Navigation:
AboPlus Online-ServiceCenter

AWD-Arena

Das rockt! 37.000 bei Coldplay in Hannover

Pathos, aber gut gerockt: Coldplay starteten Dienstagabend ihre Deutschlandtour in der AWD-Arena. Für 37.000 gabs die Stunde der wunderschönen Lieder.

Hier geht die Post ab: Coldplay begeistern 37.000 in der AWD-Arena.

© Heusel

VON MATTHIAS HALBIG

Jedes einzelne kleine Fischlein glaubt man in diesen klingenden Fluten schwänzeln und jubilieren zu hören, und so macht man sich gemein mit ihnen, macht die Donau-Welle, als gegen neun Uhr abends im Rund der AWD-Arena Johann Strauß’ „An der schönen blauen Donau“ anschwillt – jene Majestät unter den Walzern, zu der sich schon Kubricks Raumstation in „2001“ drehte.

Man schunkelt munter, bis das Loop mit der indischen Santoor dann die Band des Abends ankündigt. Ein gläsernes Klöppeln schwebt da zu raschem, tablaartigem Pochen von der Bühne durchs Stadion. 37.000fache Begeisterung. Coldplay sind im Haus.

Mit „Live in Technicolor“, dem instrumentalen „Öffner“ des aktuellen Albums, starten die vier Briten ihre Hannover-Show. Zum Abenddämmer dieses wolkenverhangenen Sommertags singt Chris Martin dann im bluesigen „Violet Hill“ vom „langen, dunklen Dezember“ und in „Clocks“ davon, dass „die Lichter ausgehen“ und er „nicht gerettet werden“ kann. Bange klingt sein Falsett, das Piano gluckert wie Wasser, das durch einen Siphon aus der Welt ins Dunkel strudelt. „I was lost, I was lost“, singt Martin das Lamento von „In my Place“ und die Gitarre Jonny Bucklands malen hübsche Regenbögen aus Tönen dazu.

U2 als Vorbild

Der Coldplay-Sound hat Vorbilder, erinnert recht oft an The Edges wohlige Saitenklingelei aus U2s „Joshua-Tree“-Zeiten, und die Uniformjacke macht auch einen recht schmucken Sergeant Pepper aus Chris Martin. Man orientiert sich an den größten Namen und bietet entsprechend große Show. Bei „Yellow“ schreien all die Lichter und die andersweltigen Bildschirme ein blendendes „Geeeelb!!!“ in die Arena, das Volk lässt riesige Dotterballons über den Köpfen tanzen.

„Schau die Sterne an, wie sie für dich scheinen“, singt Martin dazu, und „Für dich würde ich mich leerbluten.“ Kaum etwas ist so wunderbar wie ein „silly lovesong“. Das wusste schon der Beatle Paul. Und dessen 60er Jahre schimmern in den „Cemeteries of London“, einem Song, der gleich zwei Klassiker birgt, das „House of the Rising Sun“ der Animals und die „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel.

Klingt, als wäre hier das Pathosbrötchen beim Tunken in den Kitschkakao abgebrochen, aber die Melancholie dieser Songs erfährt live einen enormen Kraftzuwachs. Coldplay wechselt die Bühnen und spielt auch auf den kleinen Spots mitten unter den Fans, als gälte dieser Tag alles. Das Schlagzeug von Will Champion und der Bass von Guy Berryman geben Groove bei, und in der Stimme Martins ist guter alter Rock ’n’ Roll auszumachen, wo Konzertnovizen affektierten Pop erwartet hatten. Martin ist auch keiner von den scheuen Schuhbetrachtern, er tänzelt, befeuert die Massen, ist immer unterwegs. Seinem Grinsen nach hat er eine mindestens so große Zeit wie der revolutionsbedrohte Weltenherrscher aus „Viva la Vida“ in seinen besten Tagen. Die „Oooooh“-Chöre, die Hannover zu Majestäts Untergang liefert, sind wuchtig. Der, sagen wir, drittberührendste Moment des Abends.

