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Bunte Truppe: (von links) Johnny Stange, Mateo Jasik, Don Cali und Chino con Estito sind Culcha Candela.

Bunte Truppe: (von links) Johnny Stange, Mateo Jasik, Don Cali und Chino con Estito sind Culcha Candela.© Foto: I am Johannes

Interview

Culcha Candela wünschen: „Feel Erfolg“

Seit ihrem Superhit „Hamma“ sind Culcha Candela aus der deutschen Musikszene kaum wegzudenken. Mit ihrem neuen Album „Feel Erfolg“ erfinden sie sich ein Stück weit neu. Warum, haben sie beim Treffen mit der NP erklärt.

Hannover. Seit 15 Jahren gibt es die Berliner Dancehall-HipHop-Crossover-Combo Culcha Candela bereits. Zum Jubiläum haben sich Mateo Jasik, Johnny Strange, Don Cali und Chino con Estito einen Neustart verordnet. Ein Interview.

„Feel Erfolg“ heißt das neue Album. Wie fühlt sich Erfolg denn an?

Chino con Estilo: Erfolg hat viele Formen, aber jede fühlt sich gut an. Worin es uns in dem Song „Feel Erfolg“ besonders geht, sind die inneren Erfolgsgefühl, das Vermögen, sie auch zu genießen. Allein das ist ja schon ein Erfolg: dass man weiß, was man hat.

Was hat Culcha Candela denn?

Don Cali: Dass wir tun können, was wir tun, in dieser wunderschönen Stadt Berlin zu leben, in dieser Zeit, in der man so viel hat. Durch die Welt zu reisen mit unserer Musik.

Chino: Man neigt ja dazu, Erfolg in Zahlen ausdrücken zu wollen. Darum geht es nicht, sondern manchmal auch einfach nur darum, eine Aufgabe gemeistert zu haben. Daran kann man wachsen.

Was war die letzte große Herausforderung?

Chino: Auf jeden Fall schon mal das Album. Und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden und stolz darauf.

Es sind 15 Lieder darauf – passend zu 15 Jahren Culcha Candela?

Johnny Strange: Das hast du gut erkannt (lacht).

Sind 15 Jahre ein Erfolg – die Band ist ja damals eher zufällig entstanden?

Don Cali: Nicht zufällig. Das war schon Schicksal.

Chino: Wir hatten schon eine Vision, und die in die Tat umgesetzt. Weil wir so unterschiedlich sind, hat uns niemand 15 Jahre gegeben. Das geschafft zu haben, ist schon ein Erfolg. Wir schaffen es, für unser Ziel auch mal unsere Egos zurückzustecken. Das wünschen wir uns auch für unsere Gesellschaft: ein Ziel zu finden und dafür einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Ist die Musik der gemeinsame Nenner von euch?

Chino: Ja, Musik ist schon das, was uns im Kern zusammenhält. So hat es auch begonnen: Wir haben die Musik machen wollen, die uns gefällt und die man sonst nicht hört.

Für dieses Album gab es eine andere Herangehensweise ...

Mateo Jasik: Auf jeden Fall. Für 95 Prozent der bisherigen Lieder hatten wir einen Produzenten, der die Beats gemacht hat, und wir haben darauf geschrieben. Diesmal haben wir mit ganz vielen verschiedenen Leuten zusammengearbeitet, überall in Deutschland. Wir haben die Songs direkt mit den Beats zusammengeschrieben. Das war eine tolle Erfahrung, wie eine Neugeburt. Die meisten waren auch jünger als wir. Deswegen hört sich das Album nah am Zeitgeist an, vielleicht schon ein bisschen drüber, wie 2018, aber immer noch nach Culcha.

Es waren Produzenten aus dem klassischen Hip-Hop-Bereich dabei, aber auch welche, die sonst eher für Pop-Liedermacher arbeiten. Wie wurden die ausgewählt?

Johnny Strange: Wir haben unser Netzwerk bemüht, das wir uns in den letzten 15 Jahren aufgebaut haben. Und wir haben Glück gehabt: Egal was die sonst machen: Die haben Bock auf alles, und die können auch alles. Und wenn da so eine Band wie wir kommt und sagt: Lasst uns mal Sachen ausprobieren, dann sind sie sofort dabei.

Erste Single war „Rodeo“, eine Dancehall-Nummer mit extremen Bässen und Balkanbeat-Einflüssen. War das ein Statement?

