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NP Interview

„Die Lieder anderer machen mehr Spaß“

Der Mann ist lebende Musikgeschichte: Mit seiner Band Screaming Trees gehörteMark Lanegan (50) zur Speerspitze des Grunge, denStonerrock prägte er mit den Queens of the Stone Age. Deren Sänger Josh Homme bezeichnete ihn mal als „gemeinsten netten Kerl, den man je treffen wird“. Und auch das Management warnt vor dem NP-Interview, man solle Lanegan nicht auf die Vergangenheit im Allgemeinen, besonders aber nicht auf Grunge oder Kurt Cobain ansprechen, sonst sei er „pissed off“ - angepisst. Viel lieber und mit grummeliger Freundlichkeit spricht der Musikmalocher Lanegan über seine aktuellen Pläne.

Er gilt als Meister des dunklen Blues: Mark Lanegan. Am 8. August kommt er mit seiner Band ins Musikzentrum. Ein Interview.

Sie sind an mehr als 50 Alben beteiligt. Jetzt erwische ich Sie zu Hause in Los Angeles. Entspannen Sie sich etwa gerade?

Ich nehme gerade nichts auf, habe also eine kleine Auszeit. Aber an Musik arbeite ich trotzdem.

Können Sie überhaupt ohne?

Ganz ehrlich: Für mich ist das keine Arbeit. Ich genieße es; Musik ist Teil meines Lebens.

Ihr letztes Album war dieses Jahr mit „A Thousand Miles of Midnight“ Ihr erstes Remix-Album. Wie kam das zustande?

Die Idee entstand, als wir vergangenes Jahr „No Bells on Sunday“ und „Phantom Radio“ aufnahmen. Ich fand, dass sich die Musik darauf für Remixe anbietet. Mit etlichen der Leute, die jetzt die Remixe gemacht haben, hatte ich sowieso schon zusammengearbeitet. Ich fand die Idee cool, die Plattenfirma auch.

Und dann gaben Sie diesen Leuten die Songs und sagten: „Tut damit, was ihr wollt“? Oder überwachten Sie genau, was passierte?

Jeder machte, was er wollte. Darin bestand für mich auch die Magie. Ich hätte mich nie eingemischt.

Fiel Ihnen das leicht?

Darin besteht doch der Spaß.

Welcher Remix war Ihre größte Überraschung?

Ich mochte alles. Ich war auch nicht überrascht. Eher wurde ich erfreulich belohnt.

Sind Remixe eine Kunstform?

Ja, ich mag sie sehr. Ich war selber bei einigen involviert. Es ist ein komplett anderer Ansatz, an Musik zu arbeiten, als wenn man sie schreibt.

Vor nicht gar zu langer Zeit, 2013, haben Sie „Imitations“, ein Cover-Album, aufgenommen. Sind Sie in einer Phase Ihrer Karriere angelangt, in der Sie neue Herangehensweisen an Musik suchen?

Auf „Imitations“ finden sich viele Lieder, die ich - in Ermangelung einer besseren Bezeichnung - „Crooner-Songs“ nennen würden. Solche Lieder wollte ich immer schon mal aufnehmen, aber sie passten nie ins Konzept, auch nicht, als ich 1999 „I’ll Take Care of you“, mein erstes Cover-Album, aufnahm. Es war an der Zeit.

Sie sagten einmal, Sie hätten eine Million Lieblingslieder. Erwartet uns ein weiteres Cover-Album?

Wenn ich könnte, würde ich nur noch Cover-Alben aufnehmen (lacht). Es macht einfach mehr Spaß, die Lieder anderer Leute zu spielen.

Ist das so?

Wissen Sie: Es ist befriedigend, eigene Musik zu machen, aber richtig genießen kann ich es nicht. Meinen Liedern gegenüber entwickele ich nie eine solche Liebe, wie ich sie für Lieder anderer Menschen empfinde. Ich habe jetzt drei Cover-Alben aufgenommen, zwei als Solokünstler, eines mit Greg Dulli als The Gutter Twins. Und drei sind vermutlich genug.

Was ist der größte Segen Ihrer Arbeit?

Das Gesamtpaket. Ich liebe es, zu reisen und auf Tour zu gehen. Als ich jünger war, mochte ich die Studioarbeit lieber; ich war da sehr pingelig. Aber je älter ich wurde, desto gelassener wurde ich. Jetzt mag ich beides gleich gern.

Nun kommen Sie nach Deutschland. Was können wir erwarten?

Ich denke, wir werden zwar auch einige Songs in den Remix-Versionen spielen, aber ansonsten konzentrieren wir uns auf die neueren regulären Alben. Ich spiele am liebsten die aktuellen Sachen; das macht am meisten Spaß.

Und nach der Tour?

Die geht bis Oktober; danach werde ich wohl ein neues Solo-Album aufnehmen.

Und wie sieht es mit den Queens of the Stone Age aus?

Das kann ich nicht sagen. Das kann ich erst an dem Tag sagen, an dem es passiert. Aber Josh und ich schreiben gerade an einem Song für einen Film. Irgendwann wird es passieren.

Was ist für Sie wichtiger: das aktuelle Album oder das nächste Album?

Immer das nächste. Wenn etwas fertig ist, ist es erledigt.


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