Mehr als nur Effekt

Der zweitberührendste ist, wenn zu „Lovers in Japan“ Trillionen Papierschmetterlinge in den Bühnenlichtern kreiseln, die antiken Symboltiere der Seele. Geschmackvoll ist diese Show, kein vordergründiges Effektarium, sondern dazu erdacht, Dienerin der Musik zu sein und deren Innerstes zu illustrieren.

Der berührendste Moment? Zum Ende des Unplugged-Sets hebt „Billie Jean“ an, Coldplay verzaubern Michael Jacksons Tanzbodenbrett in ein Folkstück. Martin kiekst wie Jacko, der in einem ihm besser gesinnten Universum als diesem derzeit mitten in seinen Comeback-Konzerten steckt. Die Version ist dabei – drei Gitarren plus Mandoline – eigentlich bescheiden, die Magie des Augenblicks aber ist mit Händen zu greifen.

So nehmen Könige von Königen Abschied. *****


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

  • Unbeschreiblich. Nele – 27.08.09
    Ich suche seit Dienstagnacht nach Superlativen, die nur annähernd das beschreiben können, was wir alle miterleben durften, aber mir fallen einfach keine ein. Dieses Konzert war mit Abstand das gigantischte, faszinierndste, spektakulärste & bewegendste Konzert, das ich je gesehen habe. Diese Kraft & diese Emotionen, die von diesen 4 Jungs ausgehen, hauen mich auch jetzt, 2 Tage danach, noch immer um. Gerade die Stimmung im Innenraum, wo ich einen genialen Platz in der 5. Reihe ergattern durfte, war unfassbar. Liebe Coldplay-Jungs, "for you i bleed myself dry" und es ist eine Schande, dass "nobody said it was easy
    No one ever said it would be this hard" Hannover zu verlassen, in dem Gewissen, dass man sowas Geiles bestimmt kaum wieder erleben wird.
    "Oh take me back to the start" of the best tuesday evening of my life!
  • COLDPLAY CoLdPlAy FoReVeR – 26.08.09
    Dieses Konzert hat wohl bei allen, die dabei sein durften, Energien freigesetzt, von denen man noch lange wird zehren können. Trotz des einen oder anderen Patzers ... das Konzert war gigantisch ... und schließlich ist "life" eben nunmal "live". Schlimmer war das Verkehrschaos im Vorfeld; eine absolute Katastrophe, die man so von Hannover (immerhin eine Landeshauptstadt!) nicht erwartet hätte. Das Konzert hatte allerdings das Potential, für alles zu entschädigen ... nur gut, dass es COLDPLAY gibt! DANKE!
  • Coldplay in Hanover Chester – 26.08.09
    Auch ich war unter den 37.000 und war ziemlich enttäuscht; offensichtlich hat keiner der Techniker geschnallt, daß von der Bühne ein ziemlicher scheußlicher Klangbrei kam. Der dröhnende Bass machte alles kaput; der mittlere und höhere Frequenzbereich wurde verschluck genauso wie (dadurch bedingt) teilweise der Gesang.

    Bei leiseren Pasagen war es erträglich, aber sowie es laut wurde, fing alles zu schrebbeln und zu blubbern an. Ich habe mit anderen nach dem Konzert gesprochen, denen es genau so erging.

    Schon schade, wenn man so eine Anlage nicht bedienen kann.

    Die Lichttechnik war ok und ziemlich aufwändig gemacht; teilweise zu aufwendig, denn die Effekte war zum Aufwand zu gering.

    Habe vor 5 Jahren Peter Gabriel in Hanover gesehen, da hatten sie alles perfekt im Griff. Der Sound war fast wie von eine Stereoamlage...

    Warscheinlich werden mich jetzt die Harcore-Fans zerreißen, aber ich bin nun mal der Meinung, daß ich für 71 Euro nunmal auch was richtig gutes zu bekommen habe, und dem war halt nicht so.

    Ich mache bei Konzerten immer öfter die Erfahrung das Masse oft mehr zählt als Klasse...will damit sagen, daß vor lauter Efekten und riesen Anlage + Bühne oft die Qualität auf der Strecke bleibt und dafür muß ich dann teuer bezahlen...

  • Coldplay -Konzert Helen – 26.08.09
    Auch ich habe das Konzert genossen und mich von der tollen Stimmung mitreissen lassen.
    Ich habe wenig von Stimm-Patzern bemerkt, fand eher,dass die Stimme von Martin 1:1 rüberkam.
    Mein Highlight die "Lovers in Japan" und "Lost".
    Und immer wieder diese herrlichen Instrumentalpassagen,dass man glaubt ein komplettes Orchester stünde auf der Bühne. Einfach genial! Großes Kompliment auch an den Autor Mathias Halbig. Wer in seinem Kommentar so viele Metaphern verwendet, kann eigentlich nur ein Coldplay-Konzert beschreiben. Denn genauso beschreibt man etwas Magisches.
  • Who the F**k ist U2 or Michael Jackson? zoener – 26.08.09
    Ich jedenfalls brauche weder U2 noch den King of Pop zum glücklich sein: Coldplay ist völlig ausreichend! Und da die Beatles leider vor meiner Zeit waren, erspare ich mir auch diese Quervergleiche.
    Die Musik dieser vier Jungs aus London ist magisch und diese Magie ist am gestrigen Abend tatsächlich auch auf die meiste Hannoveraner übergesprungen.

    Eine junges Mädchen brachte es am Telefon auf dem Heimweg auf den Punkt: "Es war das schönste Konzert, das ich je erlebt habe!" Auch sie war rundum glücklich.

    Mein persönliches Gänsehaut-Highlight war allerdings der X&Y-Superhit "Fix You", der immernoch zum Allerbesten gehört, was Coldplay je geschrieben hat. Einfach magisch, eben!
  • Konzert Pinaccle – 26.08.09
    Ich bin begeistert! Was Coldplay da visuell auf die Bühne gezaubert hat war wirklich sehr sehr eindürklich,unbeschreiblich gut. Die Stimmenprobleme habe ich auch bemerkt,allerdings machte mir das bei der BOMBEN-Stimmung auch nichts weiter aus. Mein persönliches Highlight: Viva la Vida....Wie das Publikum bei dem Lied abgegangen ist ist nicht von dieser Welt :)

    *****
  • Coldplay -Konzert Sportsfreund – 26.08.09
    Ja, war ein tolles visuelles sowie optisches Ereignis. So eine Performance lies sich nur noch von U2 selbst schlagen, welche ich vor kurzem im Berliner Olympiastadion sehen durfte. Mag ich mich irren, oder hatte Chris Martin bei einigen Songs Stimmprobleme? "Talk" haben sie leider verhunzt. Ansonsten zu wenig von der sehr erfolgreichen X&Y gespielt, find ich. Klasse Aktion, am Ende des Konzerts eine Live-CD zu verteilen. So bleibt der tolle "Tuesday evening" länger im Gedächtnis...

Kinoprogramm

Kinoprogramm

Ob Komödie, Thriller oder Fantasy - hier finden Sie alle aktuellen Filme, die in den Kinos in Hannover und Region laufen. Filmtipps inklusive. mehr


 

Anzeige

Netzwerk für Hannover

Künstler

Diese Ausstellung ist immer geöffnet. Im Künstlernetzwerk können Künstler ihre Werke präsentieren, und Kunstfans sind hier richtig. mehr


 

Veranstaltungen

Veranstaltungen

Disco oder Oper? Lesung oder doch lieber eine multimediale Diashow? Stürzen Sie sich ins Nachtleben – hier finden Sie 20.000 Veranstaltungen. mehr


 

Anzeige

Museen

Museen

Museen sind ein Teil lebendiger Geschichte. Neben den Heimatmuseen, den Highlights wie dem Sprengel bietet die Region auch besondere Ausstellungsorte wie das Torfmuseum. mehr


 

Frage des Tages

Bürgerbefragung

Eine Bürgerbefragung soll bald über die neuen Stadtbahnwagen der Linie 10 entscheiden. Stimmen Sie ab:

Probeabo

Probeabo

Lernen Sie die Neue Presse kennen

Wir laden Sie ein, die NP kennen zu lernen – stellen Sie uns zwei Wochen auf die Probe! Sie erhalten täglich die Neuen Presse mit allen wichtigen Informationen aus Hannovers City, Deutschland und der Welt - kostenlos und unverbindlich. mehr