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Bernd Frenz

Interview

Bernd Frenz über "Phantastische Zeiten in Hannover"

Für die neue Kurzgeschichten-Sammlung „Phantastische Zeiten in Hannover“ hat er das Vorwort geschrieben; im Blanvalet-Verlag erscheint gerade seine Fantasy-Trilogie „Blutorks“. Ein Interview mit dem Lindener Schriftsteller Bernd Frenz (45).

VON STEFAN GOHLISCH
Wie fantastisch ist Hannover?
Es gibt hier vielleicht nicht so viele Plätze mit einer mystischen oder geschichtsträchtige Ausstrahlung wie in Städten mit einer intakteren Altstadt –ich sag‘ jetzt einfach mal Brügge oder Paris –, aber wer mit offenen Augen durch Hannover geht, findet hier auch viele Stellen, die die Fantasie eines Autoren anregen können. Und wer schon einmal die Dokumentation „Unter den Straßen von Hannover“ gesehen hat, weiß, dass es hier auch viele interessante Stellen gibt, die der normale Bürger nie zu sehen bekommt. Außerdem gibt es hier wirklich viele Grünflächen – und ein tief verschneiter Park in den frühen Morgenstunden hat auch etwas Geheimnisvolles, finde ich. Interessant ist auf jeden Fall, dass es zurzeit wirklich viele heimische Autoren gibt, die bei großen Publikumsverlagen Mystery-, Vampir- oder Fantasy-Romane veröffentlichen. Als erstes fällt mir da das Autoren-Ehepaar Jörg und Corinna Kastner ein, aber auch Lena Falkenhagen, Oliver Dierssen und – wenn man jetzt Garbsen mal als Großraum großzügig dazurechnet – Tanja Heitmann. Irgendetwas scheint hier also schon in der Luft zu liegen, dass die Fantasie zahlreicher Autoren anregt.

Wie gefielen Ihnen die Geschichten in dem Buch?
Ich war überrascht über die Qualität der eingereichten Arbeiten und finds klasse, dass durch diese Anthologie so viele junge und bisher noch unbekannte Autoren die Möglichkeit haben, ans Licht der Öffentlichkeit zu treten. Die Idee des Verlegers Manfred Ilsemann, fantastische Kurzgeschichten unter einem regionalen Thema zusammenzufassen, fand ich von Anfang an gut, deshalb habe ich auch gerne das Vorwort übernommen. Was den lokalen Bezug angeht, gibt es für weitere Projekte dieser Art aber noch Luft nach oben. Es dürften ruhig mehr Geschichten dabei sein, die wirklich die Stadt als Hintergrund haben und nicht nur Straßennamen und Plätze nennen, aber ansonsten auch anderswo spielten könnten. Manchmal fehlt ein wenig das Gespür, was Hannover wirklich ausmacht. Das liegt natürlich auch daran, dass durch Aufrufe in verschiedenen Phantastik-Foren viele auswärtige Autoren bei der Ausschreibung mitgemacht haben. Von denen haben sich aber viele große Mühe mit der Recherche gegeben, das muss man auch betonen: Ich weiß von einem, der eine Stunde lang mit der hiesigen Feuerwehr telefoniert hat, um mehr über die örtlichen Atomschutzbunker zu erfahren. Andere haben sich im Internet schlau gemacht.

Wo in Hannover hätten Sie eine solche Geschichte angesiedelt und in welchem fantastischen Genre?
Wahrscheinlich in Linden, weil ich mich dort am besten auskenne. Eine Geschichte, die unheimliche Vorkommnisse auf dem Fährmannsfest beschreibt, oder einen Slasher, der im Ihme-Zentrum spielt. Möglichkeiten gibt es da genug.

Haben Sie ein bevorzugtes fantastisches Genre?
Eigentlich nicht. Ich lese und schreibe in alle Richtungen und bin auch sehr an historischen Stoffen interessiert. Ich selbst sehe das als einen Vorteil, während Verleger es natürlich gerne sehen, wenn sich Autoren auf einen Bereich festlegen.

Die Fantastik boomt seit Jahren. Woran liegt das wohl?
Ich denke, dass das Bedürfnis nach Mythen und Märchen – oder ganz allgemein nach dem Geheimnisvollen – in jedem von uns fest verankert ist. Und je stärker unsere Umwelt vermessen, durchrationalisiert und reglementiert wird, desto größer wird die Sehnsucht nach dem Unbekannten. Da wir heute aber soviel über unsere Welt wissen, wird es immer schwieriger, ihr etwas Geheimnisvolles abzugewinnen. Ein Autor wie Henry Rider Haggard brauchte seine Abenteuergeschichten nur in Afrika spielen lassen, und schon war für die Leser seiner Zeit alles vorstellbar. Damals gab es noch große weiße Flecken auf den Landkarten, heute kann der Leser gleich bei Google Earth nachschauen und sehen: Was der da geschrieben hat, stimmt ja gar nicht. Die Fantasy hat ganz einfach den Vorteil, dass in ihr weiterhin alles möglich ist.

„Phantastische Zeiten in Hannover“. Verlag Phantastische Zeiten, 196 Seiten, 9,95 Euro.

Hier gehts zur Internetseite von Bernd Frenz


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