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ELFENGLEICH: Maria Mena aus Norwegen harmoniert mit ihrer klaren Stimme mit dem kraftvollen Orchester.

ELFENGLEICH: Maria Mena aus Norwegen harmoniert mit ihrer
klaren Stimme mit dem kraftvollen Orchester.© Behrens

Night of the Proms

Die lange Nacht der schönen Klänge

„Wir alle sind Frankreich!“ Ein klares Statement zu den vergangenen Ereignissen in Paris eröffnet eine Show der Superlative und lässt die Sorgen und Nöte dieser Welt für knapp drei Stunden vergessen. 9000 sind auch deshalb Donnerstag Abend zur ausverkauften „Night of the Proms“ in die Tui-Arena gekommen.

Hannover. Stimmen ertönen aus dem Nichts, Spots richten sich auf einzelne Sängerinnen quer im Saal verstreut. Der belgische Chor Scala & Kolacny Brothers, zum ersten Mal dabei, zerstreut dunkle Gedanken und verzaubert die Tui-Arena in ein buntes Musikmärchen.

Unter der Leitung von Dirigent Robert Groslot gibts dann klassische Musik und Popklänge. „The Hanging Tree“, die Melodie aus „Die Tribute von Panem - Mockingjay, Teil 1“, wird intoniert, die ersten Fans sind begeistert. Wiederholungstäter sehen dem eher gelassen entgegen, wissen sie doch, dass auf einen grandiosen Start meist auch nach immerhin drei Stunden ein fulminantes Finale folgt.

Dem einen oder anderen mangelt es ein wenig an Klassik - trotz Tschaikowsky. Doch E- und U-Musik verstehen sich heute Abend bestens, beschwingen, verzaubern, regen zum Tanzen an. Wenn Abendkleider und Smoking auf T-Shirt und Jeans treffen, dann hat die „Night of the Proms“ gewonnen.

Die norwegische Elfe Maria Mena, optisch eine Nähe zu Katie Melua, brilliert mit glockengleicher Stimme zum kraftvollen Orchester. Riesenapplaus. Sieben Alben hat sie bereits veröffentlicht, mit 16 ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnet. Understatement sieht anders aus.

Die Light-Show, der Sound, hier stimmt einfach alles, zeigt, dass absolute Könner am Werk sind. Ausgeklügelte Effekte, sonst eher für ausgewachsene Stadion-Shows geeignet, lassen Orchester und Künstler erstrahlen.

Klassisches kommt diesmal von Youtube-Star Fernando Varela aus Puerto Rico. Ein Tenor auf dem Weg nach oben. Das Konzept geht auf, die durchdringende Stimme kann niemanden wirklich kalt lassen. „Nessun dorma“ in einer hier Gänsehaut erzeugenden Version.

Deutschlands Strahlemann und Engel-Fan Johannes Oerding setzt darauf, dass „Alles brennt“, und zeigt sich als Entertainer, der sich in das bombastische Konzept einzufügen versteht und auch auf der ganz großen Bühne das Publikum auf seine Seite ziehen kann. Nötig dazu ist eine ordentliche Portion Charme.

Die Hymne des Abends kommt wie immer von Altmeister John Miles. „Music was my first love and it will be my last“, längst ein Statement der Generationen - und das funktioniert auch heute Abend wieder, da mag keiner mehr im Sessel bleiben. Für ein bisschen Verwirrung sorgt dann die Miley-Cyrus-Nummer „Wrecking Ball“ - die allerdings keinen auf der Abrisskugel reitenden Miles zeigt. Schade eigentlich.

Die „epileptische Windmühle“ Andy McClusky, von seinen Fans liebevoll so betitelt, macht mit seinen Orchestral Manoeuvres in the Dark seinem Spitznamen alle Ehre. Er rudert wild und intoniert dabei brillant wie eh und je die Elektro-Hits wie „Sailing on the Seven Seas“ und das unvermeidliche „Maid of Orleans“. Wunderbar, viel Beifall.

Und dann liegt ein Hauch von Sommer, Sonne, Strand und kalifornischen Strandjungs und -mädels in der Luft. Die Beach Boys versetzen die 9000 mit ihren Harmoniegesängen von „Do it again” zurück in die vielleicht schönste Zeit des Jahres, den Sommer. Auch die gute, alte „Barbara Ann“, fast 50 Jahre auf dem Buckel, mischt kräftig mit und lässt selbst das Orchester Il Novecento im Takt mit Geige und Kontrabass mitwippen.

Zum Abschluss verbreiten die in Ehren ergrauten Beach Boys nochmal ihre „Good Vibrations“. Und sie wären nicht eine Legende und seit immerhin 1961 dabei, würden sie nicht immer noch Hallen füllen und begeistern können. Profis halt, die es eben draufhaben.

Das Publikum hält spätestens nun nichts mehr auf den Sitzen, denn die Kalifornier um Altmitglied Mike Love berappeln sich, finden in ihren Set und versprühen diesen unwiderstehlichen Charme der Surfer-Generation. Und das hilft wirklich in dieser dunklen Jahreszeit. HHHH H 3 Heute beginnt der Vorverkauf für die „Night of the Proms“ am 15. Dezember 2016. Tickets in den NP-Ticket-Shops sowie unter tickets.neuepresse.de.

Von Christoph Speidel


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