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ALLES FÜR DIE WISSENSCHAFT: 
Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham 
Schuch) schont weder sich
 noch sein Personal.

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Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham
Schuch) schont weder sich
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Filmkritik

"Die Vermessung der Welt" - Buck bringt Kehlmanns Bestseller ins Kino

Sie brachen auf aus ihrer Zeit. Sie wollten die Erde erkunden, der eine durch Anschauung und Anfassen, der andere durch Berechnen und Bedenken.

Der eine war mit goldenem Löffel im Mund geboren worden, der andere stammte aus elend armem Haus. Der eine war ein junger Aufschneider, der andere ein zurückhaltendes Wunderkind: der Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt und der Mathematiker Carl Friedrich Gauß.

Zwei Abenteurer der Aufklärung machten die Welt erkennbar, indem sie diese durchmaßen und vermaßen. Das ist der Stoff, aus dem Daniel Kehlmann 2005 seinen globalen Bestseller schrieb: „Die Vermessung der Welt“. Die Doppelbiografie läuft in den Jahren der Reaktion und der Restauration zusammen: Da treffen sich anno 1828 in Berlin zwei alte Käuze, die fassungslos der Repression zusehen - und von Verharren oder Aufbruch reden.

Wie verfilmt man so etwas? Wie bekommt man diesen vertrackten Kehlmann-Humor in Bilder und Szenen? Das ist das verminte Terrain, weniger die philosophische Dimension. Detlev Buck ist beides angegangen - und hat nicht immer eine glückliche Hand. So hinterlässt „Die Vermessung der Welt“ einen zwiespältigen Eindruck. Was die erzählerischen Färbungen, nicht aber die Bilder betrifft.

Kameramann Slawomir Idziak schafft etwas, was bisher nur Martin Scorsese in „Hugo Cabret“ gelang: wirkliche 3-D-Bilder, in denen der Staub tanzt, eine Feder sachte fällt, Schmetterlinge schlüpfen und eine Ameise beladen über das Papier Humboldts im Dschungel krabbelt - ein Gleichnis für die Last des Forschers.

Das Problem ist der Ton des Fabulierens. Detlev Buck schwankt sehr zwischen Komik und Klamotte. Gerät die Entwicklung bei Gauß auch visuell wunderbar anschaulich, verfällt „Die Vermessung der Welt“ bei Humboldt immer wieder in lärmende Überdeutlichkeit. Die Befreiung der Sklaven im südamerikanischen Urwald gerät ebenso an den Rand der Parodie wie seine verklemmte Sexualität oder die wortreiche Besessenheit, mit der er seinen Begleiter Bonpland traktiert. Ganz und gar schief in seiner Aufgedrehtheit ist das Berliner Finale mit rebellierenden Burschenschaftlern und brutaler Polizei, durch das Gauß und Humboldt nur noch als schräge Vögel von gestern tapern.

Womöglich ist dieses Abenteuer Wissenschaft an den falschen Regisseur geraten. Vielleicht wäre diese Reise in Geist und Genie eher etwas für Werner Herzog gewesen. So folgt man mit Vergnügen den Wegen von Gauß, mit zunehmender Verstimmung jedoch den Pfaden von Humboldt. Wie Gauß durch die Förderung seines Mathelehrers Stipendiat des Herzogs wird, wie ihn als Landvermesser dank seiner großen Liebe Johanna ein Geistesblitz durchfährt, wie er tief enttäuscht vor dem senilen Kant steht, das alles ist sinnlich, besonnen, mitreißend - bis zur grobschlächtig-blutigen Tortur beim Zahnreißer, die einem den Angstschweiß ins Gesicht treibt.

Bei Humboldt überwiegt hingegen trotz malerischer Dschungelansichten die wohl satirisch gemeinte Distanz. Wobei das Verhältnis zum Franzosen Bonpland nicht amüsant und erhellend, sondern nur plump ist. Literatur ist was anderes als Kino.

Allerdings trägt auch das hölzern aufgetragene Spiel von Albrecht Abraham Schuch nicht eben zur Erhellung der Gestalt Humboldts bei. Da ist Florian David Fitz aus anderem Holz. Sein Gauß ist ein ewiger Junge, der mit Gleichungen und Primzahlen spielt. Humboldt dagegen müht sich mit Chimborazo-Besteigung, Elektro-Aalen und Kannibalen.

So ist „Die Vermessung der Welt“ zwar ein malerisches Schwelgen in dreidimensionalen Bildern, hinterlässt aber in Sachen Humboldt-Bild eine gewisse Verwirrung.

Bewertung: 3/5


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