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ALS DER WESTEN NOCH WILD 
WAR: Schultz (Christoph Waltz, 
links) geht mit dem Ex-Sklaven 
Django (Jamie Foxx) auf Schurkenjagd.

ALS DER WESTEN NOCH WILD
WAR: Schultz (Christoph Waltz,
links) geht mit dem Ex-Sklaven
Django (Jamie Foxx) auf Schurkenjagd.

Filmkritik

Dieser Django ist ein Knaller!

Der Sarg ist weg, die Hautfarbeist anders: Quentin Tarantino erzählt in „Django Unchained“ die Geschichte deslegendären Italowestern- Helden neu und extrem eigenwillig. Und schafft eine Perle des Genres.

Es war einmal ein Film, in dem schleifte Franco Nero einen Sarg durch Regen und Schlamm. Ein abgerissener Kerl mit Bartstoppeln und kaltem Lächeln, schnellen Colts und einem MG. Er hieß Django und wollte nur eines: eine Ladung Gold.

Das liegt 46 Jahre zurück. Ein Meilenstein des Italo-Western. Von Sergio Corbuccis Meisterwerkblieb nur ein abgenagter Knochen- aber was für einer! Quentin Tarantino, der ungezügelte Wilde des Kinos, hat seinen ganz eigenen Django erfunden. Der hat mit Corbuccis Sargschlepper-Western nur noch die Titelmelodie gemeinsam. Alles andere ist eine krude Mischung aus Tarantino-Gewalt, Tarantino-Surrealismus, Tarantino-Skurrilität und so manchem Edelstein aus dem Corbucci-Universum - von „Navajo Joe“ bis „Leichen pflastern seinen Weg“. Ein Western, der Brücken über die Zeiten schlägt, mit alten Steinen und neuer Fugenmasse. Tarantino führte Regie und schrieb das Drehbuch.

Die Zeit: irgendwann kurz vor dem Bürgerkrieg. Der Ort: irgendwo im Süden der USA. Ein deutscher Ex-Zahnarzt, der mit einem kuriosen Wagen reist, schießt nach einem redseligen Auftritt eine Gruppe Sklavenjäger nieder und befreit Django. Ein widerspenstiger Sklave, der so einiges hinter sich hat.

Schultz, der Deutsche, braucht ihn. Er zieht schon lange keine Zähne mehr. Er jagt Kriminelle, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt wurde. Nun sucht er die Brittle-Brüder, die auf einer Farm abgetaucht sind. Django kennt sie. Django hasst das brutale Trio. Lange überleben die das nicht. Danach ist Django nach dem Willen von Schultz ein freier Mann.

Er geht aber nicht, sondern bleibt bei dem redseligen Ex-Dentisten mit deutscher Sentimentalität und jagt mit ihm weiter Verbrecher.

Bis zum Frühjahr. Dann gehts zur Plantage des berüchtigten Calvin Candie. Dort lebt Bloomhilda, Djangos Frau, als Slavin. Die will er befreien - mit der Hilfe von Schultz. So gerät das schwarz-weiße Duo an einen zynischen Farmer, der brutale Kämpfe auf Leben und Tod veranstaltet.

Quentin Tarantino hat sich nicht geändert. Quentin Tarantino ist sich treu geblieben. Auch „Django Unchained“ feiert wieder diesen steten Wechsel von Ruhe und Aufruhr, Gerede und Gewalt.Wenn der Colt gezogen wird, dann gibt es jedenfalls kein Halten mehr. Das ist so bizarr und überdreht wie im asiatischen Action-Kino, also zu einem Blutbad stilisiert, das alle Wirklichkeit weit hinter sich lässt. Darin ist Tarantino ein Meister. Der Ritt des Ku-Klux-Klan unter Masken, die völlig falsch geschneidert wurden, gerät dann zu einem Stück verrückter Komödie, wie sie der Italo-Western als Bastard der Commedia dell’arte immer geliebt hat. Da ist der Amerikaner den Italienern der 60er und 70er Jahre unglaublich nah.

Sicher ist „Django Unchained“, der jetzt mit zwei Golden Globes gekrönt wurde (siehe Berichte weiter unten), eine tiefe Verbeugung vor diesem kruden, unbekümmerten Kino der unmoralischen, gebrochenen, schmutzigen Rebellen, deren Gesetz der Revolver ist und die nichts weniger als Erlösung suchen. Ein so gewaltsames wie gewaltiges Meisterstück, erzählerisch überaus kraftvoll, mit berauschenden Bildern und einem Christoph Waltz (Schultz), der Sätze kaut, abwägt, herumwälzt, fallen lässt, doppeldeutig macht, dass es einfach eine Lust ist, ihm zuzuhören. Auch Leonardo DiCaprio glänzt mit heimtückischem Charme.

Es stimmt einfach alles: von den Landschaften über die verschlammten, schmutzigen Städte bis zu dieser sauberen Candyland-Plantage, auf der ein grausamer, unberechenbarer Farmer herrscht. Schade, dass „Django Unchained“ schon zu Jahresbeginn läuft. Der beste Film 2013 ist damit bereits Mitte Januar im Kino. Eine besondere Perle des einzig wahren Kino-Genres.

"Django Unchained“ läuft ab Donnerstag in den Kinos.

Sergio Corbuccis „Django“: Do., Fr., Sa. jeweils um 22.45 Uhr im Apollo-Kino.


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