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Kultur David Garrett im Interview
Nachrichten Kultur David Garrett im Interview
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12:49 28.08.2018
Gut gelaunt in Berlin: David Garrett auf dem Balkon seiner Suite im Adlon. Quelle: Becerra
Hannover

Nach langer Krankheit wieder zurück: David Garrett kommt 2019 nach Hannover, plant eine große Best-of-Tour und hat auch sonst viel vor. Am 17. Mai ist er in der TUI-Arena.

David Garrett, Sie arbeiten ja gerne mit großen Show-Effekten, viel Rauch, fliegen auch gerne mal die Luft, tanzen über eine Drehbühne – wie wird die neue Show?

Da wird noch eine Schippe drauf gelegt. Die erwähnten Sachen werden natürlich zum Teil dabei sein. Das Es ist doch klar, dass man versucht für eine Best-of-Tour nochmal alle Register zu ziehen. Wir haben ein neues Produktionsteam und arbeiten im Moment am Tour - Konzept. Als Musiker ist es mir natürlich sehr wichtig, dass die Show die Musik unterstützt und nicht dagegen arbeitet.

Wann gehts los?

David Garrett: Wir starten im Mai 2019, ein paar Tage bleiben ja noch für die Vorbereitung. Wir geben auf jeden Fall Vollgas.

Ein paar Worte zum Programm…?

David Garrett: Das steht schon weitgehend. Es sind ja in den vergangenen zehn Jahren zehn Alben erschienen – wir haben daraus die Stücke ausgewählt, bei denen ich gespürt habe, dass sie dem Publikum besonders gut gefallen.

„Viva la vida“?

David Garrett: Aber klar (zeigt seinen linken Arm mit dem Riesen-Tattoo des Coldplay-Songtitels).

Nun regiert erstmal der Rock – wird es in absehbarer Zeit auch mal wieder eine reine Klassik-Tour geben?

David Garrett: Mit Sicherheit. Nach meinen Rückenproblemen muss ich jetzt erstmal wieder probentechnisch auf die Höhe kommen.

Und jetzt gehts wieder?

Ich will das nicht dramatisieren – aber es war ein Bandscheibenvorfall. Sehr unangenehm, auch hervorgerufen durch jahrzehntelanges falsches Üben. Das zieht einem schon den Boden unter den Füßen weg. Fünf Monate war absolutes Übe-Verbot.

Inwieweit hat Sie so ein Ereignis verändert?

Man lernt, geduldiger zu sein. Man muss den Kopf freibekommen von dem, was man jahrzehntelang gemacht hat und sich entsprechend umstellen. Dazu ein bisschen Yoga, drei Wochen Ayurveda-Kur.

Ernährung?

Äh, nee, ´ne gute Currywurst ist auch mal was Feines, aber grundsätzlich achte ich sehr auf eine gesunde Ernährung.

Und wie geht es jetzt?

Ich bin wieder hundert Prozent on top. Nach einer anstrengenden Therapie über fünf, sechs Monate. Ich habe jetzt so viel Wissen darüber, dass das nie wieder passieren wird. Für mich war das auch ein Motivationsschub – im Moment schreibe ich wieder sehr viele eigene Sachen. Das hat einen ganz hohen Wert für mich, so eine kleine kreative Geburt, das ist schon toll.

Wirds auch einmal ein so richtig klassisches großes Violinkonzert von David Garrett geben?

Warum nicht, ich schreibe viel so im Stil von Bach, Mozart oder Beethoven. Aber ob das jemals veröffentlicht wird … (lacht)

Wie „unlimited“ wird das geplante neue Album?

Das ist auch mein musikalisches Motto seit ich mit Crossover angefangen habe. Ich habe mir musikalisch nie Grenzen gesetzt. Wir haben sechs der Best-of-Stücke noch einmal komplett neu arrangiert und in einer sehr kleinen akustischen Variante aufgenommen. Dazu gibt es vier ganz neue Stücke als echten Mehrwert für die Fans. Das Deluxe-Album wird zwei CDs umfassen.

Bleibt die Vorliebe für E-Gitarrenlastige Stücke erhalten?

Ja. Ich habe schon immer versucht, meine Spielweise einer E-Gitarre anzunähern. Mit einer E-Geige in „Purple Rain“ zum Beispiel. Mittlerweile habe ich gelernt, wie man es mit der E-Geige hinbekommt, dass man fast keinen Unterschied mehr hört. Ich habe mir viele Sachen von Prince angeschaut und angehört, damit man die Bewegungsabläufe auch entsprechend hinbekommt.

Geht man anders an die Rockstücke als an die große Klassik ran?

Guter Geschmack bleibt immer gleich – und vom Bewegungsablauf der Finger ist es dasselbe, ob es um Beethoven oder Metallica geht. Beim Sound ist das dann schon etwas anders, da geht es darum, ob man beispielsweise druckvoller oder runder an die Musik herangeht.

