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IN ANGRIFFSPOSITION: Ian Gillan bereut „fast nichts“. Nur manchmal habe er „zu kräftig ausgeteilt“, und ein- oder zweimal, findet er, hätte er „besser härter
zugeschlagen“.© dpa

Interview

Deep-Purple-Sänger Ian Gillan über den perfekten Rocksong

Ian Gillan (70) ist - mit einigen Unterbrechungen - seit 1969 Sänger von Deep Purple, einer der weltweit erfolgreichsten Rockbands. Am 18. November sind sie in Hannovers Swiss-Life-Hall. Ein NP-Interview.

Mr. Gillan, „Legenden“, „Dinosaurier“ - nerven solche Bezeichnungen in Bezug auf Deep Purple?

Wir wurden schon mit so vielen Attributen überhäuft, dass wir dem keinen Wert mehr beimessen. Wir tun, was wir tun, und pfeifen auf Synonyme.

Wenn Sie einen Pub betreten, in dem Deep Purple gespielt wird - gehen Sie raus, oder bleiben Sie drin?

Ist mir bislang nur ein-, zweimal passiert. Manchmal ist es sogar immer noch fremd. In einer Bar in Tokio, in der es sehr laut war, hab ich flüchtig Rockmusik gehört und fragte, wer das sei. Meine Frau wies mich darauf hin: „Das bist du!“ Ich kannte das Stück gar nicht, es war wohl aus einer Jam-Session mit einer Band in Skandinavien.

Was macht den perfekten Rocksong aus?

Dafür gibt es keine Formel. Manche Songs sind halt Geniestreiche. Es gibt auch Versuche im Hardrock, ein Schema zugrunde zu legen und es mit Technik aufzubauschen: Ich hab mit Joe Elliot mal über Def Leppards „Pyromania“ gesprochen. Da türmt sich eine Wand aus Gitarren auf. Hört sich erst mal toll an, trotzdem wirkt es klinisch. Großartige Songs sind für mich beispielsweise Elvis’ „Heartbreak Hotel“ oder „Good Golly Miss Molly“ von Little Richard.

Mit Ihrer jetzigen Erfahrung - würden Sie etwas rückwirkend anders machen?

Es war eine fantastische Reise. Ich bedauere fast nichts: Vielleicht habe ich ein- oder zweimal etwas zu kräftig ausgeteilt - und hätte ein- oder zweimal besser härter zugeschlagen. Womit übrigens nicht Ritchie Blackmore gemeint ist! (lacht)

Sie beide galten immer als Streithähne. Wie ist es heute?

Es ist völlig in Ordnung. Da wurde viel Übertriebenes geschrieben. Es gab eine großartige gemeinsame Zeit, und dann haben wir uns auseinanderentwickelt. Ritchie wurde ein Kontrollfreak, das hat mir nicht gefallen. Lange her.

Über die kurze Zeit als Sänger von Black Sabbath sagen Sie, es sei das spannendste Jahr Ihrer Karriere gewesen. Wieso?

Es war die längste Party meines Lebens. Ich hab in einer Kneipe volltrunken den Vertrag dafür unterschrieben. Jeden Tag am Limit, ein Jahr lang. Das war faszinierend und eine tolle Zeit, aber die Party muss irgendwann enden, sonst stirbst du.

Bestimmte Stücke tauchen bei Konzerten nicht mehr auf - zum Beispiel „Child in Time“ oder „Speed King“.

„Child in Time“ ist wie eine olympische Disziplin, und irgendwann gehts stimmlich nicht mehr. Psychologisch und intellektuell wächst man, physisch spürt man halt die Sterblichkeit.

Ihr schönstes Erlebnis als Sänger?

Die erste Nacht mit Deep Purple, im Sommer 1969 im Speak easy in London. Das war ein Auftritt, der mir die Tränen in die Augen trieb, den werde ich nie vergessen.

Und das schlimmste?

Das war ein Schock, Anfang der 80er mit der Gillan Band: Ich stand auf der Bühne, öffnete meinen Mund - und es kam nichts raus. Ich bekam totale Panik. Das Publikum hat gemerkt, was los war - und den Gesang komplett übernommen.

Deep Purple spielen am 18. November (20 Uhr) in der Swiss-Life-Hall; Tickets ab 66,80 Euro gibt es in den NP-Ticket-Shops sowie unter tickets.neuepresse.de

VON MARK DANIEL


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