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FANTASTISCHE VIER: Ulrich Tukur am Klavier (links), seine Rhythmus Boys in schriller Verkleidung.© Frank Wilde

Konzert

Das swingt: Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys

Das Dreigestirn, das die Bühne entert, ist an Absurdität kaum zu überbieten: Einer kommt im femininen Fettanzug, der andere als Riese ohne Kopf, und der Kleine sieht aus wie Peter Lorre - im Tutu. Einzig Ulrich Tukur zieht optisch mal wieder den Kopf aus der Schlinge, er ist der Boss und trägt seinen grauen Anzug. „Let’s misbehave!“ heißt die Sause an zwei ausverkauften Abenden im Theater am Aegi.

Hannover. Es sind die üblichen Verdächtigen da: Tukur, Gesang, Klavier und Akkordeon, dazu seine Rhythmus Boys Ulrich Mayer, Gitarre, Günter Märtens, Kontrabass und Kalle Mews, Schlagzeug. Die sehen schon unverkleidet aus wie die Olsenbande.

Tukur das Sprachtalent, verzückt mit schnöseligem Englisch-Kauderwelsch und einem Oscar-Wilde-Zitat: „Bad behavior is what the others do“ - die anderen sind die Flegel. Denn sie sind Europas schönste Tanzkapelle, „Depressionen hin und her, Hauptsache gute Laune“, lautet ihr Band-Motto. Der Titelsong ist von Cole Porter, sein Genie schwebt als Taktgeber stets über der Show.

Doch nicht nur seins. Irving Berlin war ein Jude aus Russland, seine Familie emigrierte in die USA. Tukur erzählt seine Geschichten voller Eifer, der Zuhörer lernt, allerdings kann man sich nicht immer sicher sein, der Meister fabuliert ja so gerne. „Puttin’ on the Ritz“ ist eine klasse Nummer, ein New-York-Rap, seiner Zeit weit voraus. Porter war reich, homosexuell und Harvard-Absolvent, erklärt Ulrich, und mit „Miss Otis Regrets“, schrieb er eine Moritat, die mit ihrer Grausamkeit hervorragend ins Jahr 1934 passt.

Tukurs Hang zu Schlagern aus dem frühen 20. Jahrhundert ist bekannt. Bei „Begin the Beguine“ dreht sich die schöne Diskokugel, Tukur streut versaute Witze aus dem Altersheim ein, sein „Sondergebiet“, neben den Dialekten, sind die Alten. Vom Labern ist Tukur nun ganz aus der Puste, hat einen Klavier-Hänger, den lacht er weg. „Shall we Dance?“ fragt er mit einem fetten Blues-Intro. Das sind ungewohnte Klänge, sonst spielen Ulrich und seine Rhythmus Boys zarte Swing-Musik.

Eine Zuschauerin wird von Tukur auf die Bühne gequatscht, doch er ist nett zu ihr, Tukur führt keinen vor. Als alter Landkreis-Schüler erinnert er sich gerne ans Leine-Domizil an der Markthalle und testet so das historische Wissen der Hannoveraner. Zum Schluss beschießen Tukur und seine Rhythmus Boys das Publikum mit Wasserpistolen. Das ist ganz schön frech, „Let’s misbehave!“ eben. „Wie gespuckt und gut getroffen“, lautet das Fazit. Stimmt, schöner Abend, Treffer versenkt.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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