Navigation:

PARTY-MACHER: Yves Hinrichs inszeniert im Ballhof „Busfahrt mit Kuhn“. Dazu gehört auch, den jugendlichen Akteuren betrunkenes Tanzen beizubringen.© Florian Petrow

|
Theater

"Busfahrt mit Kuhn" läuft ab Freitag beim Jungen Schauspiel

Auf Kommando die Schnapsdrosseln zu geben, auch noch so zu tanzen und das alles synchron - das gehört nicht zu den einfachsten Übungen.

Hannover. „Was wir brauchen, ist eine besoffene Michael-Jackson-Adaption“, ruft Yves Hinrichs durch den Ballhof. „Billy Jean“ dröhnt aus den Boxen, zehn Jugendliche bewegen sich vor Hinrichs’ Augen nach einer Choreografie, die sichtlich nicht die endgültige ist - zehn junge Menschen von 17 aus der Region, die das diesjährige Jugendtheaterprojekt „Busfahrt mit Kuhn“ auf die Bühne bringen werden, einen „Punk-Road-Trip“ nach dem Roman von Tamara Bach.

Vier Schüler, Rike, Sissi, Lex und Noah, das Abitur gerade frisch in der Tasche, zieht es darin zu einem Rockfestival; unterwegs sind sie mit einem Bus, den sie sich von Rikes Bruder gemopst haben. Es wird eine Irrfahrt, auch der Gefühle. „Meine Dramaturgin Janny Fuchs und ich haben nach einem Stück gesucht, das lebendig ist und Höhen und Tiefen bietet“, sagt Hinrichs, Jahrgang 1976, der als Gastregisseur in Hannover arbeitet. Er ist so etwas wie ein Spezialist für anspruchsvolles Theater von, mit und für Jugendliche. Mehrfach war er mit seinen Produktionen zum Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen, eine der höchsten Ehrungen für Theatermacher.

Oft arbeitet er chorisch: Mehrere jugendliche Spieler spielen dann eine und dieselbe Person. Das negiert Texthänger und Spielschwächen, erfordert aber Diszi-plin. Beim Probenbesuch der NP wird eine Party-Szene einstudiert. Ein Mädchen erzählt von seinem „Knutschfreund“: Mit dem ist es nichts Ernstes, man küsst sich halt, wenn sich niemand anderes findet, er trinkt halt zu viel - ein herrlich schnodderiger Text. Prompt stolpert der junge Mann hinein und beginnt zu tanzen.

Und während diese Szene entsteht, verkörpern immer mehr Jugendlichen die einzelnen Figuren, fünf sind es schließlich jeweils pro Rolle, und Hinrichs dirigiert sie: „Je mehr ihr aufeinander hockt, desto mehr ist Chaos.“ Er eilt nach vorne, torkelt wie aus dem Lehrbuch. Präsenz ist schon reichlich da bei der Truppe. Jetzt braucht es noch ein bisschen Ordnung.

„Stellt euch das vor: Das ist doch frustrierend“, redet der Regisseur eindringlich auf die jungen Frauen ein: „eine Party, auf der man ein wenig knutscht - und dann ist der Typ total besoffen.“ Das wirkt; es scheint, als hole Hinrichs seine jungen Schauspieler in ihren Erlebniswelten ab.

14 bis 21 Jahre alt sind die Jugendlichen. Im April haben Hinrichs und Fuchs die acht jungen Frauen und neun jungen Männer gecastet. Sie suchten nach einer bestimmten Energie bei den jungen Schauspielern. Und weil es in dem Stück auch viel Musik gibt, sollten die Jugendlichen möglichst auch Instrumente spielen können. Seitdem wird regelmäßig geprobt. Die Hälfte der Sommerferien der Schüler ging auch für die Proben mit drauf.

Noch gab es keinen Tag, an dem alle da waren; so ist das bei Jugendlichen. Hinrichs lächelt. „Ich weiß, das klingt abgedroschen“, sagt er, „aber ich mag diese Unverbrauchtheit, diese jugendliche Frische, wenn Leute für jeden Blödsinn zu haben sind.“ Und Hinrichs erweckt den Eindruck, als wolle er nirgendwo anders sein.

Die Uraufführung von „Busfahrt mit Kuhn“ ist heute (18. September 2015) ab 19.30 Uhr im Ballhof. Es gibt noch Karten.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie