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Ein Jahr im Müll: Sarah Vanhee packt ihre Schätze aus.

Ein Jahr im Müll: Sarah Vanhee packt ihre Schätze aus.
© Phile Deprez

Theaterformen

Der Müll eines Jahres als Performance

Ein Stück über Verschwendung und den Wert des scheinbar Unwerten: In ihrer Performance „Oblivion“ packt Sarah Vanhee Müll aus, den sie über ein Jahr gesammelt hat.

Hannover. Die Künstlerin hat schon mal angefangen. Als die ersten Besucher den Ballhof eins betreten, packt sie gerade den dritten Karton aus, den mit dem Müll vom 22. bis 27. November 2014. Das steht zumindest darauf. Sarah Vanhee verteilt ruhig, bedächtig, beinahe, als vollziehe sie eine heilige Handlung, auf dem Boden des Ballhof eins Stilleinlagen und Teebeutel, Kekspackungen und Getränkeflaschen.


heißt die Performance, die die Belgierin bei den Theaterformen zeigt, „Vergessenheit“ oder auch Nichtbeachtung. Sie wollte aus Nichts etwas machen, erklärt sie ihr Vorhaben einmal: aus dem scheinbar Unwerten Kunst. Ein absurdes Vorhaben, in der Ausführung durchaus bizarr.

Ein Jahr lang hat Vanhee aufgehoben oder dokumentiert, was sonst als nicht bewahrenswert gilt: Im Foyer läuft eine Diashow mit allem Verderblichen, von dem sie sich dann doch getrennt hat. Ihren Browser-Verlauf gibt es ausgedruckt als Handreichung. Ihren Stuhlgang – auch etwas, mit dem niemand so recht etwas zu haben will – hat sie in einem Tagebuch festgehalten, aus dem sie zitiert („Musste dringend; es kamen nur zwei Fürze ...“). Sie bezieht sich auf Roland Barthes und Luis Buñuel, erzählt, wie die Wegwerfgesellschaft alles, was unnütz scheint, an Profis ausgelagert– vom Kot bis zu Bettlägerigen.

Vor allem aber packt sie ihren Müll aus, 42 Kisten voll. Das könnte meditativ sein. Es ist aber auch langweilig, quälend langsam, nervig. Die Ersten gehen nach 50 Minuten. Vanhee rechnet damit. Sie habe anfangs überlegt, jedem Besucher ein Lieblingsteil ihrer Sammlung in die Hand zu geben: „Aber was ist mit denen, die früher gehen?“ Sie würden die Leihgabe womöglich wegwerfen.

„Es ist viel Platz in meinem Herzen für Krüppel, Bastarde und Zerbrochenes“, sagt Tyrion Lannister, der Zwerg aus „Game of Thrones“; das kann man auf ein T-Shirt drucken. „Ich mag Müll“, singt Oskar aus der „Sesamstraße“, das dauert zweieinhalb Minuten. Sarah Vanhee packt zweieinhalb Stunden lang aus. Anschaulicher kann man Verschwendung – nicht zuletzt von Zeit – kaum illustrieren.

Von Stefan Gohlisch


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