Wie ist das so – zehn Jahre herumgereist, ganz viel gemacht, ganz viel gesehen – macht so etwas Lust auf mehr oder eher nicht?

Ein Fazit daraus ist: Wie geil war das denn. Zweites Fazit: Das können wir gerne noch mal machen. Ich will das noch zehn Jahre fortsetzen. Mindestens.

Wie haben Sie sich in den vergangenen zehn Jahren musikalisch entwickelt?

Unlimited. Wenn mir etwas gefiel, habe ich es gemacht und mache es. Ich bin das Risiko eingegangen, dass eine CD auch nur hundertmal verkauft wird.

Nun sind die großen Sachen, die Violinkonzerte von Beethoven und so weiter schon gemacht, in der Rockmusik von Paul McCartney bis Bruce Springsteen – wo liegen Limits in der Zukunft?

Die eigenen Sachen. Nach meinem jetzigen Gefühl wird das nächste Album vorwiegend damit bespielt.

Jazz?

Hmmm … interessant. Aber ich bin leider nicht so gut im Improvisieren.

Rap?

Die Musikrichtung, zu der ich am wenigsten Zugang habe.

Was liegt zur Zeit im CD-Player, steht auf der Streaming-List?

Ich habe im Moment die „Complete Recordings“-Box von Itzak Perlman vor mir, 77 CDs mit höchster Geigenkunst.

Ich meinte eigentlich eher Pop …

Ich höre sehr gerne Radio. Sehr gerne im Cabrio, das ist Entspannung pur, die Sonne brennt, man ist mit sich alleine ist, ohne Karte, ohne Navi, und dann das Radio an. Das Radio hat für mich immer noch diesen Überraschungseffekt.

Noch Lust auf einen weiteren Film?

Ich belasse es gerne bei dem einen. Das war ja auch ideal für mich in der Rolle als „Paganini“. Obendrauf hatte ich noch die Möglichkeit, die Filmmusik zu schreiben. Das ist ein Thema, das mich nach wie vor sehr reizt. Ich würde gerne wieder einen Soundtrack machen, aber alles nur hinter der Kamera …

Was war das Ereignis für einen klassisch ausgebildeten Geiger, auf die Crossover-Schiene zu gehen?

Eins war die „Nokia Night of the Proms“ - ich hatte hier den Klassikpart unter den Rock- und Pop-Leuten wie Simple Minds oder Foreigner. Und da wir ist mir aufgefallen, dass der Applaus bei der Klassik nicht weniger war als bei den Rocknummern. Da wurde mir klar, dass gute Musik einfach zu transportieren ist, wenn Umfeld und Location stimmen.

Gibt es die „Hemmschwelle“ bei klassischer Musik überhaupt noch?

Eindeutig ja. Da ist schon schwierig für junge Menschen, wenn da so viele Menschen andächtig in Anzügen sitzen und diese heilige Atmosphäre verbreiten. Klassik existiert visuell heute überhaupt nicht mehr, und wenn man etwas nicht sieht, ist es schwierig, einen Zugang zu finden. An der Musik selbst liegt es nicht, dazu findet man schnellen Zugang.

Klatschen zwischen den Sätzen …

… ist bei mir erlaubt. Ich freu‘ mich als Künstler: Im 19. Jahrhundert war das noch völlig normal, da hat man sogar mitten in die Stücke hineingeklatscht, wenn etwas besonders gelungen war. Die Leute sind in die Oper gegangen und haben manchmal mit Tomaten geworfen, wenn der Tenor nicht gut war, das lebte, da war noch richtig Action. Das war wie das historische Internet, da sind die Leute noch richtig aus sich rausgegangen. Und von dieser Lebendigkeit können wir heute noch etwas mehr brauchen.

Sind Social Media-Kommentare für Sie ein Problem?

Ach was, es gibt immer jemanden, dem irgendwas nicht gefällt. Ich gucke mir nicht jeden Kommentar auf Facebook oder Twitter an. Ich nehme Kritik nur ernst, wenn mir jemand dabei in die Augen schaut.

Zur Zeit wird ja viel über den Heimat-Ministerium diskutiert … Ihre Heimat?

Deutschland, absolut.

David Garrett ist auf seiner „Unlimited-Tour“ am 17. Mai ab 20 Uhr in der TUI-Arena. Die Tickets kosten 55,85 bis 109,65 Euro (incl. Gebühren). Der Vorverkauf startet am 3. September in den NP-Ticketshops. Das neue Best-of-Album „Unlimited“ erscheint Anfang Oktober in einfacher und einer Deluxe-Ausgabe (mit dann zwei CDs).

Von Henning Queren

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