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DER DARF DAS: Chris Tall nimmt sich auch selbst auf den Arm.Foto: © Moritz Heine

Theater

Chris Tall geht im Theater am Aegi über Wasser

Das Intro ist so fett wie ich!“ Die Stimme brüllt aus dem Off ins Dunkle hinein und schont weder sich noch seine Bewunderer: „Da oben sitzen die Menschen, die nicht so viel Geld haben.“ Das genügt, die Fans lärmen. Chris Tall ist schlagfertig und frech.

Hannover. Und angeschlagen. Mit Halsschmerzen kämpft er sich durch sein Programm. Das ist kein Wunder, er schreit und grunzt, quietscht und grölt. Das ist hart, da braucht er Wasser. Und wenn er es verschüttet, egal, er kann übers Wasser gehen, der „Jesus Chris-Tall“.

Der Hamburger Christopher Nast ist der deutsche Stand-up-Comedian der Stunde. In der Szene polarisiert er extrem, aber nicht heute Abend im Theater am Aegi: „Wie heißt du? Patrick? Das war klar.“ Das Keine-Witze-mit-Namen-Gebot zählt bei ihm nicht. Ob Mirko, Bendix oder Kim - wehe, ein Besucher verrät sich. Das bleibt den ganzen Abend über hängen.

Die Fans im ausverkauften Theater am Aegi kreischen und glucksen. Chris geht hart mit sich als Übergewichtigem ins Gericht: „Mein Profil ist zum Kotzen.“ Seine Lieblingsapp ist „Pizza.de“. Und wer so über sich spottet, der darf auch austeilen. Natürlich über die „Zuspätkommer“, die sich linkisch durch die Reihen drücken, aber auch über „Schwarze, Schwule und Behinderte“. Kurz und hart: „Und jetzt sagt der Rollstuhlfahrer, mir reichts, ich gehe.“ Und dann erklärt er auch, warum er das sagt: „Würde man über sie keine Witze machen, dann wäre das Ausgrenzung!“

Dann legt er über sich und seine Eltern nach: „Fett und keinen Bart, ich sehe aus wie meine Mutter.“ Und er lästert über Braunschweiger. Das geht immer in Hannover. Seine Mario-Barth-Imitation ist intensiv und ausgiebig, eine anstrengende Angelegenheit für den Gewinner des „RTL-Comedy-Grand-Prix“. Tall hat das Herz am rechten Fleck. Er will den Begriff „Minderheiten durch Menschen“ ersetzen. Seine Stimme wird weich, das meint er wirklich ernst.

Als Spontan-Gast stellt Chris den Kollegen Kevin vor. Auch wenn die Zuschauer überrascht sind, gibt es Beifall. Eine Besucherin aus Tunesien darf für ein Foto auf die Bühne, sie weint vor Freude. „Ich bin ja viel auf Tour, aber heute ist richtig geil“, lobt Chris. Vor allem die Damen mögen ihn. Er ist halt nicht perfekt, also „darf er das“.

Bewertuntg: 4/5

Zusatztermin: 4. November 2017 in der Swiss-Life-Hall.

VON KAI SCHIERING


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