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NETTES PAAR: Christoph Waltz als Bond-Bösewicht Oberhauser mit Léa Seydoux als Madeleine Swann im neuen „Spectre“.© Sony

NPInterview

Bond-Bösewicht Christoph Waltz über Spectre und neue Feinde

Christoph Waltz (59), zweifacher Oscar-Preisträger mit deutschem und österreichischem Pass, reiht sich als Bond-Bösewicht in eine illustre Reihe namhafter Kollegen ein. Ein Interview über Feindbilder, Bond und tolle Drehorte.

Herr Waltz, wie sind Sie zum ersten Mal mit Bond in Berührung gekommen?

Durch das Auto. 1962 gab es mich zwar schon, aber noch als Autospielenden. In solche Filme hat man mich nicht gelassen. In den 1970ern hat das Alter dann gepasst. Als Kind hatte ich diesen DB 5, bei dem auf Knopfdruck der Fahrer herausflog. Und hinten hat er Raketen rausgeschossen. Außerdem konnte man einen Schutzschild hochfahren. Er war groß und teuer, ein besonderes Geschenk.

Wären Sie als junger Mann gern James Bond gewesen?

Nein. Mir war der Unterschied immer sehr klar.

Ist es ein Ritterschlag, den Bösewicht in einem Bond-Film spielen zu dürfen?

Das weiß ich nicht. Bei uns wird man ja nicht mehr zum Ritter geschlagen. Ich bin doch nur der Schauspieler, ich mache das, was im Drehbuch steht.

Mit wie viel Ehrfurcht nähert man sich einem 007-Projekt?

Hoffentlich mit wenig. Ich denke mir immer: „Mit wie viel Ehrfurcht muss ein Dirigent Wagner begegnen? Und was macht er dann damit?“ Er muss es ja irgendwie so zum Klingen bringen, dass der Zuhörer Einblick in diese Welt gewinnt. Ich will auch nur helfen, die Geschichte zu erzählen. Mit Ehrfurcht kann ich nicht wirklich operieren. Ehrfurcht mache ich dann zu Hause. Aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich vor den Bond-Bösewichtern Ehrfurcht habe. Respekt und Bewunderung, ja. Wenn wir von den Bond-Bösewichtern sprechen, dann sprechen wir ja immer auch über bestimmte historische Bezüge. Und das ist etwas, was mir nicht hilft, meine Rolle zu spielen. Ich glaube eher, dass eine gewisse Ehrfurchtslosigkeit gegenüber den Vorgängern nicht verkehrt ist.

Sagt man sofort zu, wenn man ein solches Angebot bekommt?

Nein, so ist es nicht. Es ist zwar ein wunderbares und herzliches und persönliches Verhältnis, das man zu diesem Familienunternehmen, das es ja ist, aufbaut. Aber es ist keine kalkulierte Entscheidung, die an einen herangetragen wird. Es ist ein langes Gespräch. Ich bin seit fünf Jahren in Kontakt. Erst ist es unkonkret. Dann konkretisiert es sich, der Regisseur kommt hinzu, und es gibt eine Geschichte.

Konnten Sie die Rolle mitgestalten?

Nein, nicht wirklich. Man redet schon miteinander und nicht nur aneinander vorbei. Aber ich sehe das auch nicht als meine Aufgabe. Da war ein Stab von guten Schreibern am Werk. Ein paar davon sind richtige Kaliber. Da halte ich lieber den Mund und höre gut zu. Vielleicht kann ich etwas lernen.

Warum sind böse Figuren reizvoller für einen Schauspieler?

Sie sind nicht per se reizvoller. Sie können reizvoller sein.

Die meisten Schauspieler sagen, dass sie Bösewichter bevorzugen. Sehen Sie das nicht so?

Doch. Aber das hängt damit zusammen, dass die Bösewichter meistens die interessantere Rolle sind, die Beweglicheren, die Aktiveren. Das ist ihre dramatische Funktion. Sie müssen die Widerstände erst schaffen, die der Held überwinden muss.

Haben solche Rollen eine therapeutische Wirkung?

Das Therapeutische lässt sich nicht verhindern, wenn man seine Sensorik so ein bisschen darauf ausgerichtet hat. Wie Fritz Teufel damals so schön gesagt hat: „Wenn’s der Wahrheitsfindung dient, warum nicht?“

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat „Spectre“ den typischen Humor der älteren Bond-Filme. Sehen Sie das ähnlich?

Genauso. Die Ironie, eine der schönsten britischen Eigenschaften, kommt da wieder zum Schwingen. Es ist nicht so, dass sie ganz gefehlt hat. Es war nur schwieriger, diese Schwingungen aufzunehmen. Jetzt ist es wieder vergnüglicher. Der Film ist ein bisschen altmodischer, was ja ein Teil des Vergnügens ist, James Bond zu sehen. Wenn das plötzlich ins Hintertreffen gerät, vermissen wir das.

Früher war Russland der Feind, heute sind es das Internet und die Informationswolke. Der Feind sitzt eventuell in unserem Büro. Fühlen Sie sich manchmal beobachtet?

Eventuell? Unter Garantie sitzt der in Ihrem Büro! Das ist ja das Besorgniserregende: Es sind nicht länger Eventualitäten. Es sind unvermeidbare und irreversible Tatsachen. Es ist einer der Gründe, warum James Bond als Geschichte und als Held so lange überleben konnte, dass die Problematik doch immer eine aktuelle ist. In den 1960er Jahren war es die Bedrohung durch Atomkrieg. Der Kalte Krieg, der Eiserne Vorhang. Und jetzt ist es die Cloud. Keiner weiß gar nichts, wie bei der Großwetterlage.

Welcher Drehort hat Ihnen am besten gefallen?

Jeder hat seine Besonderheiten. Es hängt von der Perspektive ab. Mir persönlich hat das Anthropologische Museum in Mexico City am besten gefallen. Aber das hat mit unserem Film überhaupt nichts zu tun. Was den Verlauf der Geschichte betrifft, ist das, was mir besonders gefallen hat, im Studio in Pinewood entstanden.

Würden Sie als Bond-Bösewicht weitermachen?

Ich kann mir ebenso gut vorstellen weiterzumachen wie nicht weiterzumachen. Das ist im Moment überhaupt nicht die Frage. Es ist noch ziemlich viel mit diesem Film zu tun. Erst wenn das eine runde Sache geworden ist, wird man anfangen, über den nächsten Film nachzudenken. Ich könnte mir vorstellen, dass dann viel wichtigere Personalfragen zu klären sind.

André Wesche

NPVISITENKARTE - Christoph Waltz

Geboren am 4. Oktober 1956 in Wien. Er lebt heute in Los Angeles. Seine Weltkarriere startete er im Fernsehen. Er spielte den Beamten Dorfmann an der Seite von Ian Richardson in „Der große Reibach“. 1996 wurde er für „Du bist nicht allein – die Roy-Black-Story“ ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch kam durch den Quentin-Tarantino-Streifen?„Inglourious Basterds“, in dem er den SS-Standartenführer Hans Landa spielte und dafür 2010 den Oscar bekam. Der zweite folgte 2013 für seine Rolle in „Django Unchained“ (ebenfalls von Tarantino).


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