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GROSSE KUNST: Der Cirque du Soleil begeistert mit bodennaher Akrobatik.

Show

Cirque du Soleil - NP besucht Deutschland-Premiere

Der Cirque du Soleil gastiert mit seinem neuen Programm „Varekai“ ab dem 24. Februar fünf Tage in Hannovers Tui-Arena. Die NP hat sich schon einmal die Premiere in Berlin angesehen - ein zauberhaftes Schauspiel.

Berlin. Der Countdown läuft, die Clowns necken das Publikum in der Berliner Mercedes-Benz-Arena schon mit ihren Sketchen, und trotzdem schieben sich noch gut 1000 erwartungsfreudige Cirque-du-So-leil-Fans die Treppen und zu ihren Plätzen hinunter.

Die Cirque-du-Soleil-Show be-ginnt unruhig, und die erste Szene im Zauberwald nimmt an Fahrt auf. „Varekai“ ist eine Ikarus-Geschichte - je näher wir der Sonne kommen, desto tiefer ist unser Fall vom Himmel. Auch Varekai stürzt und ist schwer verletzt, so die Story, noch dazu werden ihm seine Flügel gestohlen. Doch Hilfe naht, in einem grobmaschigen Netz und von vielen fantasievoll kostümierten Helfern wird Varekai in die Höhe gezogen. Dort turnt er nun in den Seilen und schraubt und dreht sich ganz ohne Sicherung, keine Matte schützt ihn vor dem harten Boden tief unter ihm. Wahnsinn.

Nach seiner Nordamerika-Tournee hat es den Cirque-du-Soleil-Tross nun also nach Europa verschlagen. Die „Varekai“-Premiere in Berlin ist gut besucht, man rechnet mit 4500 Cirque-Fans an jedem der vier Abende. Der Cirque du Soleil wurde 1984 in Montreal gegründet, die Zirkus-Familie beeindruckt beständig mit riskanten Darbietungen in höchster Perfektion. Monate des Trainings liegen hinter den Künstlern und Artisten, stets aufs Neue werden spannungsgeladene Sequenzen, Dramatik und Akrobatik ausgelotet, das ist der Stoff, aus dem die Träume des Sonnen-Zirkus sind - und das alles ohne Sägespäne und Tiere.

Ein Tänzer auf Krücken setzt zu seinem Solo an, der Cirque du Soleil hat schon längst einstige Außenseiter inkludiert, normal ist hier nichts mehr. Das gibt Mut und ist ein tolles Beispiel für Vielfalt. Es sind die Details, auf die der Cirque du Soleil sein Augenmerk gerichtet hat: Die Tambour-Tänzerin, die ihren spitzen Metallstab geschickt fängt, egal, wie hoch sie ihn auch geworfen hat. Sie und der Krücken-Mann könnten aus dem Marvel-Universum stammen, Ersterer als gehandicapter Held und Rächer, die Lady als säbelschwingende Amazone.

Fünf Falltüren sind in die große, tropfenförmige Bühne integriert. Dadurch können die Künstler in der Show überraschend auftauchen und wieder verschwinden, dazu sind 330 Tanzstangen im Boden verankert, jede ist fast zehn Meter hoch, sie markieren den Zauberwald.

Kerren McKeeman ist eine Trapez-Schönheit. Die 30-jährige US-Amerikanerin besuchte eine Waldorfschule in den USA, übte dort Tanz und Gymnastik und war früh vom Zirkus fasziniert. Die schmale, fast kindliche Person ist mit dem Wagemut eines Freibeuters ausgestattet. Wie sie gleich einer Fahne im Wind über die große Bühne pendelt, erfordert höchste Konzentration und viel Selbstbewusstsein. Mal hält sich Kerren nur mit einer Hand, dann wiederum rutscht sie über die Trapezstange und fängt sich im letzten Moment mit der Kniebeuge ab.

Sicherheit wird konstant großgeschrieben, allerdings wird sich so mancher im Publikum entscheiden müssen, ob er nicht lieber die Augen schließen und auf den nächsten gespielten Witz warten soll. Viele Einlagen sind einfach nur atemberaubend - Zuschauen mit Bauchkribbeln.

Der Pausenclown kämpft jetzt mit den Scheinwerfern. Das hat Jacques-Tati-Qualitäten, der arme Mann rennt nach „Ne me quitte pas“, einem Chanson von Jacques Brel, durch die ganze Halle. Die Besucher kreischen vor Zirkus-Glück. Denn auch bei der leichten Kunst sind Körperbeherrschung und Timing gefragt. So wie beim Schwertschlucker und seiner tollpatschigen Assistentin, die beide zweifellos „betrügen“. Die ukrainischen und russischen Akrobaten betrügen nicht, sie drehen auf der Russenschaukel ihre halsbrecherischen Saltos und Schrauben, Angst scheinen sie nicht zu kennen, während die siebenköpfige Band die Geschichte mit melodisch-seligem Pop weiterspinnt. Besonders Sänger Craig Jennings beeindruckt durch seine kräftige und gefühlvolle Stimme.

Cirque du Soleil, das ist Tempo, Artistik, Choreografie, Schauspiel und Witz für die ganze Familie, oder wie es eine Akrobatin formuliert: „Ein Spielplatz für uns Akteure.“ Dafür gibt es viel Beifall, „Ahs“ und „Ohs“ in der Arena, das Berliner Publikum ist von der alten und seltenen Zirkustradition ebenso schwer begeistert wie von revolutionärer und neuer Akrobatik.

Fazit: Ein toller Auftakt der Europareise, Hannover kann sich auf das „Cirque du Soleil“-Gastspiel Ende Februar 2016 in der Tui-Arena freuen.

VON KAI SCHIERING

Bewertung: 5/5

TERMINE & TICKETS

Der Cirque du Soleil ist mit seinem neuen Programm „Varekai“ ab Mittwoch, 24. Februar, zu Gast in Hannovers Tui-Arena. Die Premiere beginnt um 20 Uhr.

Die weiteren Termine: am Donnerstag, 25., und Freitag, 26. Februar, jeweils um 20 Uhr; am Sonnabend, 27. Februar, um 16 und 20 Uhr; am Sonntag, 28. Februar, um 13 und 17 Uhr.

Tickets kosten zwischen 46,65 und 96,15 Euro; Erhältlich sind sie in den NP-Ticket-Shops sowie unter tickets.neuepresse.de


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