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Jussi Adler-Olsen.

Jussi Adler-Olsen.© Claus Helveg

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Interview

"Das Washington Dekret"- Adler-Olsens neuer Roman

Jussi Adler-Olsens neuer Coup: In „Das Washington-Dekret“ schickt er Amerika ins Chaos. Donnerstag erscheint der Thriller – garantiert ein Bestseller.

„Man muss das Ziel im Blick haben. Es geht um das Ziel“, spricht der frisch gewählte Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Ziel klingt hehr: Er will Amerika entwaffnen, will „Mafia, Miliz, Kriminalität, Waffenmissbrauch“ ein Ende machen. Denn er selbst erfuhr Gewalt, seine Frau samt ungeborenem Kind wurde bei der Wahlsiegesparty brutal ermordet. Doch sein „Washington-Dekret“ löst Terror aus, ein Land im Aufruhr. Mittendrin: ein Pärchen, das den so charismatischen Kandidaten unterstützte - und nun extrem unter Druck gerät.

So entwickelt sich ein wilder Thriller mit Hetzjagden, Handgemengen und überraschenden Drehs. Erfolgsautor Jussi Adler-Olsen legte „Das Washington-Dekret“ (dtv, 656 Seiten, 19,90 Euro) in Dänemark 2006 vor, noch bevor er die Bestsellerserie um den grummeligen Kommissar Carl Mørck startete. Nun erscheint es auf Deutsch just, als ein demokratischer US-Präsident die Waffenfreiheit beschneiden will - wie in Adler-Olsens Thriller. Damit aber enden die Berührungspunkte mit der Realität.

Denn Adler-Olsens Präsident Bruce Jansen ist durchgeknallt, seine hehren Ziele verfolgt er per finsterem Law-and-order-Programm. Als Grundlage dient ihm ein Notstandsgesetz, das - real - nach 9/11 verabschiedet wurde. Es brachte Adler-Olsen auf die Idee zu seinem Roman.

Im Notfall kann der Präsident das Parlament entmachten - und für den Notfall sorgen im Roman finstere Ränkeschmiede im Weißen Haus. Während die Guten viel Zeit brauchen, die Fäden zu entwirren, in denen sie selbst festkleben: Wesley, junger Pressechef, ringt sich gegen die eigene Überzeugung glänzende präsidiale Reden ab und sucht heimlich nach verbündeten Abtrünnigen im Weißen Haus. Während Doggie, die gern mit ihm anbändeln würde, ins Abseits verbannt ist - im Prunkhotel ihres Vaters geschah der Mord, er sitzt in der Todeszelle, bald wird auch Doggie gejagt.

So gehört sich das im Thriller, Adler-Olsen wechselt ständig die Schauplätze, stets hübsch mit Cliffhanger; er bringt ein schwules Journalistenpärchen und eine Mutter kleinkrimineller Söhne ins Spiel. Ein bunter Mix an Perspektiven, der sich jedoch letztlich konstruiert liest. Eher Hollywood-Vorlage als ein Hineinspüren in die reale Befindlichkeit der Weltmacht.

Doch der Däne will erklärtermaßen hauptsächlich unterhalten - das tut er. Jede Menge Action, Figuren, wie stets schlicht gestrickt, denen man aber gern folgt. Und auch wenn der Humor etwas kurz kommt: Ideen, wie Ex-Kriminelle zu „Großen Brüdern“ für gefährdete Jugendliche zu machen, haben Charme, sind allerdings von amerikanischer Realität so weit weg wie des Autors Heimat. Amerika ist einfach nicht Dänemark.

Bewertung: 4/5

ZUR PERSON

Ein bunter Vogel – mit Millionen-Auflage

Es gibt jede Menge netter Geschichten über den Bestsellerautor, in der Regel von ihm selbst erzählt. So ist sein vollständiger Vorname Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen, nach einem Opernsänger riefen die Eltern ihn Jussi. Als er in der Schule Carl heißen sollte, streikte er – und erstritt einen Königsbrief mit dem Recht, sich Jussi zu nennen.

1950 in Kopenhagen als Sohn eines Oberarztes in psychiatrischen Kliniken geboren, lernte Adler-Olsen die Insassen persönlich kennen, darunter ein Vorbild für seinen Carl Mørck. Er studierte Medizin, Soziologie, politische Geschichte und Filmwissenschaft und war Verlagsgeschäftsführer, Komponist, Redakteur, Koordinator der Friedensbewegung und im Vorstand eines Solarunternehmens in Kempten.

1997 erschien sein erster Thriller „Das Alphabet-Haus“ in Dänemark (2012 in Deutschland), der schon international verkauft wurde; doch erst mit „Erbarmen“, dem ersten Krimi um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q, gelang ihm der Durchbruch; in Deutschland erreichte er 2010 Platz zwei der „Spiegel“-Bestsellerliste. Mittlerweile gilt Adler-Olsen als erfolgreichster dänischer Krimiautor, vier Millionen Bücher hat er verkauft. Die Startauflage für „Das Washington-Dekret“ beträgt 260 000 Exemplare.


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