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LOGIK MUSS SEIN: Kirsten John.

LOGIK MUSS SEIN: Kirsten John.

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Literatur

Die vielen Welten der Schriftstellerin Kirsten John

Die Geschichten drängen aus ihr, zurzeit wartet Niki Gruft, ein Junge, der Tote hören kann, auf seine Buchwerdung 2013. Zwar, so sagt Kirsten John, könne sie sich kaum noch an konkrete Ereignisse aus ihrer Kindheit erinnern, aber „das Kind, das ich war, ist noch voll da“.

Hannover. Und weil das so ist, ist am Ende immer alles richtig mit ihren Geschichten wie „Gefährliche Kaninchen“, „Rapunzel, der schüchterne Wolf und die Sache mit dem magischen Zopf“ und „Pandora - Zeitreisende soll man nicht aufhalten“ (alle Arena-Verlag).

Die originellen Erzählungen um Mia, eine Märchenreisende, die den in einen Frosch verwandelten Dornröschen-Küchenjungen Jakob entzaubern lassen und in die rechte Geschichte zurückbringen will, sind mit dem vierten Band allerdings zu Ende. Mit dem Finale hat sich die hannoversche Schriftstellerin rechtschaffen geplagt. „Rapunzel war am schwierigsten. Vom Original-Märchen der Grimms mit all seinen sexuellen Anspielungen konnte man nicht viel nehmen. Dann blieb da bloß so ein Mädchen in einem Turm - das ist nicht so viel. Irgendwann kam ich aber drauf, dass unten im Turm ja noch ein Keller sein muss. Dann lief alles.“

Ihre Helden loszulassen fällt trotz schreiberischer Fährnisse schwer, der Autorin steht der Sinn insgeheim nach Wiederauferstehung. „Vielleicht“, so sinniert John, „könnte man ein Buch über Jakobs Erlebnisse in der wirklichen Welt schreiben.“

Eins über Ariadne hat sie auch wieder geschrieben, das Mädchen, das per Willenskraft durch die Zeit reisen kann - das diesmal zunächst à la „täglich grüßt das Murmeltier“ in einer Zeitschleife gefangen ist und dann auf dem Zeit-swutsch bei seinem im Mittelalter verborgenen Vater im Biedermeier strandet. John hat sich mit dem komplexen Phänomen Zeit wohlvertraut gemacht, hat dessen Paradoxa im Griff, würzt mit viel Fantasie, ihrem leisen, treffsicheren Humor und der Problemromantik einer Dreiecksbeziehung. Perfekte Unterhaltung für 13- bis 15-Jährige. „Ich bin Fan von Sachen, die logisch sind“, sagt John, „man muss nicht alles sofort verstehen, es muss am Ende nur alles funktionieren.“ Und da fügt man dann schon mal eigene Regeln dazu, was in den Gefilden der fantastischen Literatur ja durchaus zum Brauchtum gehört.

Doch - Hokuspokus finibus - Verlage tendieren derzeit zum Realismus, man wolle, so heißt es, wieder mehr echtes Leben, sieht 15 Jahre nach Harry Potter Zauberer, Vampire & Co. ausgeblutet.

„Es wird immer gute Bücher über Vampire geben“, widerspricht John da, hat aber mit „Gefährliche Kaninchen“ ein Buch am Start, das magiefrei ist.

Oder doch nicht. Denn wie Max und Leonie durch ein auf die Spitze getriebenes Tauschmanöver ihre Familien befrieden, ist wohl das fantastischste Märchen aus ihrer Feder: „Ich hab da auch meine Familie vor Augen gehabt, meine Neffen, bei denen immer Action und Trubel ist.“

Dass das Happy End den Leser mulmig zurücklässt, kommt nicht von ungefähr. Im zweiten „Kaninchen“-Band wird Max’ Mutter von einem Troll entführt werden. Ein richtiges Monster? „Kein echter Troll“, sagt John, „aber die beiden wollen den neuen Kerl der Mutter als einen entlarven.“

Die KinderbuchautorinKirsten John hat dann auch noch einen Erwachsenenschatz in der Schublade, den Nachfolger ihres Debüts „Schwimmenlernen in Blau“ (2001). Der Roman „Waterlilies“erzählt von jüdischen Flüchtlingenauf einem Schiff, das nirgends ankommt. „Das Manuskript lag die ganze Zeit da, niemand wagte sich daran, demnächst wird es aber im E-Verlag als E-Book veröffentlicht.“

Und es wird dann, bei Erfolg, ja vielleicht doch noch ein Buch zum Anfassen und Umblättern, so wie in der Musikbranche viele Downloads oft doch zur Albumveröffentlichung führen. „Das hoffe ich, das fände ich schön“, sagt Kirsten John, „ich hänge sehr, sehr an dieser Geschichte.“


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