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Hat seinen Weg gefunden: Michael Patrick Kelly.

Hat seinen Weg gefunden: Michael Patrick Kelly.
© Andreas Nowak

Interview

Die Identität des Patrick Michael Kelly

Raus aus dem Kollektiv der Kelly Family, hinein in die Solokarriere: Michael Patrick Kelly startet alleine durch, auch dank des Rückenwinds der Sendung „Sing meinen Song“. Wir sprachen mit ihm über Identität und Spiritualität.

Hannover. Er war der „Paddy“ der Kelly Famile. Dann ging er ins Kloster. Jetzt startet Michael Patrick Kelly (39) solo durch – mit dem neuen Album „iD“ und Rückenwind durch die Fernsehsendung „Sing meinen Song“.

Der Künstler hat mal einige Zeit im Kloster verbracht. Sein Album heißt „iD“. Zum Merchandising gehört eine Tasse mit aufgedrucktem Fingerabdruck und der Inschrift „You are unique“ – du bist einzigartig. Ein Küchenpsychologe würde jetzt sagen: Da ist jemand auf der Suche nach sich selbst ...

Die Suche hat jetzt ein Happy End gefunden. Ich habe keine Wurzeln im klassischen Sinn. Ich bin in keinem bestimmten Land oder einer bestimmten Stadt groß geworden. Mir fehlen Dinge, die einen normalerweise prägen. Normalerweise besteht das aus: den Veranlagungen durch die Eltern, die Orte, an denen man aufwächst und lebt, und schließlich die Entscheidungen, die man trifft. Ich war immer on the Road, habe keine Schule besucht, hatte keine Heimat.

Und das treibt einen ins Kloster?

Die Zeit im Kloster war sicherlich Teil meiner Suche nach mir selbst. Ich musste mich einfach auch eine Zeit davon freimachen, was andere von mir denken.

Wer sind Sie? was macht Sie einzigartig?

Jeder Mensch ist sowieso, ohne dass er etwas Bestimmtes tut, einzigartig. Das findet sich in der DNA, aber auch im Spirit, in der Seele. In meinem Fall gilt, wenn man in Kategorien spricht: Ich bin Musiker. Ich bin Künstler. Ich bin Ehemann. Ich bin Ire und Amerikaner. Ich bin Christ. Aber darüber hinaus ist jeder Mensch eben auch ein Mysterium.

Wie wichtig war es für Sie, aus dem Kollektiv der Kelly Family herauszutreten, die ja jetzt wieder – ohne sie – auf Tour ist?

Ich habe vor 13 Jahren den Schritt aus der kollektiven Identität heraus gemacht und einen Neuanfang als Solokünstler gemacht. Ich liebe meine Geschwister. Aber die Kelly Family passt gerade nicht in mein Lebenskonzept: So ein Zyklus mit Album, Promotion und Tour dauert mindestens eineinhalb bis zwei Jahre. Das wäre neben meiner Albumproduktion, „Sing meinen Song“ und den eigenen Konzerten viel zu viel. Und ich mache keine halben Sachen. Nur kurz mal bei den Auftritten aufzutauchen und ein bisschen was zu singen, ist nicht mein Stil.

Sie wollten etwas Eigenes machen?

Ja, und das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass es mich so erwischt hat, als Gentleman in der Sendung „Shake away“ gesungen hat. Dieses Lied ist für mich mit der Trennung verbunden, mit dem Beginn der dritten Phase meines Lebens.

Welches sind die anderen Phasen?

Die erste ist für mich die mit meinen Eltern und der Familie, von der Straße in die Stadien, im Campingwagen geboren und mit 20 in einem Schloss lebend. Die zweite Phase waren die sechs Jahr im Kloster, in denen ich als Mönch gelebt habe und dem Showbusiness den Rücken gekehrt habe. Und jetzt bin ich wieder ins Leben zurückgekehrt. „Shake away“ ist die erste Note dieser Zeit – so wie bei Sting „If you love somebody, set them free“ oder „Freedom“ von Robbie Williams.

Sie mussten einmal alles abschütteln?

Ja, aber im Positiven. So eine Familie ist ein geschlossenes System, und irgendwann will so ein Bursche mal etwas Neues ausprobieren (lacht). Die Zeit im Kloster hat mich fasziniert, die festen Zeiten, die Gebete, die Suche nach Wahrheit, die Beschäftigung mit den großen Mystikern. Heute nehme ich vieles davon mit in meinen Alltag.

Sind Sie immer noch ein spiritueller Mensch? Songs wie „Golden Age“, „Higher Love“ oder „A little Faith“ klingen danach.

Meine Vorbilder sind Bruce Springsteen, U2 oder Johnny Cash. Alles Künstler, die Spiritualität in ihren Texten haben.

Sie haben gerade schon Gentleman gesucht. Er ist auch auf „iD“ dabei, beim Titelsong. War das schon vor „Sing meinen Song“ verabredet?

Wir haben uns erst durch die Sendung kennengelernt, die wir ja schon im Frühjahr aufgezeichnet haben. In Südafrika haben wir spontan beschlossen, etwas zusammen zu machen. Gentleman ist ein Soul Brother geworden.

Er ist wie Sie ein Weltenbürger.

Ja, und auch ein sehr offener Mensch. Ein Gutmensch im guten Sinne des Wortes – das wird inzwischen ja auch mal als Schimpfwort verwendet. Der geht wirklich in die Townships und gibt Konzerte, die keiner mitkriegt. Oder in Flüchtlingslager. Der will wirklich die Welt ändern.

Was hat Sie bewogen, bei der Sendung mitzumachen?

Früher gab es Sendungen wie „Rockpalast“ oder „Formel eins“, in denen man Musik präsentieren konnte. heute gibt es so etwas nicht mehr – bis auf „Sing meinen Song“. Es ist für mich die beste Musiksendung im deutschsprachigen Raum. Man ist nur unter Kollegen. Es gibt ganz viel Respekt. Jeder weiß, wie viel Mühe sich die anderen geben, die Lieder zu präsentieren. Es ist eine tolle Herausforderung. Es ist natürlich auch eine Riesenplattform für Promotion, aber wenigstens keine, bei der man erzählen muss, wie man seine Gurken pflanzt oder seine Zeitung liest.

Ihre Sendung hat den Quotenrekord gebrochen. Das spricht für ein großes Interesse an Ihnen und Ihrer Musik.

Das hat mich sehr überrascht. Die Kollegen nannten mich immer „Stadion-Paddy“. Jetzt nennen sie mich „Quoten-Paddy“. Mal schauen, was als nächstes kommt (lacht).

Was kommt denn – abgesehen von der anstehenden Tour – als nächstes? Was wäre Ihr Wunschprogramm für die nächsten Jahre?

Möglichst viel live spielen! Die Bühne ist mein Element wie das Wasser für den Fisch. Ich bin dort groß geworden – die Bühne war immer mein Spielzimmer. Ich liebe das! Im Moment ist alles super. Wenn das so bleiben könnte, bin ich happy, wie ein Kind.

Am 6. Dezember spielt Michael Patrick Kelly im Theater am Aegi. Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Von Stefan Gohlisch


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