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Die Zeit drängt: Letzte Arbeiten vor der Eröffnung.

Die Zeit drängt: Letzte Arbeiten vor der Eröffnung. © Ulf Mauder

Museen

Daschas Garage: Neues Kunstmuseum in Moskau

Mal eben die Welt in Russland verändern. Mit zeitgenössischer Kunst Geschichte machen. So stellt sich Darja Schukowa - kurz Dascha - im besten Fall den Erfolg ihres neuen Museums Garage im beliebten Moskauer Gorki-Park vor.

Moskau. Es ist das einzige und größte Museum seiner Art in Russland - und es orientiert sich an der Tate Modern in London und anderen großen Kunsthallen von Weltrang. Für Moskaus Kulturszene ist die Eröffnung der Garage an diesem Freitag (12. Juni) das Gesellschaftsereignis des Jahres.

Es ist aber auch ein Wagnis, das die 34 Jahre alte Freundin des Multimilliardärs Roman Abramowitsch eingeht. Zeitgenössische Künstler haben es in dem Land mit der starken orthodoxen Kirche und einem ultrakonservativen Kulturminister Wladimir Medinski nicht leicht. Beispiele gibt es viele: die umstrittenen Strafprozesse gegen die Punkband Pussy Riot oder Kunstexperten wie Andrej Jerofejew. 

Immer wieder gibt es auch die Attacken von Geistlichen oder Ultranationalisten gegen Ausstellungen und Filme, gegen moderne Opern- und Theaterinszenierungen. Das Kunstmuseum Garage will dagegen zeigen, dass es trotz allem Freiräume gebe. Ein Ort für den Wandel in der Gesellschaft soll der kastenförmige Kunstpalast mit einem Eingang im Stil einer Garageneinfahrt werden.

"Wir verändern die Gesellschaft", meint Museumsdirektor Anton Below. Es sei alles eine Frage der Kommunikation, der Vermittlung von bestimmten Kunstprojekten. "Jede Kunst kann gezeigt werden. Die Frage ist, wie sie präsentiert wird. Wenn jemand einen Skandal will, dann wird es ihn geben", sagt er. In der Garage hätten Künstler bisher keine Probleme gehabt.

Dass Dascha Schukowas Traum von einem eigenen Museum in bester und teuerster Lage in Moskau nun wahr geworden ist, überrascht aber kaum jemanden in der Kulturszene. Geholfen haben mag neben den nötigen Millionenbeträgen auch der Oligarch Abramowitsch, der bestens in russischen Machtstrukturen vernetzt ist. 

Seine Freundin, die Tochter eines Öl- und Bankmagnaten, sieht das Museum vor allem als Bildungseinrichtung. Es gibt Programme für Kinder und Jugendliche, Künstlerbegegnungen und Kunstbücher auf Russisch. Bisher war die 2008 aus der Taufe gehobene Garage stets in Provisorien untergebracht.

Heute spricht ihre Chefkuratorin Katie Fowle von einer etablierten Institution mit der weltweit größten Sammlung der bisher kaum erforschten russischen Kunst seit den 1950er Jahren. Der neue feste Standort soll den Russen auch über die zeitgenössische Kunst einen freien Blick auf die Welt eröffnen, sagt sie. Und sie hat Hoffnung für Russland.

"Ja, Künstler haben Probleme gehabt. Das Problem heute ist, dass es wenig Infrastruktur gibt, damit sich ein Ökosystem der Kunst entwickeln kann", sagt Fowle. Sie will Künstler von Weltrang hier präsentieren. Die Garage solle helfen, ein System guter Künstler, professioneller Kritiker und Kuratoren zu etablieren. Kuratoren müssten den Künstlern dabei helfen, mit der Welt zu kommunizieren.

Für diese Kommunikation hat der niederländische Architekt Rem Koolhaas das frühere Café der Jahreszeiten von 1968 rundum erneuert. Die in den 1990ern heruntergekommene Ruine hat der 70-Jährige mit einer neuen High-Tech-Fassade ausstatten lassen. Erhalten sind im Innern noch kommunistische Mosaiken, Backsteinmauern und grüne Kachelfassaden. Koolhaas schwärmt von der "sowjetischen Großzügigkeit" des Modernismus von damals.

Zur Eröffnung der lichtdurchfluteten Kunsthalle mit mehr als 5400 Quadratmetern sind unter anderem Arbeiten der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama, des Russen Erik Bulatow und der in Freiburg geborenen Katharina Grosse zu sehen. Gezeigt werden auch Kühlschränke, Fernseher und andere Gegenstände aus Sowjetzeiten.

So erinnert die Schau auch an das Tauwetter nach dem Tod von Diktator Josef Stalin (1878-1953), eine US-Ausstellung in Moskau unter dem damaligen Kremlchef Nikita Chruschtschow 1959. Eine Installation dreht sich am Beispiel der Raumfahrt um den wissenschaftlich-technischen Wettlauf der Sowjetunion und der USA im Kalten Krieg. Angesichts der neuen politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen im Ukraine-Konflikt sind Ausstellungsbilder von der damaligen Annäherung der Systeme heute wieder brandaktuell.

dpa


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