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GEIGENSTAR: Bei David Garrett ist selbst die Halskette wichtig. In Hannover will er ein wenig „Explosive“ werden.© Henning Kaiser

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NPInterview

David Garrett: Er weiß, wie man Beethoven rockt

Das aktuelle Album steigt gerade in die Charts ein, und er kommt 2016 zweimal nach Hannover: David Garrett (35) im NP-Interview über „Explosive“, Kammermusik und das Klatschen an den richtigen Stellen.

Mal ehrlich, wie weit spielt das Aussehen eine Rolle für einen Geiger?

Man muss durchs Spiel überzeugen, danach kommt alles andere.

Na, na ...

Doch, doch.

„Explosive“ heißt die neue Tour, wie explosiv wird David Garrett?

Die Show wird schon gewaltig. Wir probieren es zum ersten Mal mit einer 360-Grad-Bühne, die extra für mich entworfen wurde, damit ich alle Seiten bespielen kann. Musikalisch gibt es den bekannten Mix aus Rock und eigenen Stücken, die 80 Prozent auf dem neuen Album ausmachen. Ich bin gespannt, wie das Publikum live darauf reagieren wird.

Visuelle Highlights?

Wir sind fleißig am Experimentieren! Die Auswahl der Stücke steht auch noch nicht ganz fest. Aber wir haben ja noch elf Monate Zeit.

Warum der Titel „Explosive“?

Weil ich fand, dass viele Stücke einfach explodieren. Ich habe mich kreativ bei dem Album ziemlich ausgelebt.

Der doppelte Garrett kommt nach Hannover, einmal etwas intimer mit Kammermusik und dann krachender. Wie explosiv ist da die Kammermusik?

Ich hoffe, dass das aufgeht. An diesem besonderen Abend werde ich nur mit einem Pianisten auf der Bühne stehen, es gibt dabei etwas leichtere Klassik, hochvirtuose Stücke, die auch die berühmtesten Geiger gebracht haben, Paganini, Sarasate und anderes. An solchen Abenden ist ein ganz anderer Kontakt zum Publikum möglich.

Und wie soll das Publikum sich verhalten? In Klassik-Konzerten geht es sehr andächtig zu.

Man soll respektvoll sein, aber nicht andächtig. Diese steife Haltung ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Es ist kein Problem, wenn die Menschen mitgehen, auch zwischen den Sätzen klatschen. Außerdem wird das durch die Musikgeschichte gedeckt. Zu Paganinis Zeiten haben die Leute richtig losgejubelt, sogar mittendrin geklatscht, das war etwas völlig Normales.

Sollen wir das wiederbeleben?

Ich finde das total spannend. Warum soll man nicht begeistert sein, wenn einem Geiger etwas gut gelingt? Man sollte sich schon etwas gehen lassen dürfen und den Abend genießen.

Wie würden Sie einen Heavy-Metal-Fan für Kammermusik begeistern?

Wichtig ist, dass man auf Menschen zugeht - auch in der Präsentation. Ob jemand etwas mag oder nicht, liegt nicht in meiner Hand. Ich mache etwas, das mir Spaß macht, und das mit voller Leidenschaft. Und wenn ich ein paar Leute finde, die Spaß daran haben, ist es umso besser. Ich habe so häufig feststellen können, dass junge Menschen schnell einen emotionalen Bezug zu solcher Musik finden, man muss ihnen nur die Möglichkeit geben. Es gibt natürlich viele Menschen, die mit dieser Musik nichts anfangen können, aber es gibt auch Musik, mit der ich nichts anfangen kann.

Zum Beispiel?

Jede Musik, die Texte hat, die sozial nicht in unsere Zeit passen.

Wie beeinflusst Rock Ihr Geigenspiel?

Musik beeinflusst immer. Jedes Stück hat eine andere Farbe, einen anderen Klang. Das Besondere bei mir ist, dass ich dadurch eine viel größere Bandbreite bekomme. Eigentlich ist es doch ganz einfach, je mehr ich verschiedenste Stücke spiele, desto besser werden ich auf dem Instrument.

Beethoven rockt bei Ihnen also mehr?

Das kann man so nicht sagen. Allerdings wird das Spiel dann doch ein wenig anders. Ich kann dann mehr und andere Nuancen aus der Geige holen. Rockmusik hat mir beim Rhythmusgefühl sehr geholfen, bei Bach und Beethoven, wo der Puls einfach wichtig ist. Klassische Musiker fangen bei kleinen Noten immer an zu rennen, ich bringe da mehr den Groove rein, man hat einen anderen Beat.

Bachs Beat hört man seit 300 Jahren und wird ihn wohl noch in 300 Jahren hören. Welche Popmusik hat diesen Ewigkeitswert?

Ich denke, dass etliche Musiker eine solche Wertigkeit haben, wenn ich an Michael Jackson denke, Pink Floyd, die Beatles oder Jimi Hendrix. Deren Musik berührt noch immer wie ein Stück von Beethoven oder Mozart. Es ist immer noch etwas, das begeistert, das im Radio läuft, das die Leute sich auf Platten kaufen. Das gilt genauso für Jazz. Wenn Musik gut ist, ist sie für 150 Jahre gut. Mindestens.

In Hannover gibts den Joseph-Joachim-Violinwettbewerb mit so vielen jungen guten Geigern. Was raten Sie dem Nachwuchs für eine nachhaltige Karriere?

Heute ist doch die einfachste Zeit, um Karriere zu machen. Man muss einfach nur ein Video einspielen, um wahnsinnig viele Leute auf sich aufmerksam zu machen - alle Intendanten der Welt können theoretisch zuhören. Man kann doch viel besser Gehör finden, als es noch vor 100 Jahren der Fall war.

Training über die Feiertage?

Ich übe so oft wie möglich. Ich versuche, mein Pensum von zwei bis zweieinhalb Stunden täglich abzuspielen.

Wie feiern Sie?

Weihnachten in New York, Silvester in New York, alles mit Freunden, mit Party und Weihnachtsbaum.

TICKETS UND PREISE

Für zwei Konzerte kommt David Garrett nach Hannover.

Am 27. Mai ab 20 Uhr gibt es im Kuppelsaal ein Konzert mit reiner Kammermusik und Klavierbegleitung (Paganini, Sarasate).

Am 27. November ab 20 Uhr steigt in der Tui-Arena das „Explosive“-Konzert. Q?Tickets (für beide Konzerte jeweils 58,30 und 99,70 Euro) in den NP-Ticket-Shops sowie unter tickets.neuepresse.de.


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