Mateo: Hey, nach 15 Jahren war das natürlich ein Statement. Es war auch einer der ersten Songs des Albums und eine super Einstimmung. Perfekt zum Hallo-Sagen.

 Jetzt kommt „Cool mit mir selbst“, ein Lied, das schon besser zum aktuellen deutschen Pop-Kontext passt ...

Mateo: Ja und nein. Für uns ist das erst einmal ein sehr, sehr schöner Song mit einer guten Message. Die Kommentare der Leute bestätigen das auch. Und wir haben zum ersten Mal mit einer Sängerin zusammengearbeitet.

Ela, die man von ihrer Gruppe Elaiza kennt und die jetzt Deutsch singt.

Mateo: Ja, mit der singt sie auf Englisch. Die Sachen, die sie mit uns introduced mit ihrer Featuresingle, die singt sie auf Deutsch.

Johnny Strange: Wir haben sie dazu ermutigt, das zu machen.

Chino: Sie hat eine krasse Stimme, die man jetzt erst richtig hört.

Wenn es auf dem Album um Botschaften geht, zum Beispiel in „Cool mit mir selbst“, in „Mach dein Ding“ oder „Genieß dein Leben“, dann geht es darum, dass die Menschen mehr zu sich stehen sollten. Ist das nötig?

Mateo: Mehr als je zuvor. Es gibt so viele Dinge, die im Zeitalter von Social Media auf uns einprasseln, so viel Einflussnahmen, so viele Mädchen, die sich als Teenager schon die Lippen spritzen und den Busen tunen lassen, dass man es gar nicht oft genug sagen kann. Oder dieses Gefühl, dass die Welt zugrunde geht: Statistisch gesehen ging es den Menschen doch besser als je zuvor.

Johnny Strange: Wenn man etwas verändern will, braucht man positive Kraft. Mit negativem Denken kommt man nicht weit.

Chino: Und ich glaube, dass es ein Schlüssel zu mehr Frieden auf der Welt ist, wenn die Menschen anfangen, an sich selbst zu arbeiten. Solche Dinge wie AfD, Brexit, Trump haben doch viel mit Frustration zu tun; es ist nun mal viel leichter, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, als an sich selbst etwas zu ändern.

Fällt es denn leicht, bei den genannten Themen positiv zu leben?

Johnny Strange: Muss man. Was ist denn die Alternative? Man kann doch nicht mit Gewalt antworten. Das wollen diese Leute doch; ein Gegeneinander statt eines Miteinanders.

Chino: Die einzige Möglichkeit, diesen Menschen zu begegnen, ist, ihnen die Hand zu reichen, ihnen die Möglichkeit zu geben zu partizipieren. Es geht nur mit Offenheit.

Don Cali: Es ist auch wichtig, dass diese Leute ihre Meinung äußern können. Man muss dann nur den Dialog eingehen, die Meinung hinterfragen – und ernst nehmen, dass es Dinge gibt, die einfach nicht cool sind.

Der Song „Starting Over“ zeigt dafür aber ganz schön einen verbalen Stinkefinger.

Chino: Aber da geht es um den privaten Bereich, die Erfahrung, dass man von manchen Leuten so viele Sachen einsteckt, dass man den Cut machen muss, sagen muss: Bis hierher und nicht weiter.

Mateo: Das kennt doch jeder: Man ist manchmal ein bisschen zu gutmütig, hat vermeintlich gute Freunde und merkt irgendwann, man tut die ganze Zeit etwas für die und die nie etwas für einen selbst. Von solchen negativen Einflüssen muss man sich trennen und neu anfangen. Davon handelt der Song.

Wie leicht klappt das im Musikgeschäft?

Johnny Strange: Das ist im Geschäft ähnlich wie im Leben: Man muss seinen Weg finden, man muss sich trauen, man muss Risiken eingehen und den Leuten Chancen geben – aber nicht zu viele. dann findet man seinen Weg schon.

Wohin soll der Weg noch gehen?

Chino: Der soll auf jeden Fall sich noch einige Jahre in der professionellen Liga entfalten. Wir haben wieder einen guten Zugang zur Musik gefunden und hoffen, dass wir so weiter machen können. Und wir hoffen, dass wir den Leuten positive Energie geben können, damit sie das Leben genießen

Culcha Candela live: am 11. Oktober im Capitol. Karten (38,75 Euro) gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch


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