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ELEKTRISCHER LIEDERMACHER: Bernd Begemann stellt morgen im Lux sein neues Album vor.© Foto: Andreas Hornoff

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NPInterview

Bernd Begemann -„Neue Strophen für das eine große Lied“

Elektrischer Liedermacher, Mit-Erfinder der Hamburger Schule, grandioser Entertainer: Morgen beehrt Bernd Begemann (53) mal wieder Hannover und bringt sein neues Album „Eine kurze Liste mit Forderungen“ mit. Ein Interview.

Vor drei Jahren waren Sie zuletzt in Hannover ...

Echt? Das kommt mir länger vor. Ich hätte gedacht, vor sechs Jahren.

Nein, vor sechs Jahren spielten Sie beim Boot-Boo-Hook-Festival. Das war dasselbe Jahr, in dem Sie mit Dirk Darmstaedter für Niedersachsen beim „Bundesvision Song Contest“ antraten und Letzte wurden. Gibt es deswegen böses Blut mit Hannover?

Nein. Es war ein Spaß, mit Dirk zusammenzuarbeiten - und ein Fehler, da mitzumachen. Der Song war ja eher eine historische Arbeit (lacht).

Sie coverten „So geht das jede Nacht“ von Freddy Quinn. Warum eigentlich?

Das ganze Album dazu war ja eine Art singendes Museum. Das hat mir viel gebracht. Schließlich sind diese Lieder von damals die einzigen Roots, die wir so haben. Dass wir damit in diesen Wettbewerb gegangen sind ... - ich glaube im Rückblick, dass das eine Gemeinheit von Stefan Raab war. Unser Lied hatte da nichts verloren.

Auch Ihr neues Album klingt wie eine musikalische Spurensuche, vom 20er-Jahre-Schlager des „Nazi-Tattoo-Papa“ bis zur Hamburger Popschule. War das die Absicht?

Ja, und „St. Pauli hat uns ausgespuckt“, hat etwas Raviges wie aus den 90er Jahren, bei manchen Chören habe ich mich von den Les Humphries Singers inspirieren lassen, damit ich mich im Studio nicht so einsam fühle (lacht).

Wie groß wird die Besetzung in Hannover?

Das wird ein Solokonzert. Die Platte hingegen ist extra dafür aufgenommen, dass man sie mit zu Hause hört, mit zwei Boxen, die mindestens zwei Meter Abstand voneinander haben.

Nicht über das Handy in der Bahn?

Nein. Ich finde das so bescheuert: Die Leute kaufen sich Anlagen für ein paar tausend Euro, und dann stellen sie die Boxen direkt nebeneinander ... Jedes Kind kann ihnen erklären, dass es dann keinen Stereoeffekt gibt.

Diese angeblich so „kurze Liste mit Forderungen“ umfasst 28 Lieder. Gibt es ein Oberthema? Vielleicht in dem Satz „Seit 40 Jahren knalle ich meinen Kopf gegen die Wand“ aus „Unoptimiert“?

Ich muss mich ja immer dafür rechtfertigen, dass ich kein Star bin. Wieso eigentlich? Ich halte es für einen großen Triumph, das tun zu können, was ich tue. Wenn man ein fahrender Poet ist wie ich, dann lebt man, um zu singen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Das klingt nach Minnesang. Ist das die Tradition, in der Sie sich sehen?

Das klingt jetzt vielleicht anmaßend. Aber ich sehe mich eher in einer solchen romantischen Tradition als in der eines - sagen wir mal - Rio Reisers. Mich nervt es, wenn Leute sagen, sie schreiben neue Lieder. Wir schreiben keine neuen Lieder. Wir vergrößern das eine große Lied. Wir fügen Strophen hinzu. Ich habe es immer als großes Glück empfunden, das tun zu dürfen.

Was fügt das Album dem hinzu?

Es gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil ist ein Rundumblick in unser Leben. Der zweite Teil gleitet von einer Beziehung in die Isolation. Der dritte Teil ist der Ausgehteil; man lässt sich auf die Welt ein. Der letzte Teil ist dann ein gebrochenes Happy End.

Was sich niederschlägt in dem Lied „Komm zurück, Olli Schulz“?

Ich finde es so schade, dass so viele Leute aus der Hamburger Szene nach Berlin gegangen sind: Olli Schulz, Jochen Distelmeyer, Dirk von Lowtzow. Alle Berlin - ehrlich? Und wie ich höre, sehnen sie sich alle zurück. Berlin hat nichts gegen einen - aber Berlin will auch nichts von einem. Und das ist ein Nachteil.

Bernd Begemann live: morgen ab 20 Uhr im Lux. Eintritt: zwölf Euro.


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