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„WEHLT PINK": Die Kunstfigur Cindy aus Marzahn spricht in der Swiss-Life-Hall aus, was viele ihrer Fans nur zu denken wagen.© Behrens

Comedy

Cindy scherzt in der Swiss-Life-Hall

„Gib mir mal die Tasche mit dem Eis“, verlangt Cindy aus Marzahn vom Eisverkäufer, der es nicht mehr rechtzeitig aus der Halle geschafft hat. Sie ist überraschend früh auf die Bühne der Swiss-Life-Hall gekommen und labert auch gleich los.

Hannover. Schlechte Nachrichten für den Eismann, gute für das Publikum: Jeder hier - und das sind immerhin 2000 Zuschauer - soll sich in der Pause ein Eis holen können. Kostenlos natürlich, „wie wir das dann machen, werden wir sehen“. Die Blonde mit der Kunstblume im Haar hat einen rauen Befehlston am kräftigen Leib. „Was interessiert mich der Scheiß?“, pöbelt sie in brutalstem Brandenburgischen zu spät gekommene Zuschauer an. Die Fotografen kommentiert sie mit: „Ah, die Presse ist da. ,Playboy‘? Ich bin dabei durchzudrehen!“

Cindy, eigentlich Ilka Bessin und 44 Jahre alt, ist harsch und frech, seit 16 Jahren, und das rundum. Ob Security oder Zuschauer, Ossi oder Wessi, zimperlich darf man bei ihr nicht sein: „Der junge Mann in dem T-Shirt. Du hast Glück, wenn das mal modern wird.“ Ein Brüller.

Furz-Witze lassen die Frauen krähen, Nationalitäten werden stereotypisch gedisst, sie kritisiert das Gesundheitssystem und andere Ungerechtigkeiten: „Haben die Reichen eigentlich andere Krankheiten?“ Cindy steht für ein Lebensgefühl, ist das „Fat Sheep of the Family“: Große Klappe geht vor Freundlichkeit, Appetit vor Bluthochdruck. Die pinke Überdosis auf der Bühne wird zwar bald anstrengend für die Augen, doch Cindy gibt ihren Schwestern im Geiste Selbstbewusstsein und Mut. Viele Frauen im Publikum tragen rosa Kleidchen, haben blinkende Krönchen auf, zeigen so auch optisch ihre Verbundenheit mit der Botschafterin aus Marzahn und freuen sich über so viel Ehrlichkeit.

Die gegen den Bühnenassistenten gerichteten Beleidigungen werden fieser. „Hinter-dem-Vorhang“ heißt der Arme und ist „soo blöd“. Jetzt geht sie auf Veganer los: „Fleischersatz? Es gibt keinen Fleischersatz!“ Und für die Familie aus dem Osten, die in der Pause das versprochene Eis nicht bekommen hat, muss „Helferlein“ jetzt Stullen schmieren. Mit harter Wurst.

Ihr neues Programm, „Ick kann ooch anders!!!“ hat nicht umsonst drei Ausrufezeichen, da fallen schon mal Späne: „Günni“ aus dem Publikum bekommt (als Entschädigung für einen derben Witz über ihn) einen „Jogginganzug“ geschenkt, und mit einem gefühlsduseligen Schlusssong („Ob schwarz, ob weiß“) beendet Cindy eine Show voller vorhersehbarer Witze und Klischees. Dennoch viel Beifall von den Fans.

Bewertung 3/5

VON KAI SCHIERING


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