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Zum Todesfall

Cicero: "Im Hier und Jetzt leben"

Roger Cicero ist tot. Vor fast genau zwei Jahren sprach er mit der NP über die Endlichkeit des Lebens - lesen Sie hier das berührende Gespräch nach.

Wem machen Sie Mut mit diesem Album: sich selbst oder dem Hörer?

Ich glaube nicht, dass das eine das andere ausschließt. Aber die Haltung, die ich mit jedem Titel einnehme, ist natürlich meine. Wenn das allerdings eine Schnittmenge widerspiegelt, freut mich das.

Verarbeiten Sie Dinge, die Ihnen passiert sind, durch Musik, oder steht die Musik am Ende eines Prozesses?

Bei diesem Album war es schon sehr intensiv so, dass ich die Texte und die Geschichten und die Emotionen zwischen den Zeilen in den Mittelpunkt gestellt habe und die Musik dann drum herum gewebt habe. Ich empfinde auch alles als sehr, sehr homogen. Die meisten Themen kann man nicht mit Pauken und Trompeten darstellen.

Die Musik ist zurückhaltend.

Bei diesem Album hatte ich das erste Mal einen längeren Zeitraum zur Verfügung. Darum konnten wir jeden Song auch sehr individuell behandeln. Es gab keine große Marschrichtung wie bisher, wo der größte Teil mit der großen Besetzung umgesetzt wurde. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Erst wenn der Song stand und seine Atmosphäre klar war, haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie genau wir das instrumentieren.

Es gibt auf dem Album die schöne Zeile „Ich schmeiße mich dem Leben wieder an die Brust“. Funktioniert das?

Natürlich nicht immer, sonst wäre es ja leicht. Aber ich probiere es jeden Tag – in der Tat getreu dem Motto „Wenn es morgen schon zu Ende wäre“. Ab und zu muss man sich solche radikalen Gedanken machen und versuchen, im Hier und Jetzt zu leben, so gut es geht.

Kommt so ein Lied aus dem Gefühl der eigenen Vergänglichkeit?

Das ist natürlich ein tragender Gedanke. In meinem Fall wurde es ausgelöst durch ein Telefonat mit einem sehr, sehr guten Freund, den ich, ohne davon etwas zu ahnen, im Krankenhaus erwischt habe und der eine lebensbedrohliche Operation vor sich hatte. Das kam aus dem Nichts. Da war ich sehr erschrocken.

Hat das Gefühl der Endlichkeit auch etwas mit Ihrem Kind zu tun, mit der Sorge, manche Dinge nicht zu erleben?

Die Geburt meines Sohnes und das Vater-Dasein haben natürlich sehr viele Emotionen verstärkt oder überhaupt erst hervorgebracht. Da bildet sich ein gänzlich neuer Horizont. Es hat mich selber überrascht, wie tiefgreifend das ist.

Bernd Begemann hat mal gesagt: „Plötzlich wird es eine Welt voller Gefahren.“ Empfinden Sie das auch so?

Ich habe mit meinem Jungen natürlich auch schon viele Momente damit verbracht, hinter ihm herzurennen und „Stopp!“ zu schreien. Der Beschützerinstinkt ist schon sehr überwältigend.

Berührend ist das Lied „Frag nicht wohin“, das einen Vater schildert, der am Bett seines Kindes steht und gehen muss. Ist das das Schlimmste am Dasein als Trennungsvater?

Es ist mit das Schlimmste: diese Zerrissenheit, etwas tun zu müssen, was man überhaupt nicht erklären kann und was für ein Kind auch nicht relativierbar ist. Und auch die Ungewissheit darüber, was für Folgen das für das Kind hat.

Sie sind jetzt 43. Wo sehen Sie sich: mitten im Leben oder in der zweiten Hälfte?

Ich sehe mich mitten im Leben. Ich versuche immer noch, mich auf den Augenblick einzulassen. Das klappt. Mal so, mal so.

Zumal es mit „So sieht man sich wieder“ auch ein Lied über Patchwork-Modelle gibt, das andeutet, dass es weitergeht. Warum tut man sich die Liebe immer wieder an?

Ich glaube, ohne gehts einfach nicht. Das ist natürlich ein sehr philosophisches Thema. Aber man ist natürlich nur ein Teil von zweien. Man fühlt sich alleine nicht vollkommen oder nicht vollständig. Vielleicht ist es uns gottgegeben (lacht). gol


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