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FRÜCHTE DES ZORNS: Stephan Weidner nennt sich und seine neue Band schlicht "Der W". Am 21. April wird das Capitol gerockt.

FRÜCHTE DES ZORNS: Stephan Weidner nennt sich und seine neue Band schlicht "Der W". Am 21. April wird das Capitol gerockt.© kristoffer finn

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Rock

Böhser Onkel Weidner kommt nach Hannover

Der Bassist der umstrittenen Kultband Böhse Onkelz kommt mit seiner neuen Band unter dem Pseudonym "Der W" ins Capitol. Und schlägt außer den gewohnten zornigen auch milde Töne an.

Hannover. Noch einmal zu erwähnen, dass Stephan Weidner zu der Kapelle gehörte, die „Türkenpack, Türkenpack, raus aus unserem Land“ sang, hieße Eulen nach Hogwarts tragen. Die Frankfurter Böhsen Onkelz waren früh fascho, hinterher aber waren sie so gegen rechts, dass sie einem Hitlergrüßer im Publikum glatt die Gitarre überbrieten. Die Medien blieben freilich skeptisch und ignorierten die liebonkelische Läuterung. Im Song „Fahrt zur Hölle“ sangen die Onkelz ihnen einen Mittelfinger: „Die Presse stinkt.“

Seit 2005 arbeitet man ge-trennt. Bassist und Texter Stephan Weidner macht Musik, Sänger Kevin Russell Schlagzeilen. Nach einer Autofahrt unter Drogen mit Unfallflucht, bei der zwei junge Männer in der Silvesternacht 2009 beinahe verbrannten, saß Russell mehr als zwei Jahre ein. Weidner dagegen hat seit der Onkelzdämmerung drei Alben eingespielt. Er ist jetzt „Der W“. Unter Ausschluss der braven, breiten Masse knüpft er mit seiner neuen Band an das Konzept der Onkelz an: immer schön unfröhlich bleiben, zornig, unverstanden. Das neueste Werk, „III“ betitelt, im Herbst erschienen, bis auf Platz zwei gestiegen, gilt unter den vielen Eingeschworenen als Weidners bestes Solo. Düster. Fatalistisch. Mit knatterndem, hartem Rock wie „Lektion in Wermut“ und „Lachen steckt an“ kommt er nun übernächsten Sonntag samt Band übers Capitol.

Wie bitte? „Lachen steckt an“? Darin heißt es: „Spann ’nen Bogen, bau ’ne Brücke“. Weidners Texte waren Solidaritätserklärungen für alle Underdogs, Kampfansagen an die brave Mitte, Schimpf und Aberschimpf. KonstruktiveKlänge sind indes neu. Mittlebensweisheit? Der Mann wird nächsten Monat 50. Dem Spiegel verriet er schon 2008, dass er die Schwachen mit seiner Musik souveräner machen wolle: „Wer seine Stärken kennt, hat keine Angst. Aus dem wird kein Ausländerfeind, kein Säufer, kein Gewalttäter.“

Der alten Band scheint er nachzutrauern. Im neuen Song „Kampf den Kopien“ schreibt er Nachfolgern wie den jüngst um ihren Echo gebrachten rechtsverdächtigen „Frei.Wild“ ein böses „Ihr seid uns aus dem Arsch gekrochen“ ins Stammbuch. Und der darin enthaltene Vers „Die Lücke klafft, das Loch ist riesig, / das erklärt, dass die Kopie so mies ist“ könnte als Indiz für eine Onkelz-Reunion gewertet werden.

Denn Gitarrist Matt Röhr und Schlagzeuger Peter Schorowsky sind noch im Biz, und Russell ist immerhin raus aus dem Knast. Ein erster Auftritt am 9. März in Geiselwind zeigte freilich einen desorientierten, teigigen Mann, der sein Publikum mit Textlücken und merkwürdigem Bühnengebaren nach Hause sang.


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