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Kultur Das Buch mit der Bilderflut
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18:14 07.10.2018
Die Korrespondenzen der Bilder: Ein Blick in das Buch „Quagga“. Quelle: Inga Knölke
Hannover

Das Quagga ist schon ein ebenso seltsames wie kurioses Tier. Nie gehört? Gab es aber wirklich. Ausgestorben, sah aus wie ein Zebra, und man würde es landläufig als hässlich bezeichnen. Genau das gibt den Titel her für ein außergewöhnliches Buch der in Hannover geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin Inga Knoelke.

Nimmt man das Buch (gedruckt bei Wanderer in Ronnenberg) in die Hand und fängt an zu blättern, findet man sich in einem scheinbar endlosen Bilderstrom wieder, es gibt keine Seitenzahlen, die einzelnen, meist rätselhaft erscheinenden Foto überlagern, ergänzen, kommentieren oder bekämpfen sich. Je nach Betrachtung. Und je nach Verfassung des Betrachters kann es auch immer wieder ganz anders sein. Die Bilder zeigen Straßenszenen irgendwo auf der Welt (die Künstlerin reist viel), Blicke aus und in Fenster, Stretchlimousinen, über denen per raffiniertem Fotoschnitt das Meer tobt, Inseln, die wie Fische durchs Meer schwimmen und gleich daneben ein toter Fisch wie eine Insel im Strandsandmeer. Diese Zusammengesetztheit ist Stilprinzip des Buches, eine Zusammengesetztheit wie eben beim Quagga irgendwie aus Zebra, Pferd und Esel. Die Fotos entstanden 2002, 2009 und 2013 unterwegs, auf Reisen, „wo man überall fremd ist“, wie Inga Knölke sagt.

So geht es auch dem Leser oder besser Betrachter dieses Buches, bei dem alle Seiten miteinander verbunden sind und genau wie ein gebundenes endloses Rollbild wirken. Ein Bilderflut rauscht an einem vorbei – die Geschwindigkeit bestimmt man selber – die Fotos springen bisweilen rasant über die Seitenbegrenzungen, Schneehasen im Frost, Betonruinen, Tierköpfe, Grenzzäume, Hochspannungswerke, nackte Frauenschultern – die Bandbreite der Fotos überrascht: Fotos, bei denen die Korrespondenz bisweilen durch eine sensibel gefundene gemeinsame Farbigkeit für den Betrachter hergestellt wird. Inga Knölke: „Ich wollte das Buch zum Fließen bringen.“ Das ist ihr gelungen. Ein bemerkenswertes Opus, so rätselvoll und faszinierend, wie unsere Welt nun einmal ist.

Von Henning Queren

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