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Oper

Dionysos-Oper in Salzburg gefeiert

Wolfgang Rihms Rausch-Oper „Dionysos“: Salzburg feiert Uraufführung mit dem Bühnenbild von Jonathan Meese.

Dionysos-Oper in Bayreuth

© dpa

VON MIRIAM BANDAR

SALZBURG. Aller Anfang ist das Frauenlachen. Perlend, sphärisch, neckend. Langsam wird es zur geordneten Musik, das Orchester setzt ein, und drei Nymphen räkeln sich auf der Bühne. Sie machen einen Mann mit dickem Schnäuzer an, der aber so gar nicht aus seiner Haut kann. Wenn im Libretto auch nur als N. bezeichnet, ist der Philosoph Friedrich Nietzsche klar Hauptfigur in Wolfgang Rihms neuer Oper „Dionysos“.

Das dramatisch-eindringliche Musiktheater erhielt bei seiner Uraufführung bei den Salzburger Festspielen tosenden Applaus. Die Sänger überzeugen genauso wie das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Ingo Metzmacher. Besonders Johannes Martin Kränzle als N. wird dafür bejubelt, wie er schwierige Passagen meistert und zugleich starke Schauspielkunst bietet. Regisseur Pierre Audi und Skandalkünstler Jonathan Meese als Bühnenbildner schaffen eine beeindruckende szenische Umsetzung des Rihmschen Klangrausches.

15 Jahre hat der deutsche Erfolgskomponist gebraucht, bis er seine Gedanken zu Nietzsche in aufführbare Form gießen konnte. Das Ergebnis ist eine durchdachte, dichte und assoziationsreiche Opernphantasie mit vielen Bezügen zum Leben des Denkers und der griechischen Mythologie. Die Verbindung zwischen beiden schafft Nietzsches Gedichtzyklus „Dionysos-Dithyramben“ als Steinbruch für Rihms selbstgeschaffenes Libretto.

In der Oper verschwimmt immer wieder die Figur des N. mit der des Dionysos. Als Gegenspieler des Rauschhaft-Ungezügelten gibt es die apollische Figur des Gastes, der N. dessen Unvermögen regelmäßig vor Augen führt. Eine klare Handlung haben die vier Szenen allerdings nicht. Die ersten drei Szenen – am See, auf einem Berg und im Bordell – setzen sich mit der Persönlichkeit des Dichters auseinander. Ein musikalischer Bruch nach spätromantischen Klängen und kurzer Walzereinlage kennzeichnet den wachsenden Wahnsinn und die stärker werdende Weltverweigerung von N. – vorbei die Leichtigkeit, es wird oratorienhaft, und Apollon zieht dem Verzweifelten die Haut ab.

Passende Ergänzung zur emotionsgeladenen Musik ist das wilde Bühnenbild von Meese. Er nähert sich dem Philosophen spielerisch, indem er dessen Schnäuzer unter auf Stoff gemalten Augen als begehbaren Berg auf die Bühne baut. Kindlich-alptraumhaft wirken seine großen Pappaufsteller mit Zeichnungen von Klavier, Fratze oder Pferd. Frühpubertär wirds dann mit einem Chor aus Aliens mit übergroßer Vagina und schweren Brüsten.
Am Ende findet die gehäutete Hauptfigur nach der legendären Begegnung mit dem Pferd – das Nietzsche im Wahnsinn geküsst haben soll – doch noch Frieden. So rauschhaft wie die vergangenen zweieinhalb Stunden fällt der Applaus des begeisterten Publikums aus.


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