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EIN BISSCHEN UNFRIEDEN:
Marie-Madeleine Krause und Willi Schlüter in „Die fetten Jahre sind vorbei“.

EIN BISSCHEN UNFRIEDEN:
Marie-Madeleine Krause und Willi Schlüter in „Die fetten Jahre sind vorbei“.

Theater

"Die fetten Jahre sind vorbei"

Kleiner Klassenkampf als Kammerspiel. Drama zur Finanzkrise als Premiere im Theater in der List

Hannover. Jule (Marie-Madeleine Krause) ist eine Kämpferin für eine bessere Welt mit zweifelhaften Methoden. Sie hat eine Geisel, den reichen Geschäftsmann Hardenberg (Willi Schlüter). Den fesselt sie und singt ihm mit viel Gefühl einen zur Akustikgitarre: „Everbody Hurts“von R.E.M. - jeder ist zuzeiten verletzend, heißt es darin. Dann traktiert sie den Entführten mit existenziellen Fragen, die ihn mit seiner Vergangenheit, seinen verlorenen Idealen und Träumen und mit seiner Unnachgiebigkeit ihr gegenüber konfrontieren - sie verursachte einen Unfallschaden an seiner Luxuskarosse, ohne versichert zu sein. Jules Freunde Peter (Carsten Litfin) und Jan (Anil Vural, der für den plötzlich erkrankten Tim Ritter einsprang) halten sich im Hintergrund - zwei revolutionär gesinnte Villeneinbrecher.

„Die fetten Jahre sind vorbei“ heißt die Performance im Theater in der List - nach dem bekannten Film des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner. Ein Stück über den Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft und Welt. Dabei setzen Schlüter, Sabine Mech und Sibylle Brunner (szenische Mitarbeit) in ihrer vielschichtigen Inszenierung den Stoff in ein filigranes Bühnendrama um.

Das Kammerspiel beschränkt sich auf den Ort der Entführung und den heftigen verbalen Schlagabtausch zwischen Jule und Hardenberg. In einem multimedialenRahmen mit Bildeinblendungen, Musiksequenzen, Stimmen und Dialogen aus dem Off werden Jans und Peters Einbrüche in Villen dokumentiert, bei denen sie zwar nichts stehlen, aber zum Entsetzen der von Reisen zurückkehrenden Bewohner Möbel umstellen und Botschaften hinterlassen wie „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sie haben zu viel Geld. Die Erziehungsberechtigten“. Auch die Beziehungsgeflechte des Revoluzzer-Trios untereinander werden so festgelegt. Das Publikum wird zudem einbezogen, es gibt zuweilen direkte Ansprache durch die Protagonisten („Sieht wer glücklich aus?“). Bezüge zu Wirtschaftskrise und Globalisierungsskandalen tauchen auf. Das Stück atmet Brisanz. Der Zeitgeist spukt.

Klasse harmonieren Krause und Schlüter miteinander, sie füllen ihre Rollen mit Leben aus.Beeindruckend, wie Krause als Jule dem Entführten mit klassenkämpferischen Sprüchen engagiert ins Gewissen redet und dabei immer wieder argumentativ einbricht. Und spannend, wie Schlüter als harter Geschäftsmann seinen Sinneswandel vorgibt und von fast sentimental bis stolz über seine eigene Revoluzzerzeit spricht.

Das geht nicht ohne Sarkasmus ab: „Was früher subversiv war, kannst du heute in jedem Laden kaufen“, sagt er. Am Ende langer, starker Applaus der 100 Zuschauer bei der restlos ausverkauften Premiere.

Bewertung: 4/5

Wieder am 3., 5., 17., 20. und 26. April 2013, jeweils um 20 Uhr.


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