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FAN DER OPER: Klaus Maria Brandauer kommt mit dem Pianisten Sebastian Knauer zu einem Gastspiel in die Staatsoper – mit Werken von Schubert und Goethe.

FAN DER OPER: Klaus Maria Brandauer kommt mit dem Pianisten Sebastian Knauer zu einem Gastspiel in die Staatsoper – mit Werken von Schubert und Goethe.© Patrick Pleul

Interview

Brandauer ist mit Musik-"Faust"-Programm in der Oper

Wie viel Macht hat der Teufel über den Menschen? In „Faust - ein gefesselter Prometheus?!“ will Weltstar Klaus Maria Brandauer am 3. Oktober das mit dem Pianisten Sebastian Knauer erkunden. Die Musik reicht dabei von Bach bis Schubert, in Texten gehts von Goethe bis Hans Magnus Enzensberger.

Herr Brandauer, ist das Wort allein nicht genug, dass es zur Verstärkung noch der Musik bedarf?

Man könnte genauso gut fragen, ob die Musik eine Erklärung oder Interpretation durch Worte braucht - beides ist nicht richtig! Musik und Worte gehen eine Verbindung ein, übrigens auch beim einfachen Sprechen: Jeder gesprochene Satz hat eine eigene Melodie, die einen großen Einfluss auf das Verständnis hat, ob einem das bewusst ist oder nicht. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, hat Niet-zsche gesagt - und das gilt auch in diesem umfassenden Sinn.

Doch raubt die Musik nicht dem Wort seine Wirkmacht?

Nein, sie verstärkt sie - ja, beide verstärken sich gegenseitig, im besten aller Fälle. Das sollte der Anspruch sein: Wir machen ja Kunst, und da ist das Ergebnis größer als die Summe seiner Teile. Wenn dem nicht so ist, hat es nicht funktioniert, das ist dann schlecht.

Sie selbst haben festgestellt, die Zeit sei einfach zu knapp, um sich mit Mittelmäßigem auseinanderzusetzen - demnach ist Ihr geplantes „Faust“-Projekt mit Sebastian Knauer also etwas Besonderes …

Das ist schon länger meine Maxime, und ich bin ganz gut damit gefahren. Ich nehme jeden Auftritt und jede Rolle sehr ernst, es gibt dann nichts Wichtigeres in der Vergangenheit oder Zukunft, nur den aktuellen Moment. Und ich brauche dafür Partner, die genauso an die Sache herangehen: Wenn das zusammenpasst, bin ich glücklich, und dann arbeitet man immer wieder zusammen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste nachhaltige Begegnung mit der Klassik?

Als ich ein Junge von zehn oder elf Jahren war, sind meine Eltern mit mir jeden Sommer nach Italien gefahren, mit unserem Volkswagen - so war das damals. Einmal haben wir in Verona Station gemacht: In der Arena lief Puccinis „Tosca“, Franco Corelli war der Cavaradossi, wir saßen ziemlich weit oben, weit entfernt von der Bühne, doch ich war von Anfang an wie gebannt. So etwas hatte ich noch nie erlebt, und ich dachte nur: Das will ich auch!

Und welchem Musikgenre gilt heute Ihre Leidenschaft?

Ich habe da keine wirklichen Präferenzen - ich höre eigentlich alles, gut muss es halt sein. Nur ein paar Bereiche betrete ich nicht so gern, deutscher Schlager gehört dazu, und Hard Rock, aber ansonsten kann ich mich für fast alles begeistern. Für mich muss sich durch die Musik etwas übertragen, eine Leidenschaft spürbar sein, ein „sich ausdrücken wollen“: Dann bin ich sofort dabei. Ich muss gar nicht alles im Detail verstehen, nur spüren, das genügt. Und die schönste Musik ist eh das Trommeln des Regens auf der Fensterbank an einem stillen Herbstnachmittag bei mir zu Hause in der Steiermark.

Nun proben Sie den Brückenschlag zur Musik auf der Bühne schon seit 35 Jahren - was reizt Sie an dieser Kombination?

Ich bin sehr gern dabei, wenn Musik im Spiel ist. Bei mir müssen die Schauspieler singen und die Musiker sprechen, dann kommen wir zum Gesamtkunstwerk, wo wir alle hin wollen. Mir bereitet das ungeheure Freude, wenn das alles zusammenkommt, und auf diese Weise sind in den letzten Jahren viele schöne Projekte entstanden.

So wie vor einigen Monaten die Uraufführung der Oper „Morgen und Abend“ von Georg Friedrich Haas am Royal Opera House, wo Sie in einer eher kleineren Rolle mitgewirkt haben - hat zeitgenössische Musik für Sie solch eine Faszination, dass Sie als gefeierter Schauspieler dafür in die dritte Reihe zurücktreten?

Einmal kommt es nicht auf die Größe einer Rolle an, sondern auf den Inhalt, und der war bei dem Fosse-Stück, welches als Libretto dient, absolut gegeben. Mich hat der Text gleich beim ersten Lesen fasziniert. Und so klein war der Part gar nicht, ich war eine Dreiviertelstunde allein auf der Bühne, im Graben der Riesenorchesterapparat - das ist schon eine besondere Erfahrung, dem standhalten zu müssen. Und da es eine Uraufführung war, wusste niemand vorher, wie es wird: Da gehören schon Neugierde und Risikobereitschaft dazu.

Am Ende ist es ein Erfolg geworden - wie wichtig ist für Sie auf der Bühne dieses Erfolgserlebnis?

Ich mache das alles, um Erfolg zu haben - so viel Ehrlichkeit muss schon sein. Und wenn einer von sich das Gegenteil behauptet, dann glaube ich ihm einfach nicht. Ich möchte vorkommen, bemerkbar sein: Das ist eine Grundvoraussetzung für jeden, der auf einer Bühne steht. Schließlich bekommt man ja vom Publikum etwas sehr Kostbares anvertraut: Lebenszeit. Damit muss schon etwas anfangen wollen. Und im Übrigen gilt immer das wichtigste Gebot im Theater: Du sollst nicht langweilen!

Zweifellos - nur ist das ja auch in der Oper nicht immer der Fall … Was fasziniert Sie denn an diesem Genre?

Ich liebe die Oper über alles - nicht nur, weil ich die ersten prägenden Erfahrungen mit ihr gemacht habe, sondern weil sie unter den Bühnenkünsten noch mal eine besondere Stellung innehat. Die Entwicklung der Oper von ihren Anfängen bis heute markiert einen Gipfel unserer europäischen Kultur: Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Ich sehe nichts, was darüber hinauswachsen würde.

 Am 3. Oktober ab 19.30 Uhr in der Staatsoper, Karten (22,50 bis 58 Euro) unter 0511/99991111.

VON CHRISTOPH FORSTHOFF

NPVISITENKARTE

Geboren am 22. Juni 1943 in Bad Aussee in der Steiermark. Eigentlich Klaus Georg Steng. Wählte den Namen seiner Mutter Maria Brandauer als Künstlernamen. Die Weltkarriere begann er am Wiener Burgtheater. Den internationalen Durchbruch schaffte er 1981 mit dem Film „Mephisto“ von Istvan Szabo. 1983 spielte er den Bond-Bösewicht Maximilian Largo an der Seite von Sean Connery in „Sag niemals nie“. Für die Rolle des Barons Blixen in „Jenseits von Afrika“ erhielt er 1985 eine Oscar-Nominierung, 2014 den Nestroy-Theaterpreis für sein Lebenswerk.


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