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«Art is stories told by toads» aus dem Jahr 1988 der Künstlerin Marlene Dumas.

«Art is stories told by toads» aus dem Jahr 1988 der Künstlerin Marlene Dumas. © Federico Gambarini

Kunst

Die Mutter aller Kunstmessen - Zum 50. Mal Art Cologne

Die Art Cologne war 1967 die erste Kunstmesse der Welt - diese Woche läuft die 50. Ausgabe. In Deutschland ist Köln die Nummer 1, aber die Chance auf die Weltspitze wurde verspielt.

Köln. Lisa ist lebensgroß, gänzlich nackt und sehr realistisch. Dabei sind nur die Haare echt, der Rest ist bemalte Bronze. Ein Werk des US-Künstlers John De Andrea, das am Mittwoch viele Blicke auf sich zog bei der 50. Art Cologne. Der Tenor der Besucher: Toll gemacht - aber nichts fürs Wohnzimmer.

Berlin ist die wichtigste deutsche Kunstmetropole - aber die wichtigste Kunstmesse ist in Köln. Warum? Weil Köln die Kunstmesse erfunden hat. 1967 wurde sie als "Kunstmarkt Köln" von örtlichen Galeristen gegründet und ist damit die Mutter aller Kunstmessen. Gemälde oder Skulpturen wie ganz normale Ware an Messeständen anzubieten, war damals eine neue Idee.

"Das hatte auch international eine enorme Ausstrahlung", erinnert sich Kasper König (72), ehemaliger Direktor des Museums Ludwig und einer der einflussreichsten Kuratoren der letzten Jahrzehnte. "Ich sehe es wie Dürer, der in Nürnberg auf dem Markt seine Holzschnitte verkaufte. Da wurde etwas ganz Neues von der Basis her geboren. Vergleichbar mit '68."

Die Idee wurde sofort überall kopiert, zum Beispiel ein Jahr später in Basel. Heute ist mit der Art Basel die Kopie Weltspitze, nicht das Kölner Original. "Vielleicht wäre Basel das ohnehin geworden, weil die einfach kosmopolitischer sind und weil die Leute da ihre schwarzen Konten haben undsoweiter", spekuliert König. Aber es hatte wohl auch damit zu tun, dass die Kölner zeitweise nicht mehr offen genug waren und die internationale Konkurrenz eher ausschließen wollen: "Damit hat man sich etwas ins Abseits manövriert."   

Dass sich die Art Cologne mittlerweile wieder als wirklich internationale Messe versteht, ist das Verdienst ihres amerikanischen Direktors Daniel Hug. 218 Aussteller aus 24 Ländern sind diesmal dabei, darunter viele tonangebende Galeristen wie Hauser & Wirth (Zürich/New York), David Zwirner (New York) oder Perrotin (Paris). Das Ausland ist inzwischen sogar so stark vertreten, dass sich einige Düsseldorfer Händler dieses Jahr öffentlich darüber beschwert haben, das Rheinland werde zu wenig berücksichtigt.

Unter der Oberfläche brodelt auch immer eine gewisse Konkurrenz mit Berlin. Zwar heißt es offiziell, die Berliner Galeristen kämen liebend gern einmal im Jahr nach Köln, um dort die berühmte rheinische Sammlerszene zu pflegen. Doch gibt es in Köln seit jeher die Befürchtung, die Hauptstadt könne eines Tages eine ernsthafte Konkurrenzveranstaltung etablieren. Bisher sind solche Versuche allerdings nie sehr weit gediehen.

"Ich glaube, dass der Kunstmarkt hier in Köln immer vitaler bleiben wird", sagt der mittlerweile in Berlin lebende König. "Berlin ist protestantisch, die Bilderliebe im katholischen Rheinland geht tiefer." Und auch das Handeln hätten die Leute hier im Blut.

Beides - die Liebe zur Kunst und der Sinn fürs Geschäft - lässt sich in den Messegängen beobachten. "Das hab' ich auch bei mir zuhause!", ruft ein Kunstliebhaber aus Düsseldorf und geht auf eine unansehnliche kleine Collage mit einem vertrockneten Bananenstück zu. "Hab' ich 1969 für 20 Mark gekauft." Wurde damals in Serie hergestellt und kostet heute 12 500 Euro. Das sind so die kleinen Erfolgserlebnisse in Köln.

dpa


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