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Tolle Szenerie: Die Installation im Arne-Jacobsen-Foyer.

Tolle Szenerie: Die Installation im Arne-Jacobsen-Foyer.
© Helge Krückeberg

Kunstfestspiele

Das Raumschiff Kunst ist gelandet

Die Festspiele, unendliche Kunstwelten: Im Rahmen der Kunstfestpiele zeigen Marcus Schmickler und Carsten Goetz die überwältigende Klang- und Lichtinstallation „Revolving Realities Redux“ im Herrenhäusener Arne-Jacobsen-Foyer.

Hannover. Es ist ein bisschen so, als wenn man sich im Film „Matrix“ befindet. Dunkelheit, Lichtfinger versuchen die Zuschauer zu packen, wummernde Klänge, Robotersprache, Spiegel-Ufos: Das gläserne Arne-Jacobsen-Foyer in Herrenhausen ist für die Zeit der Kunstfestspiele zum Raumschiff geworden.

Hier haben Marcus Schmickler und Carsten Goetz die überwältigende Klang- und Lichtinstallation „Revolving Realities Redux“ aufgebaut, die bis zum Festivalende am 21, Mai jeden Abend ab 21.30 Uhr für zwei Stunden abhebt.

Überhaupt haben die Kunstfestspiele am Eröffnungswochenende einen hohen Erlebnisfaktor bewiesen – mit zwei Konzerten, die sicherlich zum Besten gehören dürften, was in diesem Jahr in Hannover zu erleben ist.

Wie dieses „Stereoskop der Einzelgänger“ in der Herrenhäuser Galerie. Man betritt eine Wunderkammer, eine Megalopolis aus tausenden von grauen Kartons, die eine geometrisch exakt vermessene Landschaft ergeben. Darauf sind die Musiker (KNM Berlin) teils versteckt postiert, ein Frosch spielt ein Streichinstrument, der Esel Trompete, die Klänge erinnern an den späten John Cage, sind aber von Ana Maria Rodriguez exakt auskomponiert und wandern dank ausgefeilter Surround-Elektronik durch den Raum.

Die Zuhörer dürfen, ja müssen während der Aufführung durch den halbdunklen Raum wandern, um all die Kleinigkeiten zu entdecken, die sich in Nischen und Fächern der Papplandschaft befinden: seltsam sakrale Reliquien, zusammengesetzt aus Alltagsdingen.

Die zweite Aufführung ist eine Film-Musik-Kombi, dass einem Augen und Ohren übergehen. Die Filmemacherin Cornelia Belz hat sich ein abstraktes Bild von Malergenie Gerhard Richter vorgenommen und per Computer einen psychedelischen Farbstrom erzeugt, in dem einzelne Bildelemente und Farbspuren in rasender Geschwindigkeit an der Netzhaut vorbeisausen.

Dazu liefert Marcus Schmickler eine perfekt passende Musikspur für großes Orchester (Ensemble Musikfabrik), die mit ihren rauschhaften Klängen an den Spätromantiker Alexander Skrjabin erinnern. Das Publikum ist danach so platt, dass es fast den Applaus vergisst. Ein Wochenende, das zeigte, wofür Festspiele eigentlich da sind, dass man nämlich das Extraordinäre bekommt.

Von Henning Queren


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