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GROSSE FREIHEIT: Huck (Leon Seidel, links) und Jim (Jacky Ido) reißen zusammen aus.

GROSSE FREIHEIT: Huck (Leon Seidel, links) und Jim (Jacky Ido) reißen zusammen aus.© TOM TRAMBOW

Filmkritik

"Die Abenteuer des Huck Finn"

Fortsetzung für Mark Twains Geschichte: „Die Abenteuer des Huck Finn“

Ruhig fließt der Mississippi. Ruhig fließt die Erzählung von dem Jungen, der das ungebundene Leben liebt. Doch damit ist es vorbei. Huck Finn haust nicht mehr am Ufer des Flusses. Er zieht auch nicht mehr an seiner Pfeife oder stromert herum. Huck Finn, der Freie, muss sich im bürgerlichen Alltag zurechtfinden. Mit dem Schatz von Indianer Joe sind er und Tom Sawyer reich geworden. Nun kümmern sich Witwe Douglas und Miss Watson um Hucks Erziehung. Mit freundlicher Nachsicht die eine, mit gehöriger Strenge die andere. Huck fühlt sich in der Zange.

Klar, dass so ein unruhiger Kerl aus dem tiefen US-Süden nicht auf ewig unterm flachen Tisch der Wohlanständigkeit die Beine ausstrecken kann. In Huck rumort die Sehnsucht nach der alten Ungebundenheit. Huck will irgendwann einfach nur weg. Abenteuern. Umherziehen. So nimmt er die erstbeste Gelegenheit wahr, um abzuhauen – nach Norden. Dorthin, wo die Sklaven frei sind. Dort, wohin es auch den schwarzen Sklaven Jim zieht.

So ganz haben es „Die Abenteuer des Huck Finn“ nie geschafft, so populär zu werden wie die heiteren Lausbuben-Geschichten um Tom Sawyer. Vielleicht, weil Mark Twain der Fortsetzung einen politischen Mantel umgehängt hatte. Weil es im „Huck Finn“ nicht nur um übermütige Jungenstreiche geht, sondern auch um gesellschaftlichen Umbruch. Amerika in Zeiten der Zweiteilung: freie Sklaven im Norden, Sklaverei im Süden.

Damit kommt „Die Abenteuer des Huck Finn“, der Film, ganz gut zurecht. Drehbuchautor Sascha Arango hatte eine goldene Hand für Verdichtung und Umdichtung. Er konzentriert sich auf die Flussfahrt von Huck und Jim, das bringt nicht nur die Story richtig in Fahrt, sondern sorgt auch dafür, dass die Beziehung zwischen dem farbigen Außenseiter und dem weißen Ausreißer an Tiefe gewinnt. Da entstehen Charaktere, die Denkweisen und Verhaltensmuster jener Zeit Ende des 19. Jahrhunderts spiegeln – und das auch noch in einer Art und Weise, die Kindern verständlich sein dürfte.

So macht es einiges Vergnügen, dem Sklavenjägertrupp von Henry Hübchen und Milan Peschel zuzusehen. Sie sind zwar hart an der Grenze zur Klamotte unterwegs, aber opfern ihren Job trotzdem nicht dem billigen Witz. Was auch auf August Diehl als bösartigen Vater von Huck Finn zutrifft, der an das Geld seines Sohnes will und schließlich zum hartnäckigsten Verfolger wird.

Regisseurin Hermine Huntgeburth hat das alles – wie schon in „Tom Sawyer“ – mit viel Gefühl für die Ironie von Mark Twain inszeniert, die mitunter doch schon etwas derb ist. Was „Die Abenteuer des Huck Finn“ vor allem feiert, das sind der ruhelose Geist des Vagabunden und die unruhestiftende Sehnsucht nach Freiheit. Gefilmt in diesen wunderbaren weiten, hügeligen Landschaften, die vielleicht nach amerikanischem Süden aussehen, sich jedoch vor der Kamera an der Havel und in Rumänien entfalteten. Ein Fest fürs Auge in einer Literaturadaption, der man nur zu gern auf den Wassern des breiten Mississippi folgt, auch wenn nicht selten viel zu laut gespielt wird. Unterm Strich ist Hermine Huntgeburth nur ein begrenzter Wurf gelungen. Im Finale läuft dann so manches ziemlich verwegen aus dem Ruder.

Bewertung: 3/5


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