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Kultur Christian Tetzlaff bei den Kunstfestspielen
Nachrichten Kultur Christian Tetzlaff bei den Kunstfestspielen
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00:25 28.05.2018
vOLLES BRETT: Christian Tetzlaff spielt. Quelle: Foto: Krückeberg
Hannover

So kann man mit der Geige rocken: Eine halbe Stunde Druck, Druck, Hochdruck – Christian Tetzlaff wagte sich bei den Kunstfestspielen zu späterer Stunde an Béla Bartók Sonate für Violine solo.

Das hochkomplexe Werk bewältigte der deutsche Geiger mit Verve, überlegener Bogentechnik und Saitenarbeit, bis die Rosshaare vom Bogen flogen und dem Geiger der Schweiß auf die Stirn trat. Beim abschließenden Presto rückte man schon nach vorne an die Stuhlkante, bravourös, wie die unterschiedlichen Klangfarben aufgefächert wurden.

Bártók als Klassiker, so legte Tetzlaff das für die Entstehungszeit um 1944 radikale Werk an, verortete es im mittleren, wirkungsstarken Schaffen des Ungarn. Das Publikum in der restlos ausverkauften Galerie war begeistern, stehende Ovationen und ein stilsicher geschmachteter Solo-Bach als Zugabe, das passte ins Ambiente der Galerie.

Tetzlaff präsentierte sich im ersten Teil des langen Abends auch als versierter Kammermusiker mit dem nach ihm benannten Quartett. Und Beethoven, seinem Quartett op. 130 mit der abschließenden Großen Fuge: Es war ein Beethoven der Mitte, durchsichtig und ohne übertriebenes Bekenntnis – also kein Quartetto-Italiano- oder Amadeus-Stil. Die strukturelle Zeichnung stimmte, die Dynamikkontraste wurden reichlich ausgespielt. Das Ganze wurde spieltechnisch auf höchstem Niveau realisiert, die einzelnen Stimmen waren vorbildlich hörbar – aber irgendwie ... .

Markanter war das den Abend eröffnende Streichquartett von Schostakowitsch, dem der neutral-transparente Ansatz besser bekam, denn das Spätwerk des Russen liefert Ausdruck genug.

Die Kunstfestspiele werden immer mehr zum Publikumsrenner, wie auch der Verkauf dieses Konzertes zeigte – mittlerweile müssen sogar Wartelisten angelegt werden.

Von Henning Queren

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