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GLÜCKLICH AUF TOUR: Chefket tritt am Mittwoch in der Faust auf.© GEORG ROSKE

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Interview

Chefket: „Ja, ich bin erfolgreich integriert“

Früher tourte er mit Künstlern wie Marteria und Culcha Candela. Jetzt, mit dem Album „Nachtmensch“ und der Single „Rap & Soul“, ist Sevket Dirican (33) alias Chefket solo unterwegs. Die NP sprach mit dem schwäbischen Deutschtürken und Wahlberliner über das Leben zwischen den Stühlen.

Hannover. Die Single geht durch die Decke, bald 500 000 Klicks bei Youtube, die Tour läuft auch gut. Es funktioniert gerade bei Ihnen, oder?

Ich kriege vieles nur am Rande mit, weil der Fokus gerade auf den Live-Terminen liegt, aber, ja, es läuft gut. Es ist meine erste eigene Tour, wo ich erstmals Chefket-Fans kennenlerne, die meine Texte kennen und so. Auch wenn die Clubs klein sind, war es vorher nicht abzusehen, dass die jetzt fast alle ausverkauft sind.

Ich spreche also wirklich mit dem „glücklichsten Rapper der Welt“, wie Sie sich auf Ihrem Album nennen.

Ich kenne jedenfalls keinen anderen, der das von sich behauptet (lacht). Aber ich bin schon sehr glücklich, wie alles gerade läuft.

Sie kommen ursprünglich aus dem Battlerap ...

Ich komme aus Heidenheim!

Und spreche hochdeutsch!

Ja, ich bin erfolgreich integriert. Das Witzige ist ja, dass meine Eltern auch Schwäbisch reden. Nee: Battlerap ist halt die erste Stufe für einen MC, die Möglichkeit, aufzutreten und sich einen Namen zu machen. Aber das liegt schon sehr weit zurück.

In einem Porträt des „Tagesspiegel“ über Sie heißt es, dort hätten Sie gelernt, dass jeder Satz zählt. Stimmt das?

Ja, natürlich. Man lernt dort die Verdichtung des Textes. Aber man kann sich dort, beim Improvisieren, auch Phrasen oder Wiederholungen erlauben, die ich mir auf einem Albumsong nicht mehr leisten wollen würde.

Auf „Nachtmensch“ fällt Ihre Breite des Ausdrucks auf, was sehr selten geworden ist im deutschen HipHop.

Was traurig ist: Die Sachen gibt es. Aber populärer sind die aggressiveren Dinge. Die sind okay, aber die ganze Bandbreite des Genres ist halt nicht bekannt, so dass jemand wie ich stark auffällt, als eine Art Gegenmodell, was es nicht ist. Ich habe das Privileg, positiven Rap zu machen, weil ich auch einen anderen Hintergrund habe, vielleicht auch mehr Glück hatte als andere, eine gewisse Bildung genießen durfte.

Stimmt es, dass „Die da“ von den Fantastischen Vier der erste Raptrack war, den Sie gehört haben?

Ja, als Kind in Heidenheim auf einer Kassette. Ich war geflasht, von der Geschichte, die da erzählt wurde, dachte nur „Wow!“, als aufgelöst wurde, wieso diese Frau freitags nicht kann, und überlegte, was wohl in den amerikanischen Texten erzählt wird.

Fanta Vier waren die Gymnasiasten aus dem Wohlstandviertel, zwischendurch wurde gerne mal auf Ghetto gemacht. Wo steht der deutsche HipHop heute?

Die Fantas wurden deshalb angefeindet, weil sie nie auf irgendwelchen HipHop-Jams stattgefunden hatten und plötzlich so einen Hype bekamen. Da waren Advanced Chemistry mit ihren politischen Themen cooler. Heute geht alles. Man kann gleichzeitig einen Haftbefehl, einen Marteria und mich hören. Da wird auch gegenseitig Respekt gezollt. Eine Konkurrenz ist da, aber nicht so verkrampft, und dadurch werden auch die Hörer offener.

Trotzdem fällt jemand wie Sie auf, der mit Musikstilen spielt, der zwischen Rap und Gesang wechselt. In „Rap & Soul“ heißt es: „Ich bin Rap, ich bin Soul, ich bin Jazz, Rock‘n‘Roll“. Leben Sie zwischen den Stühlen?

Ich weiß nicht, was das bedeutet, höre es aber immer wieder, auch in dem Kontext mit zwischen Türkisch und Deutsch. Das erlebe und lebe ich aber nicht so, weil es mir selbstverständlich geworden ist. Und so geht es mir auch mir Rap und Soul. Leute sagen, ich soll mich entscheiden. Aber wozu? Es ist doch viel cooler, das Beste aus beiden zu nehmen.

Auf das Album bezeichnen Sie sich als „Nachtmensch“. Die Nacht ist eine Zeit des Übergangs ...

Ich mag die Ruhe, den Mond, die Sterne. Ich habe nachts viele Songs geschrieben und tagsüber dazu getanzt. Gerade die Dämmerung ist eine magische Zeit. Das finde ich schön.

Chefket live: Mittwoch, 11. November, ab 20 Uhr in der Faust-60er-Jahre-Halle. Eintritt: 21 Euro.

GLÜCKLICH AUF TOUR: Chefket tritt am Mittwoch in der Faust auf.


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