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WILDER TRIP QUER DURCH DIE JAHRHUNDERTE: Mit dabei sind Ben Wishaw (re.), Doona Bae als Sonmi.

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Filmkritik

„Cloud Atlas“ ist ein kolossales Kinogemälde

Letzte Hoffnung für die Menschheit: Überquellend, maßlos und unbescheiden: „Cloud Atlas“

Atemberaubend! Dieser „Cloud Atlas“ ist ein Wunderwerk. Ein wundersames Gespinst aus Geschichten und Gesichtern, Schicksalen und Schimären. Sechs Erzählungen, ein Prolog, ein Epilog, gezogen über fünf Jahrhunderte - und ineinander verwoben, als ob es die eine Begebenheit nicht ohne die andere gegeben hätte. Dass der Zusammenhang sich erst nach und nach erschließt, was macht das schon, wenn sich am Ende der Kreis der Menschheitshoffnung schließt.

Die chronologische Ordnung des Bestsellers von David Mitchell ist aufgebrochen. Tom Tykwer sowie Lana und Andy Wachowski, die in zwei Teams parallelgedreht haben, lassen das halbe Dutzend Fabeln ineinander, übereinander und nebeneinander laufen - und bauen geschickt Brücken dazwischen.

Da reist der amerikanische Anwalt Adam Ewing 1846 von Australien nach San Francisco, rettet einen Sklaven und zweifelt auf der Passage immer stärker an der Sklaverei. Seine Aufzeichnungen faszinieren den jungen Komponisten Frobisher in England 1936. Er will sein leer komponiertes, alterndes Idol mit seinen Ideen zu einem letzten Meisterwerk bringen - mit bitteren Folgen für Frobisher. 1973 trifft eine farbige Journalistin in den USA auf den alten Liebhaber des Komponisten und deckt mit seiner Hilfe einen Atomskandal auf. Über den schreibt ein Junge. Das Manuskript bekommt 2012 ein Londoner Verleger, der in einem Altenheim eingesperrt wird - bis er eine turbulente Flucht organisiert.

Schließlich bringt ein Video dieser Aktion 2144 in Seoul die Replikantin Sonmi-451 dazu, zu den Rebellen zu fliehen. Am Ende weckt die Ankunft einer Botin auf einer Insel nach dem Weltdesaster Zukunftshoffnungen.

„Cloud Atlas“ ist ein wilder Ritt durch viele Kinogenres. See-Abenteuer, Ro­man­ze, Genie- und Gedankendrama, Sa­tire, Enthüllungskrimi, Science-Fiction-Thriller. Die Bilder sind grandios in ihrer malerischen Fantastik und ihrem überbordenden Barock. So einfallsreich und wagemutig war schon lange keine Produktion mehr, die 100 Millionen gekostet hat.

Leicht lässt sich feststellen, was Tom Tykwer („1936“, „1973“, „2012“) und was die Wachowskis („1849“, „2144“, „2346“) gedreht haben. Die Stile unterscheiden sich schon, wobei erstaunlich ist, wie sich am Ende doch alles so wunderbar zu einem kolossalen Gemälde fügt. Ein Zeitenpanorama voll Freundschaft und Verrat, Glaube und Liebe, Täuschung und Tragik, Hader und Komik.

Das ergibt alles erstklassige Reibeflächen, die gedanklichen Funken fliegen nur so. Dass es im Grunde in jeder Episode um gesellschaftliche Freiheit und individuelle Befreiung geht, wird in so feinen Dosen so spielerisch leicht weitergegeben, dass es einen geradezu unwiderstehlichen Sog entwickelt. Ohne alle Pädagogik - auch wenn immer wieder durch die Jahrhunderte verkündet wird, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Der Trick an der Botschaft: Ein halbes Dutzend Schauspieler sind gleich in mehreren Rollen zu sehen (Tom Hanks allein in sechs) und wechseln nicht nur Masken, von denen einige erst im Abspann gelüftet werden, sondern auch schon mal Hautfarbe und Geschlecht. Diese übermütige Maskerade ist mehr als nur ein Spiel mit Verkleidungen und Vermischungen. Großes Kino zum Staunen!

Bewertung: 5/5


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