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IM AEGI:Matthias Brodowy seziert eine „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“.Foto: Ditfurth

IM AEGI:
Matthias Brodowy seziert eine „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“.
Foto: Ditfurth© Philipp von Ditfurth

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Hannover

Brodowy begeistert im Aegi-Theater

Es ist sein neuntes, vielleicht bestes Programm: Der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy feierte mit "Gesellschaft mit beschränkter Haltung" Premiere.

Hannover. Tief durchatmen, Blick in die Ferne, Gedanken sammeln, Rücken gerade - eigentlich ist es ganz einfach, Haltung einzunehmen. Matthias Brodowy holt Luft im ausverkauften Theater am Aegi für sein neues, neuntes Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“. Und dann legt er los.

Und wie er loslegt: Das mit der beschränkten Haltung sind natürlich die, die nicht da sind. Alle Anwesenden hätten schließlich Haltung gezeigt und Kabarett-Karten gekauft. „Die Hölle, das sind die Anderen“, habe schließlich schon Jean-Paul-Sartre gesagt. Der hannoversche Kabarettist und Komiker fügt hinzu: „Willkommen im Himmel!“

Ein himmlisches Vergnügen: Brodowy, der lieber Vertreter für gehobenen Blödsinn genannt werden will als Kabarettist, zürnt gegen die Spalter dieser Gesellschaft, die Angstmacher und Hassprediger des rechten Spektrums, erzählt Witze und liest leise Texte über das Dasein als Handlungsreisender in Sachen Humor. Darin erzählt er einen Traum, von Angela Merkel, die eine Rede in einer Burka hält - und kaum zu erkennen ist: „Man sieht die Raute nicht.“ Immerhin: „Besser als ein Sigmar Gabriel im Bikini“. Ernst und eindringlich wird er zum Schluss: „Dieses Wirtschaftssystem tötet Menschen“, zitiert der gläubige Katholik den Papst und fügt hinzu: „Der Hunger ist der größte Terrorist.“ Brodowy kann das: Quatsch und klare Kante, Alltagsbeobachtungen und das große Ganze.

Und zwischendurch immer wieder Musik. Brodowy hat Gitarre gelernt und spielt einen „Bangladesch-Blusen-Blues“ - für 80 Cent günstig in der Dritten Welt geschossen. Eine feine eigene Band um Wolfgang Stute begleitet ihn dazu. Als Zugabe natürlich die Hannover-Liebeserklärung „Stadt mit Keks“, diesmal als Gitarrenversion: „Liebe auf den dritten Blick und dafür umso mehr ...“

Es ist ein kleines Wunder, dass und wie sich Tief- und Unsinn, all diese Farben und Tonlagen zu einem ausgesprochen runden Abend fügen. Wobei: Vielleicht ist es gar kein Wunder, sondern ganz einfach. Man muss nur Haltung bewahren.


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