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Mark Millar

Interview

Comic-Star Mark Millar: "Superman & Co. sind nicht mehr zeitgemäß"

Mark Millar (40) ist einer der erfolgreichsten Comic-Autoren auf dem US-Markt. Er schrieb auch die Vorlage für den Film „Kick-Ass“, den Regisseur Matthew Vaughn selbst finanzierte, um möglichst nah am Original zu bleiben.

Matthew Vaughns Film „Kick-Ass“, der am 22. April startet, erzählt von einem Jugendlichen, der sich im Neopren-Anzug, aber ohne jede Superkraft oder Begabung aufmacht, Superheld zu werden.

Vaughn finanzierte die Action-Groteske selbst, um möglichst nach an der Vorlag, einer Comic-Serie des Schotten Mark Millar (40, „Wanted“) zu bleiben. NP-Redakteur Stefan Gohlisch sprach mit Millar, einem der erfolgreichsten Autoren auf dem US-Markt, über neue Helden und alte Leidenschaften.

Wie fühlt man sich als Beteiligter am größten Independent-Film des Jahres?
Ich bin entzückt. Die Alternative wäre gewesen, sich nach den Studios zu richten, und „Kick-Ass“ wäre ein Kinderfilm geworden. So ist es so nahe am Comic wie nur möglich.
Das Ende, zumindest das der Liebesgeschichte, ist deutlich fröhlicher geworden im Film.

Warum?
Manche Sachen muss man ändern; es wäre sonst wohl zu schrecklich geworden (lacht). Eine alte Regel besagt, dass die Menschen sich gut fühlen sollen, wenn das Kino nach einem solcher Filme verlassen.

Aber nach einem Comic darf man sich schlecht fühlen?
Ja, offenbar (lacht).

Wie kam Matthew Vaughn an Bord?
Matthew war mal für Marvel-Studios im Gespräch für den „Thor“-Film; darüber haben wir uns kennengelernt. Als sich das zerschlagen hatte, fragte er, ob ich einen Stoff für ihn hätte. Zuerst dachten wir an ‚American Jesus‘. Dann habe ich ihm von ‚Kick-Ass‘ erzählt, und er hat sofort verstanden, was ich wollte, obwohl es damals gerade mal einen sehr groben Plot gab. Ich bin sehr froh. Außer ihm hätten, denke ich, höchstens Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez diesen Film machen können.

In einem ähnlichen Stadium befand sich „Wanted“, als Sie die Rechte daran verkauften, mit dem Ergebnis, dass die Autoren erst einmal das Grundszenario – Superschurken beherrschen die Welt – verwarfen…
… und die erste Drehbuch-Fassung war fürchterlich. Später wurden noch Elemente des fertigen Comics integriert. Mir wurde gesagt, die Zuschauer könnten sich nicht mit Superschurken identifizieren…

… aber mit Assassinen?
Offenbar (lacht). Aber es ist trotzdem ein Vier-Sterne-Film geworden, und Angelina Jolie spielt mit. Ich könnte kaum glücklicher sein.

Und mit „Kick-Ass“?
Der ist eindeutig besser, ein Fünf-Sterne-Film. Ich bin relativ selbstkritisch, aber jetzt bin ich wirklich zufrieden.

Hochgelobt werden die Darsteller-Leistungen, allen voran Chloe Moretz als Hit-Girl und Nicolas Cage, der als Big Daddy auf Adam-West-Batman macht. Wer ist Ihr Favorit?
Sie sind alle meine Favoriten. Mark Strong als Gegenspieler hatte allerdings den härtesten Job; er ist die einzige Hauptfigur ohne Kostüm. Chloe ist natürlich das pure Vergnügen. Sie beherrscht jede Szene, in der sie ist. Ich habe den Film jetzt einige Male gesehen und bin immer noch aufgeregt, wenn ich sie sehe.

Die zweite „Kick-Ass“-Comic-Serie beginnt im September. Wie sieht es mit einem zweiten Film aus?
Der Plan ist, dass ich mit Matthew erst einmal einen anderen Film mache, eine Geschichte, die ich gerade noch schreibe und die noch gar nicht offiziell angekündigt wurde. Es wird ein sehr, sehr anderer Film, aber auch eine Superhelden-Geschichte. Und danach wäre „Kick-Ass 2“ dran.

Wird es ein Wiedersehen mit Hit-Girl geben?
Yeah, natürlich. Man hätte ja auch kaum „Das Imperium schlägt zurück“ oder „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ohne Han Solo machen können. Es wird aber noch andere Hauptfiguren geben, zwei gute, zwei böse, eine davon mit einem großen Namen besetzt. Nicolas Cage wird ja – wer den Film gesehen hat, weiß, warum – nicht mehr dabei sein.

Was hat sie überhaupt motiviert, die Geschichte zu schreiben?
Es ist viel darüber geredet worden, dass ich versucht hätte, das Genre zu dekonstruieren. Das ist nicht so ganz richtig: Ich wollte das tatsächlich machen, als ich ein Kind war. Ein Freund und ich hatten schon Kostüme entworfen… In „Kick-Ass“ wollte ich sehen, was passieren würde, wenn jemand das tatsächlich täte.

Und wie würden Sie darauf reagieren, wenn jemand, nachdem er den Film gesehen hat, im Kostüm vor Ihnen stünde?
Ich würde ihm davon abraten. Ich meine, Dave landet nach seinem ersten Ausflug als Kick-Ass für sechs Monate im Krankenhaus…

Sie haben inzwischen an fast allen großen Figuren gearbeitet. Gibt es Favoriten?
In meiner Kindheit war es Superman, wegen der Christopher-Reeve-Filme. Das war eine wirkliche Leidenschaft. Heute ziehe ich es vor, eigene Charaktere zu entwickeln. Es ist, denke ich, an der Zeit, sich weiterzuentwickeln. Viele dieser Figuren sind altmodisch und einfach nicht mehr zeitgemäß.

Haben Sie nicht auch mal ein Superman-Script geschrieben?
Ich habe mal einen Vorschlag eingereicht. Dann kam Matthew…

Und was ist mit den aktuellen Marvel-Filmen? Dort gibt es doch sehr starke Bezüge zu Ihren „Ultimates“-Comics, zum Beispiel in der Figur des Nick Fury, den Sie als ersten mit Samuel L. Jackson besetzten.
Ach, wie das bei den großen Verlagen so ist: Man verkauft seine Geschichte, und die Rechte daran hat dann der Verlag. Ich war bei den Filmen nicht involviert.

Werden Sie „Iron Man 2“ & Co. trotzdem gucken?
Ich kann es kaum abwarten. Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, in der ich Superhelden nicht geliebt habe.


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