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NP-Interview

Die Wise Guys - es läuft bei ihnen

Die Wise Guys sind die Superstars der deutschen A-cappella-Szene. Jetzt touren die fünf Kölner; ihr Weg führt auch nach Hannover. Ihr neues Album heißt: „Läuft bei euch“. Wir sprachen darüber mit Bariton und Haupt-Songschreiber Daniel „Dän“ Dickopf.

Hannover. Und? Läuft bei euch, oder?

Genau. Naja, unterbrochen nur von den Ferien machen wir im Prinzip bis zum Sommer die große „Läuft bei euch“-Tour. Meist fahren wir Donnerstag los, Sonntag oder Montag kommen wir zurück. Dienstag ist frei. Mittwoch haben wir Proben und Besprechungen, und dann gehts weiter. Das ist schon ein strammes Programm.

Wie kam es zu dem Titel des Albums?

Zunächst hatten wir keinen Titel, nur eine ganze Menge Songs. Wir haben aber festgestellt, dass sich viele von denen um Zeichen der Zeit drehen. „Bei „Der Rock‘n‘Roll ist tot“ geht es zum Beispiel um die Schnelllebigkeit der Musik - dass sie so eine Click- und Wegwerfware geworden ist. In „Tim“ geht es um Mobbing, ein Thema übrigens, bei dem wir ganz oft gebeten wurden, dazu mal ein Lied zu machen. Oder das Thema Gaffen auf Autobahnen; da wird die Satire ja oft von der Wirklichkeit überholt: dass die Leute an der Unfallstelle vorbeischleichen, um noch Handy-Fotos zu machen. Und dann wurde „Läuft bei dir“ zum Jugendwort gekürt, und es bot sich wegen seiner Doppeldeutigkeit an. Weil es all diese Themen gut bündelt. Und weil „Läuft bei euch“ eben auch heißt: Die Platte läuft bei euch.

Wie wichtig ist es Ihnen, sich gesellschaftlich zu positionieren, mit „Gaffen“ zum Beispiel?

Mit dem Lied betreten wir wirklich Neuland. Wir singen das ja aus der Perspektive eines Gaffers, dem wirklich der Sabber aus den Mundwinkeln läuft, unterlegen das aber mit einem Beat, bei dem die Leute im Konzert gerne richtig mitgehen würden. Sie würden auch gerne lachen - doch das bleibt ihnen im Halse stecken. Ein schöner Effekt.

Das Album ist nach „Achterbahn“ das zweite, das Sie, also ihr Bassmann Andrea Figallo, selber produziert haben. Warum?

Wir haben sehr lange Jahre schlechte Erfahrungen gemacht und mit einem Produzenten zusammengearbeitet, der uns das Gefühl gegeben hat, das wir überhaupt keine Ahnung haben. Das hat sich sehr negativ ausgewirkt, auf die Stimmung, aber auch auf das Ergebnis. Konzerte haben wir immer gerne gegeben, auch gerne geprobt oder Songs geschrieben, aber das Aufnahmen war jahrelang eine Pflichtübung. Aber als Andrea kam, der sehr viel Erfahrung hat, auch international, hat er uns angeboten, uns zu zeigen, wie Studioarbeit auch aussehen kann. Das war einfach eine andere Welt. Und wir hatten eh nichts zu verlieren ... Seitdem ist der Andrea unser Produzent, und es macht tierisch Spaß.

Wie läuft die Kommunikation mit ihm? Er ist Italiener und spricht nicht fließend deutsch.

Vor allem ist er Perfektionist. Er versteht fast alles, aber er spricht nicht. Denn da er das nicht perfekt kann, sagt er lieber gar nichts. Wenn es wirklich ans Eingemachte geht, wechseln wir ins Englische.

Wie nimmt er die deutsche Sprache wahr?

Er ist enttäuscht, wie schwer es ihm fällt, die Sprache zu lernen. Dabei ist er sehr sprachbegabt: Sein Englisch ist perfekt. Er hat zum Beispiel elf Jahre lang bei den Flying Pickets aus Großbritannien gesungen.

Da die Albenaufnahmen jetzt so viel Spaß machen: Wie wichtig sind noch die Auftritte?

Die Konzerte sind nach wie vor das Wichtigste. Weil es mit Abstand am meisten Spaß macht und weil wir davon auch primär leben. Aber wir hatten jetzt sieben Top-Ten-Alben in Folge, haben fünf Goldene Schallplatten gewonnen. Eine CD ist schon eine Visitenkarte: Man liefert das ab, wo man gerade steht, musikalisch wie inhaltlich.

Und doch ist es nötig, dass sie, wie im ersten Stück auf dem neuen Album, „A cappella“, erklären müssen, was Sie da eigentlich tun ...

Wir hören tatsächlich immer noch den Spruch, den wir da zitieren: „Ihr singt doch ohne Musik!“ So ein Quatsch. Wir sind immer noch in der Exotenecke - auch wenn wir, wie ich in aller Bescheidenheit sagen muss, eine Bekanntheit erreicht haben, wie sie vor uns noch keine A-cappella-Gruppe hatte.

Ich wollte gerade sagen: Das ist schon Jammern auf hohem Niveau.

Auf jeden Fall (lacht). Tatsache ist: Wir sind hochzufrieden mit unserer Karriere. Wir haben eine ganz, ganz tolle Fangemeinde. Es ist aber schon so, dass wir medial sehr wenig wahrgenommen werden. Warum das so ist, wissen wir nicht, wir wissen aber, dass es so ist. Und das Formatradio zum Beispiel ist sehr scheu. Die Leute dort gehen nur nach Quote, da ist kein Platz, um die Hörgewohnheiten mal aufzubrechen. Wir haben es in den bald 25 Jahren, die es uns gibt, einmal erlebt, dass ein Song im Radio rauf- und runtergespielt wurde, zumindest in Bayern: Das war 2001 „Jetzt ist Sommer“. Der wurde von den Hörern zum Sommerhit des Jahres gewählt - erst daraufhin wurde er gespielt. Aber auf diesen Song werden wir dort bis heute angesprochen. Und dann überlegt man schon: Was wäre, wenn ... Wenn es zum Beispiel auf jedem Album einen Song gegeben hätte, der gespielt worden wäre - und das bundesweit? Das macht uns manchmal schon ein bisschen traurig.

3 Wise Guys live: am 20. November ab 20 Uhr im Capitol. Karten (33,95 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops sowie unter tickets.neuepresse.de


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