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27.5.2016 , David Garrett im HCC , FOTO: Florian Petrow :

David Garrett im Kuppelsaal in Hannover.© Florian Petrow

Konzert

David Garrett im Kuppelsaal: Klassik pur mit Dreitagebart

Wie es richtig rockig geht, das weiß er. Und dass er das weiß, wissen auch seine Fans. David Garrett füllt Hallen, wenn seine Touren zum Beispiel „Explosive“ heißen. Aber er füllt auch echte Konzertsäle – wie Freitag den Kuppelsaal mit gut 2600 Fans.

Hannover. Und das ganz ohne Verstärker und große Show. Dafür mit großer Musik aus der anderen Schublade: Klassik pur minus Lightshow und Feuerwerk. Genau das zieht auch dann, wenn nur David Garrett auf der Packung steht. Es dürfte etliche im Publikum geben, die von César Franck noch nie etwas gehört haben, einem bedeutenden französischen Komponisten.

Nach diesem Abend schon: Denn dessen Violin-Sonate hatte Garrett an den Anfang gestellt, eine gute halbe Stunde feinster spätromantischer Klänge mit spieltechnischen Hochanforderungen. Da wirkt es, als wenn Garrett es allen zeigen möchte, seht her, ich kann auch das (noch). Tatsächlich, er kann es. Und so gut, dass man den Rocker vergisst. Es gibt Geigerkollegen, die das vielleicht noch sauberer und virtuoser hinbekommen. Aber sicher nicht charmanter, wenn man diesem 35jährigen in den schweren Stiefeln, der Schlabberjacke und dem Fünftagebart beim Spiel zusieht.

Viel Beifall und dann Pause, der Franck-Brocken hat etlichen Fans dann doch einiges an Konzentration und Stillhalten abverlangt. Im zweiten Teil kommt dann Garrett mehr auf Touren und serviert ein etwas handlicheres Programm, aber immer noch pure Klassik. Etliche meist kurze Stücke gliedern den Abend nun wie Songs in einem Rockkonzert. Tschaikowsky ist dabei, der Csárdás von Monti, allerlei fingerschnelle Zauberei auf dem Griffbrett (Fritz Kreisler).

Und bisweilen können sogar die Hardcore-Klassiker hier noch etwas entdecken. Wie den „Tanz der Kobolde“ von Bazzini. Und da weiß man nicht, wer virtuoser tanzt, die klingenden Kobolde oder die flinke Hand des Geigers. Und diese Hand rührt sich auch, um die Gehörgänge mit sanfteren Sachen zu verwöhnen – wie der „Humoreske“ von Dvo?ák. Alles ist mit charmanter Plauderei durchsetzt, da verzeiht man dem Solisten auch den Teleprompter für die Ansagen.

Klassik kann Spaß machen – das ist die Botschaft von David Garrett. Und wenn die gehört wird, haben sich solche Abende schon gelohnt. Und die Haare? Die hatte David an diesem Abend zu einem Dutt gebunden. Und der blieb die ganze Zeit zu.

Kai Schiering


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