettes, war entscheidend. Bei den anderen Songs gibt es keine so klaren Bezüge zu meinem Roman. Die meisten sind einfach Lieblingslieder von mir, die ich immer schon mal covern wollte.

In „Otis“ geht es nicht zuletzt um einen jungen Mann an der Grenze zwischen Pop- und Hochkultur. Ist das die thematische Einheit?

Mir gings eher um die Darstellung unserer Welt im Wandel. Die Orientierungslosigkeit des Westens und die Einsamkeit des modernen Menschen. Dafür spiele ich mit Elementen der „Odyssee“ von Homer. Der Roman erzählt die Irrfahrt eines Liebenden als politischer Abgesang.

Wie groß ist der Anteil der Lieder, die Sie einfach mal gerne spielen wollten, im Vergleich zu denen, die Ihrer Ansicht nach einfach mal ein besseres Arrangement brauchten?

„Bessere Arrangements“ wäre mir zu anmaßend. Mir haben alle Songs schon im Original gefallen, und ich spiele sie einfach so, wie ich sie fühle.

„Songs from the Bottom“: Meint das unterste Kajüte oder aus der Tiefe des Herzens?

Meine Musik kommt immer aus der Tiefe des Herzens. Auch wenn ich covere. Anders geht es nicht.

Gehört zu echter Ergriffenheit nicht manchmal auch ein wenig Peinlichkeit?

Da ist was dran! Ja, die Überwindung von so Peinlichkeitsklischees, die einen unfrei machen und daran hindern, seinen eigenen Gefühlen zu trauen und dafür einzustehen. Gute Musik lügt nicht.

Wie werden Sie die Lieder live arrangieren?

Ähnlich wie auf Platte. Intim und reduziert. Dazu werde ich live von meinem Keyboarder Daniel Florey begleitet.

Welche kommen noch hinzu?

Ein paar andere Coversongs wie zum Beispiel „Killer“ von Adamski, das ich früher schon mit Blumfeld gespielt habe, und auch eigene Songs.

Und welche haben Sie für „Songs from the Bottom Vol. 2“ in der Hinterhand?

Also, der Gedanke an eine Fortsetzung ist natürlich verlockend. Aber als nächstes werde ich mich erstmal an die Arbeiten zu meinem nächsten Soloalbum mit eigenen Stücken machen. Und dann wird sich zeigen, wann und wie es mit „Songs from the Bottom“ weitergeht.

Das Konzert im Lux (21. April) beginnt um 20 Uhr. Karten (18,90 Euro) gibt es unter anderem in den NP-Ticketshops.


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