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Valer Sabadus

IRRE STIMME: Countertenor Valer Sabadus ehrt am Wochenende Leibniz mit seinem Gesang.© Henning Ross Fotografie

Interview

Countertenor Valer Sabadus über Leibniz und Hip-Hop

Musik für den Universalgelehrten: „Continuum“ heißt der musikalische Höhepunkt des Leibniz-Jahres. Er hat am 12. November in Hannover Premiere. Mit dabei der weltweit gefeierte Countertenor und Echo-Preisträger Valer Sabadus (30) - der zusammen mit dem Rapper Samy Deluxe konzertiert.

Woher kennen Sie Samy Deluxe?

Man kennt den halt einfach in Deutschland, er ist sehr populär, hat viele Alben verkauft. In der Schule war man in Cliquen eingeteilt, manche, die sich nur Hip-Hop anhörten, einige nur Heavy Metal, andere ganz brav Klassik ...

Und Sie?

Ich hatte zu den Hip-Hoppern nie dazugehört. Diese hängenden Hosen und diese ewig langen T-Shirts, das ging irgendwie gar nicht. Aber man kannte das natürlich. Das hat uns schon geprägt. Und jetzt ist das mein erster Ausflug in diese Art von Musik. Ansonsten hatte ich mal mit dem türkischen Pera-Ensemble meine ersten Erfahrungen mit ganz anderer Musik. Das lockert. Ich finde jedenfalls solche Crossover-Projekte großartig. Der Rapper Samy Deluxe wird dabei unter dem Namen „Herr Sorge“ auftreten, dazu wird die barocke Musica Alta Ripa spielen.

Wie würdigen so verschiedene Musiker Leibniz?

Die Grundidee ist, Statements zu nehmen von diesem Universalgenie - Leibniz war Philosoph, Mathematiker, Erfinder. Und diese Statements sollen in die heutige Zeit übersetzt werden. Die Leibniz-Gedanken mitzunehmen, das ist die Aufgabe von Herrn Sorge. Wir anderen werden das Ganze umrahmen und illustrieren mit barocker Musik von Händel. Da prallen musikalisch zwei Welten aufeinander, das Heute und die Zeit von Leibniz.

Wie kann man sich das vorstellen?

Große Schwerpunkte von Leibniz sind Tod, Vernunft und Vollkommenheit - und danach suche ich die Musik aus. Es gibt ja einige schöne Gedanken von Leibniz dahingehend, dass nach dem Tod die Materie, die Energie noch vorhanden ist und dass die Materie durch das Wirken der Menschen noch weiter fortgeführt wird. Deshalb wird es Arien geben wie „Ombra mai fu“ oder auch „Crude furie“. Die hannoversche Instrumentalistin Danya Segal hat die Texte der Händel-Opern so weit wie möglich nach den Leibniz-Gedanken ausgesucht.

Wie kommt dann die Gegenwart ins Spiel?

Das alles wird angereichert durch elektronische Elemente, Hip-Hop-Produzenten sind in den musikalischen Fluss mit einbezogen. Leibniz steht auch für Vernunft - da treffe ich mich mit Samy Deluxe, der sich in verschiedenen Projekten gegen den Rassismus eingesetzt und ein Aids-Projekt gemacht hat.

Werden Sie auch etwas mit ihm gemeinsam performen?

Das ist vorgesehen. Eine Art Rap findet man ja auch im Barock bei den Rezitativen, hier wird auch von Musik begleitet rhythmisch gesprochen. Zum Schluss werden wir dann gemeinsam einen Schlusschor aus Händels Oper „Tamerlano“ singen. Ich bin mal gespannt, wie das wird.

Viele Jüngere, die in die Konzerte gehen, werden wohl zum ersten Mal einen Mann mit einer so hohen Gesangsstimme hören ...

Denke ich auch. Vielleicht wird das Samy Deluxe mit einem seiner eigenwilligen Kommentare auffangen und sagen, dass bei mir alles in Ordnung ist.

Was hören Sie also privat? Doch nicht nur Klassik?

Zu Hause versuche ich, so wenig Oper wie möglich zu hören. Ich höre auch viel Folklore dank meiner Freundin, die aus Moldawien stammt, wunderschöne Sachen. Ansonsten auch Minimal Music, Bobby McFerrin war auch mal ein Idol von mir. Oder Queen, „Bohemian Rhadsody“, Freddy Mercury ist einfach nur großartig. Wenn ich bei den Proben dann zu viel Opernstimmen gehört habe, hole ich meine Queen-Best-of-Collection raus. Denn die Oper, die barocke Musik hat etwas sehr Artifizielles, Gekünsteltes. Da ist es schön, wenn man da mal herauskommt.

Premiere: 12. November, 20 Uhr in der Neustädter Hof- und Stadtkirche (wo auch das Grab von Leibniz liegt). Tickets 21 bis 50 Euro in den NP-Ticket-Shops. Am 13. November in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin (ab 19 Uhr) und am 14. November (ab 20 Uhr) im Berliner Dom (Tickets 31,25 bis 53,25 Euro). www.tickets.neuepresse.de

NPVISITENKARTE

Geboren am 15. Januar 1986 in Arad (Rumänien). Valer Sabadus kam 1991 nach Deutschland, studierte Geige und Klavier und ließ sich zum Countertenor ausbilden. 2009 gab er sein Debüt bei den Salzburger Festspielen. 2011 wurde er „Nachwuchskünstler des Jahres“ der Zeitschrift „Opernwelt“. 2012 erhielt er für seine erste Solo-CD „Hasse Reloaded“ den Deutschen Schallplattenpreis und den Echo-Klassik für „Baroque Oriental“. Für die Oper „Artaserse“ war er für den Grammy nominiert. Sabadus lebt in München.


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