Navigation:
ALTE LIEBE: Sein Aston Martin ist Bond (Daniel Craig) heilig, und als der Gegner dem Traumauto an die Kotflügel geht, sieht der Agent rot.

ALTE LIEBE: Sein Aston Martin ist Bond (Daniel Craig) heilig, und als der Gegner dem Traumauto an die Kotflügel geht, sieht der Agent rot.

|
Kino

Der neue Bond-Film im NP-Check

Viel Harry Potter im neuen Bond: Die NP hat "Skyfall" schon vorab gesehen.

Sein Name ist Bond, James Bond, undsoweiter. Und in seinem neuen Abenteuer namens „Skyfall“ hat er endlich wieder zur Ironie gefunden, auch wenn er in den ersten Filmminuten stirbt und sein Ende einem sauber abgewogenen Schießbefehl der verehrten Geheimdienst-Mutter M (Judi Dench) verdankt. Dann beginnt Adele den neuen Bond-Song passend mit „This is the End ...“. Ist es aber nicht, Bond überlebt doch, vögelt schön an einem fernen Gestade und spielt in einer Strandkneipe ein tödliches Spiel mit einem Glas Whisky und einem Skorpion. Er will einem vorkommen wie der irre gewordene Vietnamkämpfer Nick (Christopher Walken) in Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“.

Endlich ist er wieder da, Daniel Craig, der menschlichste, gebrochenste, schwitzendste und blutendste Bond. Der gibt sofort Vollgas zu einer Verfolgungsjagd über die Dächer von Istanbul. Eine Weile noch spielt Regisseur Sam Mendes („American Beauty“) mit den 007-Actionklischees. Bond darf wieder der Globetrotter mit der Lizenz zum Töten sein (und der mit der Lizenz zum Überall-Parken zwecks Töten). Den Urheber eines Anschlags auf den MI 6 soll er finden, den seine Chefin M nur überlebt hat, weil sie zu einer Anhörung musste. Denn fünf Namen von der Liste, die Bond in Istanbul erjagen sollte, wurden ins Internet gestellt, fünf Spione in den Terrornetzwerken der Welt sind aufgeflogen, drei davon sterben, fünf weitere Namen sollen jede Woche offenbart werden. In Shanghai kommt Bond auf die Spur von Raoul Silva und - klassischer kanns nicht werden - der gehört zur Sorte größenwahnsinniger Weltstrippenzieher à la Blofeld, Nur in total gaga.

Dieser Silva hat alles erreicht, was ein „global crime player“ erreichen kann. Und träumt vom letzten Coup: Rache zu nehmen, an der verhassten „Mutter“, die ihn einst verraten und dem Tod preis gegeben hat. Genau die muss Bond schützen.

Javier Bardem gibt sein Bestes als Allmachtspsycho. Im gespenstischsten Set, das je zu sehen war, macht er Bond die Offerte, zur dunklen Seite der Macht zu wechseln: „Wir sind die letzten Ratten. Wir fressen uns entweder gegenseitig oder alle anderen.“ Mit all seinen Lautmalereien, ausladenden Gesten, seinen vergnügt geplapperten „böps“ und „plops“ mit seinem tuntigen Gehabe und seiner Neigung zur großen Inszenierung kleinen Sterbens ist Silva der markanteste Antipode des Agenten.

Dass Mendes ihm einen Hannibal-Lecter-Moment verstattet, hätte nicht Not getan. Mendes zitiert eben gern und bringt auch noch „Apocalypse now ...“ unter. Ganz umfassend und verblüffend indes sind die Parallelen zu Harry Potter. Dass Bond wie Potter ein Waisenkind war, stammt noch vom literarischen Vater Ian Fleming. M’s zynischer Spruch aber, wonach Waisen am Besten im Kampf gegen das Böse bestehen, könnte aus Joanne K. Rowlings Feder stammen. Das Familienwahrzeichen der Bonds ist der Hirsch, was ja auch das Schutztier Harrys und seines Vaters war.

In den düstermagischen Nebeln von Schottland findet der große Showdown statt, der uns den Filmtitel erklärt. Es ist die spektakulär unspektakulärste und zugleich ungewöhnlichste Schlusssequenz, die in der Serie je zu sehen war. Alles endet hier: James Bond gegen seinen Voldemort in Klein-Hogwarts.

Arg viel Avada Kedavra!

3Weltpremiere: 23. Oktober in London, Bundesstart: 1. November

Viele kleine Überraschungen gibt es, die uns Bondisten wie Leckerli auf der Zunge zergehen, und auch der neue, nerdige Waffen- und Quartiermeister Q (Ben Whishaw) macht Laune. Was aber überzeugt, ist die einfache Geschichte, eine Dopplungsgeschichte, eine Geschichte von versöhnlichen und unversöhnlichen Söhnen, die sich die versierten Bond-Autoren Neal Purvis und Robert Wade ausgedacht haben. Die bringt uns Film 23 näher als die anderen. Am Ende wissen wir endlich, wer James Bond ist. Nie zuvor durften wir tiefer in den Doppelnuller dringen, nie erfuhren wir mehr über seine Herkunft und noch nie zuvor, nichtmal in „Casino Royale“, hatte er so nah am Wasser gebaut.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie