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ALLES SO SCHÖN BUNT HIER: Gerda (Vanessa Loibl) hat ihren Kai (Mathias Spaan) wieder.© Karwasz

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Theater

"Die Schneekönigin": Neues Familienstück am Schauspielhaus

Manchmal liegt Zauber im Kindermund. „Schnipp, schnapp, schnurre“, tönt es aus den Kehlen der jungen Besucher im Schauspielhaus. Das macht nicht nur die Schneekönigin ganz weich und vertreibt sie in den Bühnenhimmel. Da schmelzen die erwachsenen Zuschauer dahin. Und wenn das Herz heiß ist, kann einem sowieso nichts passieren.

Hannover. Ein Mutmacher ist am Ende das diesjährige Familienstück am Schauspielhaus, „Die Schneekönigin“ nach dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersen in der Fassung von Jewgeni Schwarz, die man auch aus dem Sowjetmärchenfilm kennt, und in der Regie von Florian Hertweck. Der hat dem Spielplan mit „Sympathie für den Teufel“ schon eine der populäreren Inszenierungen beschert und verbindet hier wie dort Tradition und Moderne, Altes mit Neuem.

Das beginnt schon mit den Schauspielern. Ensembleneuzugang Vanessa Loibl gibt das Mädchen Gerda, das seinen Bruder Kai aus den Fängen der eisigen Monarchin befreien muss (und gewinnt der arg braven Figur viel rotzigen Charme ab). Mit Matthias Buss als Märchenerzähler und Jana Lissovskaia kehren für diese Inszenierung zwei alte Bekannte ans Schauspiel Hannover zurück.

Die Schneekönigin (Carolin Eichhorst) ist eine verführerische Naturgewalt, der wahre Schurke ist der berechnende Kommerzienrat; so viel Kapitalismuskritik muss sein. Henning Hartmann gibt ihn als eitlen Hagestolz. Die imposante Bühne (Maike Storf) fährt mit Bauklötzen Achterbahn, dank Kathrin Krumbeins Kostümen ist alles so schön bunt hier.

Oscar Olivo, ohnehin einer der körperbetontesten Darsteller im Ensemble, kann richtig aufdrehen: Seine Auftritte als schwuler Rosenstock, 70er-Jahre-Märchenprinz und renitentes Rentier sind kleine Kabinettstückchen. Und auch Julia Schmalbrock darf als buchstäblich zuckersüße Prinzessin und als räuberisches Punkgirl Extreme ausloten. Und Lissovskaias Räuberhauptfrau winkt huldvoll als Queen-Verschnitt. Man hätte Hertweck noch mehr Mut zu solch anarchistischem Witz gewünscht und auch zu Kürzungen am nicht rundum gut gealterten Stoff. Sei’s drum.

Drinnen gibt es bei der Premiere kaum enden wollenden Applaus, leuchtende Augen, glückliche Gesichter und rote Wangen, heiße Herzen sowieso. Und draußen rieselt der Schnee.

Bewertung: 4/5

Wieder Donnerstag und Freitag ab 10.30 Uhr, Sonntag ab 17 Uhr.


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