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MIT Power: Sänger Dave Gahan rockt auch nach fast 40 Jahren mit Depeche Mode die Bühne.

MIT Power: Sänger Dave Gahan rockt auch nach fast 40 Jahren mit Depeche Mode die Bühne.
 © Wilde

Konzert

Depeche Mode: Gestandene Helden der Revolution

Eine Sommernacht in Moll: Depeche Mode spielten im Rahmen ihrer „Global Spirit“-Tour in der HDI-Arena. 43.000 Menschen waren begeistert. Montag kommt die Zugabe.

Hannover.  Der Aufruhr beginnt bei Tageslicht, um 20.40 Uhr, mit einem Riff. Martin Gore, schlägt die erste von etlichen Gitarren an. Schlagzeug und Synthesizer setzen ein und dann Dave Gahans fliehender Bariton schon von hinter der Bühne: „Wir haben die Kontrolle verloren, wir bewegen uns rückwärts“, singt er. „Going backwards“, Opener des aktuellen Albums von Depeche Mode, Opener des ersten von zwei Konzerten in der HDI-Arena.

Drei Mann stehen auf der Bühne: Andrew Fletcher stoisch hinter seinen Tastentürmen. Gore an seinen ständig wechselnden Gitarren. Und schließlich Gahan, dieser Gigolo, Gockel und Gossenjunge, exakt geschnittene Heiratsschwindler-Schnäuz. Hand an den Schritt, Arme hoch, im Kreis gedreht, Bürzel gewackelt. Der Welt strahlendste Düsterband legt düster los. Eigentlich ist es viel zu hell. Immerhin hat der Nachmittagsregen den Himmel in ein gleichförmiges Moll getaucht. Und das genügt. 43 000 im ausverkauften Stadion sind hingerissen.

Es geht los mit neuen und neueren Liedern, im Grau des hannoverschen Sommers – bei der „Global Spirit“-Tour steht halt erst mal das aktuelle Album „Spirit“ im Vordergrund. Revolution liegt in der Luft. Als es dunkel wird, fleht Gahan: „Where‘s the Revolution?“ – Leute, ihr lasst mich im Stich, singt er. Doch da hängen sie ihm längst an den Lippen, diesem Eine Band, vor bald 40 Jahren als New Waver gegründet, eine Band, die erst den Blues entdeckte und dann den Rock, liest ihren Fans die Leviten, und die ticken aus dafür.

Die Bühne ist eher pragmatisch als spektakulär; in der Größe stehen sie auf jedem besseren Stadtfest. Hier geht es nicht um Effekte; die braucht dieses Triumvirat nicht. Sie kommen, sehen und spielen. Depeche Mode ist inzwischen eine Mehr-Generationenband. Ganze Familien sind da, der einst so schwarze Dresscode längst aufgeweicht.

Gore läutet mit „A Question of Lust“ die blaue Stunde ein und das Hitpotpourri des restlichen Abends ein: „Wrong“, „Everything Counts“, „Stripped“… Es gibt nicht mehr viele Bands, die eine solche Taktzahl an Jahrhundertmelodien abliefern können. Das wissen sie auch. John Lennons „Revolution“ haben sie schon im Vorspann abgeliefert. Im dritten Song, „Barrel of a Gun“, zitieren sie Grandmaster Flash. Fast zum Schluss kommt noch David Bowies „Heroes“. Ja, gestandene Helden sind sie, die nichts mehr beweisen müssen und es einfach tun. „Somebody“ heben sie sich für den Start der Zugaben ein, „Personal Jesus“ für deren Ende.

Und auch die Helden der Jugend sehen irgendwann – LED-Leinwände sind da gnadenlos – ganz schön alt aus, der Kajal verlaufen, das Rock-‘n‘-Roll-Leben ins Gesicht geschrieben. Tatsächlich: Eine der größten Bands der Welt liefert vor allem eine Rock-Show. Es zieht sie zurück auf die Straße, nicht schön, sondern geil und laut. Vielleicht ist ja auch das die Revolution.

Für das Konzert Montagabend gibt es noch Karten für 71,55 bis 110,65 Euro.

Von Stefan Gohlisch


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